Nicht noch Öl ins Feuer gießen: Prior Pater Maurus Kraß hat gestern sein Amt niedergelegt. Foto: Hutter

Auch Prior zurückgetreten: Kloster Ettal ohne Führung

Ettal - Es kommen immer neue und immer mehr Details ans Tageslicht: Im Kloster Ettal ist es in der Vergangenheit auch zu Misshandlungen von Schülern gekommen, wie gestern die Erzdiözese bekanntgab.

Im dem altehrwürdigen Kloster ist nichts mehr wie es einmal war. Nach dem Rücktritt von Abt Barnabas Bögle (52) am Mittwoch hat gestern auch der Prior der Benediktinerabtei und Schulleiter Pater Maurus Kraß (50) die Konsequenzen aus den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Internatsschülern durch Ordensangehörige gezogen.

Nach einem Gespräch mit Generalvikar Peter Beer am Donnerstagnachmittag bat Maurus, der zwölfeinhalb Jahren die Klosterschule leitete, um Entbindung von Aufgaben und Amt. Einher ging damit das Bekanntwerden eines weiteren Missbrauchsverdachts eines Paters aus dem Jahr 2003. Damit ist das Benediktinerkloster, dem 50 Mönche angehören, derzeit führunglos.

Gestern früh um 8 Uhr versammelte der Prior Schüler, Lehrkräfte, Mitarbeiter und einige Elternbeiräte in der Basilika, um sie mit teils tränenerstickter Stimme in Beisein von Abt Barnabas von seinem Schritt zu unterrichten. Nach einem Gebet, in dem Pater Maurus die Versammelten eindringlich darum bat, „dem Glauben und der Kirche die Treue zu halten“, segnete er die Schulgemeinschaft mit der Ettaler Madonna, dem bekannten Gnadenbild (Gottesmutter mit Kind).

„Aus freien Stücken und reiner Überzeugung heraus“, so der Schulleiter gestern vormittag im Tagblatt-Gespräch, habe er den Entschluss zum Rücktritt gefasst: „Ich habe gespürt, dass es in Elternkreisen kritische Stimmen gegen kirchliche Empfehlungen aus München gibt, da wollte ich kein Öl ins Feuer gießen.“

Am Gymnasium übernimmt bis auf weiteres der Stellvertretende Schulleiter Wolfgang Rall die Leitung. Dazu ein Lehrer: „Auch wenn es derzeit alles andere als leicht ist für uns und für die Schüler: Der Schulbetrieb muss und wird weitergehen.“ Auch Abt Barnabas und Pater Maurus werden künftig weiter unterrichten.

Dagegen ist bisher nicht klar, wie es um die künftige Führung im Kloster bestellt ist. Dazu wollte sich der Prior nicht äußern. Er werde, wie wohl auch der Abt, in Ettal bleiben: „Ich packe keine Koffer.“ Die Personalie der Abt-Nachfolge ist ureigenste Aufgabe des Ordens. Es kursieren in Ettal bereits Gerüchte, wonach eventuell Pater Paulus Koci, der seit Juli 2006 das Kolleg St. Benedikt in Salzburg leitet, zurückkehrt. Dagegen spräche jedoch, dass er in der Zeit, in die ein Teil der Missbrauchsfälle fallen, im Internat als Präfekt und später auch als Direktor tätig war.

Währenddessen hat gestern die Münchner Bistumsleitung noch einmal den Ton gegenüber Ettal verschärft: Man sei erschüttert über das Ausmaß der Übergriffe auf Minderjährige und auch über den Umgang mit den Vorwürfen durch die Benediktiner. Aus dem Ordinariat verlautete zudem aus einer bislang nicht näher definierten Quelle, dass aufgrund der Schwere der Verstöße gar der Fortbestand des Klosters in Frage gestellt sein solle.

Ludwig Hutter

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