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Steht vor seiner dritten Amtszeit: der Eschenloher Bürgermeister Anton Kölbl (CSU), hier vor dem Rathaus. Im Hintergrund die Pfarrkirche St. Clemens. 

Kämmerei rechnet mit deutlich weniger Steuereinnahmen

Eschenlohe schnürt Sparhaushalt: Corona als Bremsklotz

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Haushaltspolitisch ist in Corona-Zeiten Zurückhaltung angesagt. Dies beherzigte jetzt auch der Eschenloher Gemeinderat, der den rund 4,4 Millionen Euro schweren Etat für das laufende Jahr verabschiedete. Die Kommune rechnet mit stark schrumpfenden Steuereinnahmen – und hält sich daher bei den Investitionen zurück.

Eschenlohe – Hellseher müsste man sein. Dann könnte man sich vermutlich vor Aufträgen aus den Rathäusern des Landes kaum retten. Denn es lässt sich derzeit nur schwer abschätzen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie und die dadurch verursachten wirtschaftlichen Schäden auf die Kommunalfinanzen haben werden. Fachleute gehen aber fest davon aus, dass der Konjunkturschock die Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden nach unten drücken wird.

Eschenlohe geht daher auf Nummer sicher und orientiert sich heuer an einer Haushaltsplanung, die defensiv ausfällt. Das heißt konkret: Christoph Gratz, Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Ohlstadt, kalkulierte bei den erwarteten Überweisungen aus den großen Steuertöpfen ordentliche Abschläge mit ein. Allein die Gewerbesteuer, eine der wichtigsten Einnahmequellen, ist mit moderaten 350 000 Euro angesetzt – obwohl die Schätzungen Anfang des Jahres noch 100 000 Euro höher lagen.

„Im Laufe des Jahres wissen wir mehr“, erklärte der Finanzexperte am Donnerstagabend dem Gemeinderat, der coronabedingt in der Schulturnhalle tagte. Dann wird es sich zeigen, ob man mit den Prognosen richtig lag. Notfalls muss mit einem Nachtragshaushalt nachgebessert werden. Einstimmig und ohne breite Debatten segnete das Kommunalparlament des rund 1600 Einwohner starken Loisach-Dorfs das rund 4,4 Millionen Euro schwere Zahlenwerk ab, das in 2020 alle Einnahmen und Ausgaben regelt. Erfreulich: Es ist weder eine Kreditaufnahme noch ein Griff in die ohnehin schon gut geplünderten Rücklagen vorgesehen.

Bürgermeister Anton Kölbl (CSU), der im Mai seine dritte Amtszeit antritt, spricht von einem „vorsichtigen Haushalt“. Der 61-jährige Rathauschef ist damit zufrieden: „Wir sind nicht an die Grenzen gegangen.“ Außerdem hält sich Eschenlohe bei den Investitionen zurück. Rund 1,3 Millionen Euro fließen in die Infrastruktur. Mit 450 000 Euro größter Brocken ist die bereits weitgehend abgeschlossene Sanierung der Höllensteinstraße (Straßenbau und Wasserleitung). Heuer schlagen Restzahlungen zu Buche. Insgesamt verschlingt das Mammutprojekt um die 850 000 Euro.

Der kommunale Wohnungsbau taucht in dem Etat mit bescheidenen 50 000 Euro auf. Allerdings ist dies erst der Startschuss in Form von Planungen und Vorarbeiten. Die dicken Rechnungen kommen noch. Die Gemeinde möchte auf einem eigenen Grundstück an der Murnauer Straße bezahlbare Unterkünfte schaffen. Entstehen soll dort – der Baubeginn ist für 2021 angepeilt – ein zweigeschossiger Komplex mit 12 bis 14 Mietwohnungen, die sich auch die unteren Einkommensschichten leisten können. Kosten: voraussichtlich 2,1 Millionen Euro. „Das wird eine kleine Wohnanlage“, erklärt Kölbl, der mit hohen staatlichen Zuschüssen im Rahmen eines Förderprogramms rechnet. Als Vorbild könnte ein vergleichbares Projekt in Ohlstadt dienen, bei dem subventionierte Kaltmieten in Höhe von um die acht Euro pro Quadratmeter realisiert wurden. Der Bedarf an günstigen Quartieren sei in Eschenlohe vorhanden, betont Kölbl – und eine Warteliste entsprechend lang.

Ein verhältnismäßig kleiner Betrag, der aber mit Sicherheit gut angelegt ist, wird heuer in die Grundschule gesteckt: Für 50 000 Euro sollen dort Glasfaserleitungen verlegt werden. 2021 wird’s teurer: Dann stehen in der Bildungseinrichtung, die rund 60 Schüler besuchen, umfangreiche Sanierungsarbeiten an den sanitären Anlagen und der Wasserversorgung an. Kostenpunkt: etwa 500 000 Euro. Spätestens dann wird Eschenlohe wieder sprudelnde Steuereinnahmen brauchen.

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