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„Eine Brühe“: Im Wasser des Langen-Köchel-Sees bei Eschenlohe treten direkt nach dem Traktor-Vorfall Trübungen auf.

Wanderer vermuten Gülle-Sauerei

Odelfass-Rätsel am Murnauer Moos: Umwelt-Frevel - oder doch eher harmlos?

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Ein Traktorfahrer entleert sein Odelfass im Langen-Köchel-See, der vom  Naturschutzgebiet Murnauer Moos umgeben wird: Dieser Eindruck drängte sich Wanderern auf. Die Ermittlungen von Polizei und Landratsamt laufen. Ein Umwelt-Skandal? Nur vielleicht.

Eschenlohe – Gerd L. zieht es immer wieder ins Murnauer Moos: „Ein wunderschönes Naturschutzgebiet“, schwärmt der Garmisch-Partenkirchner. Aktuell blühe unter anderem der Bärlauch, „das ist wunderbar anzuschauen“. In das idyllische Bild schob sich zuletzt eine mindestens fragwürdige Szene. L. und seine Lebensgefährtin Sibylle W. parkten am vergangenen Freitag an der Verbindungsstraße zwischen Eschenlohe und Grafenaschau, wanderten ins Moos. Gegen 10 Uhr überholte sie ein grünlackierter Bulldog, der auf seinem Anhänger ein Odelfass transportierte. Aus etwa 100 Metern Entfernung sahen L. und W., wie der Traktorfahrer rückwärts mit dem Anhänger erst an und dann ein Stück in den langgezogenen See neben der Kantine des früheren Hartsteinwerks – also den Langen Köchel – rangierte. Sie hörten eine Pumpe, dann kam der Bulldog zurück. Als das Paar das Ufer erreichte, sah es nach Angaben von L. „die ganze Brühe im Wasser – das muss Odel gewesen sein. Eine Unverschämtheit“.

Der Nachweis dafür, dass ein Unbekannter wirklich Gülle wild entsorgt hat, fehlt bisher. „Was genau vorgefallen ist, muss erst noch herausgefunden werden“, sagt Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf. Der ehemalige Steinbruch liege nicht im Naturschutzgebiet, wird aber davon umsäumt. Und grundsätzlich gilt: „Gülle, die in die Gewässer kommt, führt zu einer Schädigung der Flora und Fauna, nicht nur im unmittelbar betroffenen Gewässer, sondern auch in der Vegetation der umgebenden Moorflächen und dem Grundwasser.“ Das Landratsamt ermittelt nun ebenso wie die Murnauer Polizei, die prüft, ob ein Umwelt-Delikt vorliegt. Wirklich extreme Frevel kommen nach Angaben von Dienstgruppenleiter Thomas Leinauer in diesem Schutzgebiet praktisch nicht vor, für das strenge Regeln gelten. Vielleicht, meint Leinauer, habe jemand nur Wasser eingesaugt, um das Fass zu reinigen, und die Flüssigkeit auf einer dafür geeigneten Fläche entsorgt. Würde man es vor Ort durchspülen, wäre das in Leinauers Augen „grob“.

Das kann sich Axel Doering indes noch eher vorstellen als den Fall, dass jemand wirklich einen Odelbehälter entleert hat. „Wahrscheinlich wurde das Fass gewaschen“, sagt der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz. „Aber auch das wäre eine Sauerei.“ Die Nährstoffe der Gülle brächten das System aus dem Gleichgewicht, schädigten Tiere und Pflanzen. „Das geht überhaupt nicht.“

Die identischen Worte wählt Eschenlohes Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands: „Das geht überhaupt nicht.“ Gülle, sagt Jakob Schönach, habe im Wasser nichts verloren. Ihn irritiert die Frage nach dem Warum: Was für einen Grund gäbe es, Odel wild in dem Gewässer zu entsorgen, obwohl dieser jetzt normal ausgebracht werden kann? „Ich gehe davon aus, dass meine Kollegen verantwortungsbewusst handeln. Alles andere wäre eine Katastrophe.“ Schönach nimmt die Sache ernst, will auf den Fall in der Jahreshauptversammlung des Alm- und Weidevereins Eschenlohe am Dienstagabend hinweisen. Er kann sich einen Reim darauf machen, wie es zu der Szene gekommen sein könnte, die L. und W. beobachtet haben – und liefert eine weitaus harmlosere mögliche Erklärung. Ein Landwirt, der Gülle ausgefahren habe und sein Fass reinigen möchte, saugt Schönachs Worten nach in der Regel Wasser aus einem Bach in den schmutzigen Behälter und bringt das Gemisch auf eigenen Wiesen wieder aus. Wird der Schlauch nach dem Absaugen abgekoppelt, befinden sich darin noch mehrere Meter Wassersäule, die dann zurück ins Gewässer laufen. „So könnte man eine Trübung erklären“, sagt Schönach.

Der Unteren Naturschutzbehörde ist bisher kein Fall bekannt, in dem im Moos Güllefässer geleert oder gereinigt wurden. „Es gibt kaum Vergehen, die in Form von Strafverfahren oder Ordnungswidrigkeiten geahndet werden müssen“, sagt Scharf. „Die Landwirte kennen die zu beachtenden Regelungen sehr gut und stimmen sich im Regelfall auch mit dem Landratsamt ab.“

Die Behörde wird nun wie die Polizei versuchen, einen Verursacher zu ermitteln und festzustellen, was genau vorgefallen ist. Eventuell gebe es andere Erklärungen als eine Entsorgung oder Reinigung eines Güllefasses, sagt auch Scharf. Er fügt an: „Die Rampe wird auf alle Fälle durch bauliche Maßnahmen unbefahrbar gemacht, so dass eine Wiederholung ausgeschlossen ist.“

Auch interessant: Im Murnauer Moos läuft eine  Studie - Dem Braunkehlchen-Mysterium auf der Spur

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