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Diese Augustus-Büste hat das Kloster Ettal 1905 als Geschenk erhalten, als die „königliche Lateinschule“ eröffnete - li. Abt Barnabas Bögle, re. Roland Jurgeleit, Mitglied der Schulleitung.

Ein Jubiläum am Benediktinergymnasium zur Landesausstellung

Ettaler Schulfamilie feiert das 100. Abitur

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Viele Blicke sind in diesem Jahr auf Ettal gerichtet, wenn die Bayerische Landesausstellung am3. Mai ihre Pforten öffnet. Dabei gibt es auch „intern“ in der Benediktinerabtei etwas zu feiern – nämlich das 100. Abitur von Gymnasium und Internat.

Ettal – Es ist ein schönes, ein besonderes Jubiläum, auf das eine kleine Schule wie Ettal stolz sein kann. Dabei hätte man das 100-Jährige an sich schon vor vier Jahren begehen können, wenn nicht, wie es Abt Barnabas Bögle nachdenklich formuliert, „uns die Nationalsozialisten von 1941 bis 1945 die Schule genommen hätten“.

Kaum war das Kloster in diesem engen Bergtal anno 1900 von zwölf Mönchen begründet worden, eröffnete fünf Jahre später die „königliche Lateinschule“ – der Auftakt zu einer wechselvollen Geschichte. 1914 absolvierte der erste Schuljahrgang, die „Absolvia prima ettalensis“, das Abitur. Und gleichzeitig begann der Erste Weltkrieg. Dazu Abt Barnabas: „Es war tragisch. Viele junge Absolventen sind sofort nach der Schule eingezogen worden und wenig später an der deutsch-russischen Grenzlinie gefallen. Darunter waren auch eine Reihe von jungen hoffnungsvollen Novizen.“ Der Absolvia 1914 gehörte auch Dr. Josef Panholzer an: Das Bayernpartei-Mitglied saß von 1958 bis 1966 im Bayerischen Landtag und war unter anderem Staatssekretär im Finanzministerium.

Herzog Franz und Max Streibl Absolventen

Das humanistische Gymnasium in Ettal verzeichnete bald nach der Gründung immer größeren Zulauf, bis aus Schlesien, dem Rheinland und weiteren Regionen des Landes. Nach dem tiefen Einschnitt durch die NS-Zeit konnte das Gymnasium der Mönche bereits wieder am 8. Dezember 1945 unter Schulleiter Pater Stephan Schaller den Unterrichtsbetrieb aufnehmen. Diesen besonderen Tag leitete die Schulfamilie mit einem Gottesdienst ein, anschließend wurde in einer Prozession das Ettaler Gnadenbild durch Schule und Internat getragen. Zu den ersten Generationen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Abitur ablegten, gehörten unter anderem Max Streibl und Herzog Franz von Bayern. „Unser Gymnasium war restlos voll damals mit rund 200 Schülern“, blickt Abt Barnabas Bögle zurück.

Die weitere Zeit am Benediktinergymnasium, in die auch die schrecklichen Ereignisse von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch fielen und die einen dunklen Schatten auf das Kloster warfen, war geprägt von stetig steigenden Schülerzahlen. So musste Ettal 2001, als unter Direktor Pater Maurus rund 443 Schüler gezählt wurden, erstmals Bewerbern absagen.

Aufgrund verschiedener Faktoren hat sich aktuell die Anzahl der Schulangehörigen auf 260 eingependelt. Ein Drittel sind Mädchen. Abt Barnabas: „Sie sind aus unserem Schulalltag nicht mehr wegzudenken.“ 35 Lehrer unterrichten am Gymnasium, davon sind sieben Mönche, vier von ihnen in Vollzeit. Unisono stellen der Leiter des Klosters und Roland Jurgeleit, Mitglied der Schulleitung, heraus, „dass kleine Klassen unsere große Stärke sind“. Die überschaubare Zahl an jungen Leuten, die unterrichtet würde, böte die Chance, auf die speziellen Neigungen und Fähigkeiten jedes Einzelnen einzugehen. Der Begriff von der Ettaler Schulfamilie – oft gebraucht – sei keine leere Phrase, sondern gelebte Realität. Vor kurzem habe der Tag der offenen Tür, so Jurgeleit, wieder großes Interesse und eine sehr angenehme Atmosphäre spürbar werden lassen. Dieses besondere Ettaler Flair haben auch schon Absolventen wie der Dichter Eugen Roth, Karikaturist Ernst Maria Lang und Schauspieler Robert Joseph Bartl gespürt.

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