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Ankunft in der Klinik auf der Tiberinsel, wo das „älteste Krankenhaus der Welt“ beheimatet ist.

Landrat Anton Speer und Ettals Cellerar bringen Hilfsgüter persönlich mit einem Van in die Ewige Stadt 

Hilferuf aus Italien: Landkreis liefert 1000 Schutzmasken

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Die Situation ist weitaus bedrohlicher als bei uns. Italien leidet unter Corona - und bat jetzt den Landkreis um Unterstützung.

Ettal – Manchmal entflieht er dem politischen Alltagsgeschäft. Ganz spontan. Dann sind auch sieben oder acht Stunden Autofahren kein Hinderungsgrund für ihn. Ob zur Grünen Woche nach Berlin, zum Kulmbacher Bierfest oder einem runden Geburtstag eines Landratskollegen in Unterfranken. Manchmal braucht Anton Speer eine kleine Auszeit. Vor kurzem erhielt er nun einen Anruf von Pater Johannes Bauer, dem Cellerar vom Kloster Ettal. Der fragte nach wegen einer Fahrt nach Rom. Speer überlegte kurz, sagte prompt zu, verschob alle Termine.

Der Hintergrund für diese Unternehmung war ein durchaus ernster. Ein Hilferuf. Aus Italien. Dem Land, das bis heute mit am stärksten von der Covid-19-Pandemie betroffen ist – mit aktuell über 238 000 Infizierten und rund 34 600 Todesopfern. Am Pfingstmontag erreichte das Werdenfelser Land eine ausgefallene Bitte über die Deutsche Botschaft in Rom.

„Ältestes Krankenhaus der Welt“

Dr. Niklas Wagner, der als gebürtiger Garmisch-Partenkirchner inzwischen die Politische Abteilung der Botschaft leitet, fragte an, ob dringend benötigte Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung zur Unterstützung der Arbeit an einer römischen Klinik geliefert werden können. Der Kontakt kam über Elisabeth Koch, ehemalige Nachbarin Wagners in Garmisch-Partenkirchen und heutige Bürgermeisterin der Marktgemeinde zustande. In einer Notlage befand sich das „älteste Krankenhaus der Welt“ auf der Tiberinsel in Rom, das staatliche Krankenhaus „Fatebenefratelli“. Hygieneschutzartikel wurden dringendst benötigt, um weiter operieren zu können.

Und hier kam das Benediktinerkloster Ettal ins Spiel, das in der Corona-Krise Desinfektionsmittel für das Kreisklinikum herstellte. Keine drei Tage nach dem Hilferuf aus Rom war bereits ein erster Hilfstransport von Ettal gen Italien unterwegs, der neben der Klinik auch die Armenmission im Vatikan belieferte. Eine zweite Lieferung schloss sich an – und diese übernahmen Pater Johannes vom Kloster Ettal und Anton Speer.

Große Dankbarkeit bei Gastgebern

Vollgepackt bis oben hin mit Desinfektionsmittel und Schutzmasken startete der Van, den abwechselnd der Pater und der Landrat steuerten. Acht Stunden Autofahrt lag vor ihnen. Für die Italien-Hilfe haben sich zahlreiche Institutionen des Landkreises zusammengeschlossen, um schnell und unbürokratisch zu helfen. Das Kloster Ettal und das Klinikum stellten 1200 Liter Desinfektionsmittel zur Verfügung, die Benediktiner Weißbräu GmbH lieferte zusammen mit dem Kloster 1000 Schutzmasken und das Trachtenhaus Grasegger 100 Schutzanzüge.

In Rom wurden Speer und Pater Johannes bereits sehnsüchtig erwartet, sowohl in der Klinik auf der Tiberinsel, als auch bei der Armenmission im Vatikan. Man brachte ihnen herzliche und aufrichtige Dankbarkeit für die Hilfe entgegen. Höchst erstaunt waren die beiden über die Situation in der ewigen Stadt. Der Landrat: „Auf dem Petersplatz, wo sich normalerweise Tausende von Touristen drängen, waren wir fast allein. Auch in den Straßen, Restaurants und Geschäften sah man nur ganz wenige Menschen.“ Einen kleinen Plausch hielten die bajuwarischen Gäste auch mit der Schweizer Garde im Vatikan, laut Speer „lauter nette Burschen“. Nach einer Besichtigung des Petersdoms und einem Abstecher zur Kirche St. Paul vor den Mauern machten sich Landrat Speer und Pater Johannes anderntags wieder auf die Heimreise. Der Cellerar: „Die Bilder in Italien haben uns tief bewegt. Wir sind froh, dass wir einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Situation in dem Land leisten konnten.“

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