Zwei goldene Schilder hängen neben einer Tür, auch eine Klingel ist zu sehen.
+
Eine „heile Welt“ hab ein Bub im Internat gefunden. Doch die Mutter konnte sich das Schulgeld nicht leisten.

Richterin regt einen Vergleich an

Benediktinerabtei Ettal klagt gegen Münchnerin: Über 21.000 Euro Schulgeld fehlen

  • Marion Neumann
    vonMarion Neumann
    schließen

Aufgeblüht soll der Bub sein im Internat in Ettal. Doch wurde ihm gekündigt. Denn seine Mutter hat zwei Jahre lang kein Schulgeld bezahlt - wie vereinbart, sagt sie. Damit befasst sich nun das Gericht.

Ettal/München – Schon als die alleinerziehende Mutter aus München zum ersten Mal das Internat der Benediktinerabtei in Ettal besichtigte, war sie begeistert: „Ich habe damals gesagt: Wenn ich könnte, würde ich selbst hier einziehen.“ Sie war im Jahr 2018 auf der Suche nach einer neuen Bildungsstätte für ihren Sohn, der an seiner früheren Schule in München gemobbt worden war. Tatsächlich wechselte der Filius dann als interner Schüler aufs Ettaler Gymnasium. Fast zwei Jahre ging er dort anschließend zur Schule und sei in dieser Zeit, so seine Mutter, „richtig aufgeblüht“.

Inzwischen hat sich das Verhältnis der Münchnerin zum Kloster jedoch deutlich abgekühlt: Am Mittwoch fand sich die Frau vor dem Landgericht München I wieder – wegen einer Forderung der Benediktinerabtei Ettal auf Nachzahlung von Schulgeld in Höhe von über 21 000 Euro.

Mutter kann Kosten nicht tragen: „Das habe ich immer gesagt“

Der Klage zugrunde lag ein Internatsvertrag, den die Mutter beim Eintritt des Sohnemanns unterschrieben hatte. Dem Schüler war aufgrund der Zahlungsrückstände vom Kloster gekündigt worden. „Ich habe immer wieder betont, dass ich die Kosten nicht tragen kann – von Anfang an“, gab die Mutter in der Verhandlung an. Bereits beim Vorstellungsgespräch in Ettal sei ihr nämlich mündlich zugesichert worden, dass ein Förderverein, der einkommensschwache Eltern unterstütze, die Schulkosten übernehmen könne. Für Richterin Yvonne Folk war genau dies das Problem: „Es gibt keine schriftlichen Zusagen.“

„Kurios“ fand es die Richterin allerdings auch, dass das Kind zunächst ohne schriftlichen Vertrag im Internat aufgenommen wurde. Das Papier hatte die Beklagte erst ein halbes Jahr später unterzeichnet. Laut ihren Schilderungen hatte ein damaliger Benediktinerpater ihr dazu geraten, wegen des Fördervereins noch abzuwarten. Erst als von Seiten der Schule auf eine Unterschrift gedrängt wurde, habe sie schließlich unterzeichnet. „Das Kind war schon bei ihnen – aber es war noch nicht klar, wer zahlt?“, fragte die Richterin den als Zeugen geladenen ehemaligen Ettaler Pater. „Für mich sah es zunächst so aus, dass der Förderverein einspringen kann“, sagte er. Gegen eine Kostenübernahme hätte unter anderem schließlich das Einkommen des Kindsvaters gesprochen.

Noch kein Urteil: Parteien haben bis Dezember Zeit für einen Vergleich

„Ich sage es ganz ehrlich: Rechtlich sieht es eher schlecht aus“, äußerte sich die Richterin gegenüber der Beklagten. Letztendlich hätten alle Seiten dem Kind ermöglichen wollen, in eine „heile Welt“ einzutauchen – „weg von den mobbenden Kindern in der Stadt“. Klar sei allerdings auch, dass Kost und Logis auf Dauer „nicht umsonst“ seien.

Zu einem abschließenden Urteil kam es gestern nicht. Bis Anfang Dezember haben beide Parteien nun Zeit, sich auf einen Vergleich zu einigen. Möglich wären dabei Ratenzahlungen oder eine Erlassung der Schulden nach Zahlung eines bestimmten Betrages. „Es handelt sich hier um eine kirchliche Einrichtung, die gewillt ist, sich zu einigen. Ich hoffe, Sie finden eine Lösung“, schloss die Richterin.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare