Eine junge Tanne mit Verbissschaden. Die Aufnahme stammt aus dem Bergwald im Ammergebirge.
+
Eine junge Tanne mit Verbissschaden. Die Aufnahme stammt aus dem Bergwald im Ammergebirge.

Schäden im Eschenloher Bergwald

Streit um Wildverbiss landet vor Gericht

Am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen ist ein Streit um Wildverbiss verhandelt worden. Es steht eine gütliche Einigung im Raum. Kritik wurde an der Gemeinde Eschenlohe laut.

  • Ein Rechtsstreit um das Thema Wildverbiss ist am Amtsgericht verhandelt worden.
  • Kläger waren Waldbesitzer im Eschenloher Gebiet.
  • Das Gericht hob am Ende einen gemeindlichen Bescheid auf.

Garmisch-Partenkirchen – Mit einem juristischen Kniff hat Amtsrichter Andreas Pfisterer einen vorläufigen Schlussstrich unter ein zivilrechtliches Verfahren zwischen Waldbesitzern aus Eschenlohe gezogen. Der Vorsitzende entschied nur den ersten Teil des Rechtsstreits: Er hob einen Vorbescheid der Gemeinde Eschenlohe auf und spielte den Ball damit an die Kommune zurück. Die wiederum kann die Kosten des Verfahrens – es geht um insgesamt rund 5700 Euro – aus rechtlichen Gründen nun nicht vollstrecken und müsste ihrerseits klagen, was die beteiligten Juristen für unwahrscheinlich halten. „Da bin ich mal gespannt, was die Gemeinde Eschenlohe damit macht“, sagte Pfisterer, als er die Aufhebung des Vorbescheids bekanntgegeben hatte.

Schäden auf bis zu 1500 Metern Höhe

Dem Rechtsstreit lag dieser Verwaltungsakt zugrunde, wonach mehrere Waldbesitzer Verbissschäden in ihren Grundstücken geltend machten – auf bis zu 1500 Metern Höhe. Im vorliegenden Fall traten die geschädigten Grundeigentümer als Beklagte auf. Die Kläger waren die Gegenpartei, die ans Jagdrevier angrenzenden Waldbesitzer, die in diesem Bereich das Jagdrecht ausüben. Diese sollten laut Vorbescheid den Wildschadenersatz in Höhe von 1516 Euro und die Gutachterkosten von 4182 Euro übernehmen. Dagegen wehrten sich die Eigentümer des Jagdreviers und begehrten, dass der Vorbescheid aufgehoben wird – mit Erfolg.

Gut was los im Gerichtssaal

Zahlreiche Jäger und Grundstücksbesitzer verfolgten die Verhandlung im Sitzungssaal 1 vor dem Amtsgericht. Den Rechtsanwälten beider Parteien war der Wunsch nach einem langfristigen Konsens anzumerken. Zunächst hielt es jedoch Leopold Thum, der Prozessbevollmächtigte des Klägers, „für problematisch, Wildschäden in dieser Fläche mit besonderen Merkmalen und Kahlschlag geltend zu machen“. Sein Kollege Dr. Stefan Wagner, der die beklagten Waldbesitzer vertrat, berichtete von drei Verfahren seit 2017, in denen die Entscheidungen noch ausstehen. „Es gibt eine Verfahrensverschleppung durch die Gemeinde Eschenlohe in allen Fällen“, betonte Wagner. Das Waldgrundstück seiner Mandanten sei einer massiven Wildbelastung ausgesetzt. Die Aufforstung verursache hohe Kosten, doch die Waldverjüngung komme nicht zustande – wegen des massiven Verbisses.

Spätes Treffen der Beteiligten

Gemeldet wurde der Schaden im Mischwald bei der dafür zuständigen Gemeinde Eschenlohe am 23. September 2019. „Wildschäden können nur zeitnah festgestellt werden“, betonte Pfisterer. Doch erst Mitte Dezember – knapp drei Monate später – kam es zu einem Treffen der Beteiligten im Rathaus Eschenlohe. Und erst Anfang April wurde ein Schätzer hinzugezogen und der Verbiss im Mischwald im steilen Gebirge begutachtet.

Bescheid wird aufgehoben

„Eine gütliche Einigung der Beteiligten steht im Raum“, betonte schließlich Pfisterer, der gravierende Mängel am Vorverfahren der Gemeinde Eschenlohe erkannte. Unter anderem monierte der Vorsitzende, dass die Schadensfeststellung durch die Untätigkeit der Gemeinde erschwert und maßgebliche Beteiligte nicht geladen wurden. Zudem ergeben sich aus Sicht des Gerichts Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens des Wildschadenschätzers. „Aufgrund der Verfahrensfehler der Gemeinde Eschenlohe wird der Vorbescheid aufgehoben“, verkündete Pfisterer. Anschließend beantragten beide Parteien, den Rechtsstreit ruhen zu lassen – die Beteiligten wollen sich außergerichtlich einigen. Jetzt ist die Gemeinde Eschenlohe am Zug, die bereits für die Gutachterkosten aufkommen musste.

Alexander Kraus

Auch interessant: Stinkende Schafwolle soll Tannen retten 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare