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VW-Bus als Testauto: Geschäftsführer Hubert Mangold (r.) und Entwicklungschef Christian Knab unter dem Fahrzeug. Gut zu sehen ist über ihnen der eingebaute SCR-Katalysator, ein wichtiges Element der Nachrüstung.

Nachrüstung für saubere Luft

Eschenloher Betrieb entwickelt Bausatz: Löst er das Diesel-Problem?

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Die Lösung des Dieselproblems kommt möglicherweise aus Eschenlohe. Dort hat der Familienbetrieb Oberland Mangold ein Nachrüstset für Autos entwickelt, das den Stickoxid-Ausstoß deutlich reduziert. Unklar ist jedoch, ob die Politik überhaupt diesen Weg beschreiten will.

Eschenlohe – In der aktuellen Diesel-Debatte schlagen die Emotionen hoch. Viele Fahrer älterer Diesel-Pkws sind verunsichert – spätestens seitdem Fahrverbote in Städten, in denen die Grenzwerte für Stickoxide nicht eingehalten werden, im Gespräch sind. „Das ist eine Sauerei“, ärgert sich Hubert Mangold, einer der Geschäftsführer des Eschenloher Unternehmens Oberland Mangold, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten zur Abgasreinigung bei Verbrennungsmotoren spezialisiert hat. Der Verbraucher werde im Stich gelassen, meint der Chef des 40 Mitarbeiter starken Betriebs – und müsse die Fehler und Versäumnisse der Autoindustrie ausbaden.

Das Set: Die wesentlichen Teile sind der Katalysator (o.), der AdBlue-Tank (r.) und daneben die Steuereinheit.

„Wir glauben an den Diesel. Das ist ein toller Motor“, betont Mangold – und fügt hinzu: „Man kann ihn sauber machen.“ Keine leichte Aufgabe. Denn die Abgaswerte – das haben Untersuchungen der Eschenloher bestätigt – liegen in der Praxis häufig um ein Vielfaches höher als unter idealen Laborbedingungen. Mangold tritt nach eigenen Angaben mit seinem Team um Entwicklungschef Christian Knab den Beweis an, dass es eine Hardware-Lösung gibt, die in den meisten gebrauchten Modellen (Pkws und leichte Nutzfahrzeuge) der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6 die Stickoxid-Werte um bis zu 70 Prozent nach unten bringt. „Ein wichtiger Beitrag, um die hohe Schadstoffbelastung der Luft in unseren Städten zu reduzieren“, erklärt das Unternehmen per Pressemitteilung.

Das Ganze funktioniert mit einer Nachrüstung. Die Technik, die dabei zum Einsatz kommt, ist kompliziert. Die entscheidenden Teile sind ein so genannter SCR-Katalysator, eine Steuereinheit und ein Tank, in dem sich die Harnstofflösung AdBlue befindet. Mithilfe dieses Mittels, das immer wieder nachgefüllt werden muss, werden im Zuge einer chemischen Reaktion die gefährlichen Stickoxide abgebaut. Viele Bauteile musste Oberland Mangold nicht neu erfinden. Die Kunst bestand vielmehr darin, diese Technologie in Bestandsfahrzeugen zum Laufen zu bringen – „eine Riesenherausforderung, aber machbar“, wie Knab anmerkt. Als Testmodelle dienten zwei VW-Kleinbusse der T5-Baureihe, in denen normale TDI-Motoren werkeln. Unterstützt wurde das Projekt vom ADAC und vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg.

Der besagte Bausatz – der Preis pro Stück dürfte zwischen 1500 und 2500 Euro liegen, hinzu kämen die Werkstattkosten für den Einbau – ist bislang ein Prototyp. Bis Herbst 2019 wäre laut der Eschenloher Firma, die 1985 gegründet wurde, eine Serienfertigung möglich. Auch andere Anbieter stehen mit ähnlichen Konzepten in den Startlöchern. Der Haken: Der Gesetzgeber hat noch kein grünes Licht für die Produkte gegeben. „Es gibt noch keine Rahmenbedingungen für die Zulassung“, sagt Mangold. Es ist auch völlig offen, ob die Bundespolitik diese Form der Umrüstung als Lösung des Diesel-Problems unterstützt. Und selbst wenn dies der Fall wäre, müsste geklärt werden, wer das Update bezahlt.

Oberland Mangold ist stark in Vorleistung gegangen und hat viel Geld investiert. Das Geschäft mit den Bausätzen könnte lukrativ werden, wenn Millionen Dieselfahrer zu potenziellen Kunden werden – aber sich auch als Flop erweisen. Bislang favorisieren die Autobauer die günstigere Software-Variante – in den Augen Mangolds eine „Mogelpackung“. Auf diese Weise ließen sich die Abgaswerte nur etwas verringern, allenfalls um 20 Prozent. Möglicherweise, darüber wird in Branchenkreisen spekuliert, haben VW, BMW & Co. gar kein Interesse an einer Nachrüstung, sondern würden am liebsten gleich neue Modelle mit sauberer Diesel-Technik verkaufen.

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