er restaurierte Neptun fliegt über dem Schloss Linderhof zu seinem alten Platz.
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Die tonnenschwere Fracht schwebt durch die Lüfte: Der restaurierte Neptun fliegt über dem Schloss Linderhof zu seinem alten Platz.

Skulpturen mussten restauriert werden

Schloss Linderhof: Figuren des Neptunbrunnens kehren nach drei Jahren zurück

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Über drei Jahre war er weg. Nun ist Neptun mit Gefolge und Rössern spektakulär nach Schloss Linderhof zurückgekehrt. Die Brunnen-Skulpturen waren zum ersten Mal nach 140 Jahren in Berlin saniert worden. Eine Mammutaufgabe.

  • Von Berlin ins Graswangtal: Nach drei Jahren Abstinenz kehrt Neptun und sein Gefolge zurück nach Schloss Linderhof.
  • Die 143 Jahre alten Brunnen-Skulpturen sind aufwändig von Spezialisten restauriert worden.
  • Die Statuten wiegen jeweils rund eine Tonne

Linderhof – Er fliegt. Der römische Wassergott ist hoch in der Luft. Neptun schwebt langsam und bedächtig über den Köpfen der hellen Kalksteinstatuen hinweg. Der muskelbepackte Adonis-Körper ist lediglich mit Bandschlingen an einem Eisenkäfig befestigt. Er dreht sich sanft im Wind. Fast so, als würde er seine Heimat, das Schloss Linderhof, nach drei Jahren der Abwesenheit eindringlich begutachten. Die Gäste haben ihn vermisst. Alexander Laar erst recht. Neptun ist endlich wieder daheim.

Nach drei Jahren der intensiven Komplettsanierung sind die Figuren des Neptunbrunnens an das Schloss von König Ludwig II. zurückgekehrt. Laar, stellvertretender Amtsvorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Linderhof, hat lange auf die Rückreise gewartet. Am Donnerstag um 14.30 Uhr ist es so weit: Ein Lkw steht vor dem kleinen Schloss, nachdem er 700 Kilometer quer durch Deutschland gefahren ist. Drei Holzkisten sind auf der Tragfläche gelagert. Jede beherbergt eine der kostbaren Figuren. Wahre Pfundskerle: Die Statuten wiegen jeweils rund eine Tonne. Bedächtig hebt sie ein gigantischer Kran der Firma BKL auf den Boden. Es eilt. „Der Lastwagen muss so schnell wie möglich vom Schloss weg“, sagt Laar. Die Schlossanlage hat ganz normal für Besucher geöffnet, auch wenn wegen der Corona-Pandemie wesentlich weniger Führungen in kleineren Gruppen angeboten werden. Die wollen natürlich das Schloss sehen und keinen Schwertransporter.

Endlich wieder zuhause: Die Zinkguss-Figuren wurden in Holzkisten von Berlin nach Linderhof transportiert.

Ein schwarzer Mercedes mit Berliner Kennzeichen fährt vor, bleibt neben dem Lastwagen stehen. Bernd M. Helmich steigt aus. Der Meister des neuen Neptuns. Der Kunstschmied und Restaurator war verantwortlich für die Ertüchtigung. Unter seiner Federführung ist den verblassten Göttern wieder Leben eingehaucht worden. In seiner Werkstatt in Berlin-Köpenick war er dem Wassergott und seinem Gefolge zu Leibe gerückt. Eine intensive Arbeit, gesteht er. „Teilweise war sehr viel Lochfraß zu sehen, manche Teile sind abgebrochen.“ Also musste Helmich ran.

Schloss Linderhof: Neptun hatte Risse, einem Ross fehlte der Unterkiefer

Gemeinsam mit vier Spezialisten frischte er in Vollzeit die drei Meter hohe Neptunfigur, die drei Meerrösser, zwei Tritonen und zwei Puttenpärchen wieder auf. Sie hatten es bitter nötig, die Statuen aus Zinkguss sind genau 143 Jahre alt. Der Anblick war 2017 kein schöner mehr gewesen, als Helmich die Figuren hinter dem Schloss abgebaute. Neptun hatte Risse. Einem Ross fehlte sogar der Unterkiefer. Die Witterung zehrte über 14 Jahrzehnte hinweg kräftig an dem Kunstwerk. Insbesondere Frost- und Tauphasen setzten der Kaskadenanlage mächtig zu. Helmich hat eine gänzlich neue Innenkonstruktion vollzogen, den Zinkguss aufgefrischt und die Bleirohre modernisiert.

Ausgepackt wird das Puttenpärchen von Kunstschmied Bernd Helmich.

Seit 1878 schmückt der Brunnen die Kaskade mit über 30 Stufen hinauf zum Hennenkopf. Der künstliche Wasserfall wird aus Quellen in 1300 Metern Höhe gespeist. Die Figuren speien das Bergwasser – ohne Elektronik, wie zu König Ludwigs Zeiten. „Der nötige Druck wird von dem natürlichen Gefälle erzeugt“, sagt Laar.

Wieder rabenschwarz glänzend

Jetzt sind er und seine Mitarbeiter gespannt auf das Ergebnis. Helmich schraubt die erste Holzwand ab. Ein Ross und ein Triton – ein Meeresgott – kommen zum Vorschein. Sie sind wieder rabenschwarz. Glänzen leicht in der schwachen Herbstsonne. Laar berührt die Pferdeschnauze. Ganz vorsichtig. „Super“, sagt er.

Gäste scharen sich um die Figuren. Handykameras blitzen, Fragen werden gestellt. „Werden die nun für den Winter abgebaut?“, fragt eine Frau. „Im Gegenteil“, sagt Laar. „Sie sind endlich wieder daheim.“

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