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Ex-Bundesverfassungsrichter Hans-Joachim Jentsch

Ettal: Ex-Richter soll nochmal nachbohren

Seit Juli liegt ein Abschlussbericht zu Vorwürfen sexueller Gewalt an früheren Internatsschülern im Kloster Ettal vor. Jetzt hat die Ordensgemeinschaft einen Ex-Bundesverfassungsrichter beauftragt, offenen Fragen nachzugehen.

Neun Monate ist es kommenden Montag her, dass das Kloster Ettal  Vorwürfe körperlicher und sexueller Gewalt an früheren Internatsschülern bestätigte. Seither läuft der Prozess der Aufarbeitung. Die Benediktiner waren heftigen Vorwürfen von Opfern und Interventionen der Erzdiözese ausgesetzt. Seit Juli liegt der vorläufige Abschlussbericht vor, doch es bleiben Fragen: Warum wurde so lange nichts öffentlich? Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Die Ordensgemeinschaft will jetzt noch einmal tiefer bohren. Dafür hat sie den früheren Bundesverfassungsrichter Hans-Joachim Jentsch engagiert. Der 73-jährige Wiesbadener hat von den Mönchen den Auftrag, alle dokumentierten Fälle durchzusehen und nach Schwachstellen im System zu forschen. Dies soll er „in möglichst engem Kontakt“ dem Verein „Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer“ tun, heißt es.

Dessen Vorsitzender Robert Köhler begrüßt, dass „eine solch renommierte Person des öffentlichen Lebens“ eingebunden werde. Dies habe sein Verein bereits im Juni angeregt. Unklar sei allerdings, welche Erfahrung der Jurist auf dem Gebiet des sexuellen Kindsmissbrauch habe. Die Ettaler Mönche wiesen auf die Unabhängigkeit Jentschs hin. Dieser habe weder die Klosterschule besucht noch sonstige persönliche Verbindungen nach Ettal.

Seit Herbst laufen die Täter-Opfer-Gespräche. Abgesehen von bereits verstorbenen Mitbrüdern sind sechs Benediktiner mit Vorwürfen konfrontiert. „Alle wurden aus ihren seelsorglichen und pädagogischen Aufgaben abgezogen“, versichert Prior Maurus Kraß. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Intern wird aufgrund der Opferberichte weiterermittelt, die Sachverhalte gehen zur weiteren Prüfung an die Glaubenskongregation, heißt es vom Ettaler Kloster.

Erste finanzielle Hilfen haben einige Opfer bereits erhalten. Eine anwaltliche Erstberatung und Therapieleistungen bezahlt das Kloster. Der Opferverein betont, dass die Mönche beim Thema Entschädigungen aufgeschlossen sind. Allerdings fordert der Verein von den Mönchen, offen Stellung zu den Missetaten zu bezeihen. Noch immer kämen sich bei Klassentreffen die Ehemaligen in die Haare, bedauert Köhler.

Gegen Ende der bayerischen Sommerferien hatten Abt, Prior und zwei Mitbrüder eine Audienz beim Papst. Dabei soll Benedikt XVI. Klartext geredet haben.

Barbara Just und Christoph Renzikowski

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