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Die zehnte Kreation von Frater Vitalis Sittenauer ist der Heimat-Gin „1596“. 

Der Mann, der Schnaps riecht

Ettaler Benediktinermönch kreiert Heimat-Gin 

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33 Kräuter sind enthalten. Frater Vitalis Sittenauer hat den Heimat-Gin „1596“ erstellt. Wie er schmeckt, weiß er allerdings nicht.

Ettal – Schnaps – trinkt Frater Vitalis Sittenauer nicht. „Schmeckt mir nicht, hat mir noch nie geschmeckt.“ Gut, dass der Benediktinermönch die Destillerie des Kloster Ettal leitet. Seit 19 Jahren. Und das tatsächlich mit Erfolg. Bereits neun verschiedenen Schnäpse hat er für Ettal und für andere Klöster erschaffen. Darunter der Heulikör, der bereits seit 1998 vertrieben wird. Nun präsentiert Frater Vitalis seine zehnte Kreation: den Heimat-Gin. Pater Johannes Bauer, zuständig für die Wirtschaftsbetriebe des Klosters, kam vor einigen Monaten mit der Idee auf ihn zu. Sie gefiel Sittenauer. Doch Gin trinkt er natürlich auch nicht. Der 58-Jährige hatte also keine Ahnung, wie der Wacholderschnaps überhaupt schmeckt. So zog er erst einmal los und kaufte fünf Sorten. Nicht, um ihn zu probieren. Sondern um an den Flaschen zu riechen. Anhand der Gerüche schrieb er in einer Nacht sein Gin-Rezept. Mit 33 Kräutern.

Frater Vitalis hat den Gin noch nicht probiert

Man könnte das gut vermarkten und behaupten, das habe mit den 33 Lebensjahren von Jesus zu tun. Stimmt aber nicht, sagt Frater Vitalis. Da bleibt er bei der Wahrheit. „Es war purer Zufall.“ Sittenauer verfolgte zwei Ziele: einen Gin zu kreieren, der zum Kloster passt. Und einen „floralen“ Gin, der also blumig und weich schmeckt. Mit einem Aroma von Rosen, Lavendel und Organgenblüten, einem Touch von Vanille, einer Note von Pfeffer, der Besonderheit von Ettaler Braumalz und Hallertauer Siegelhopfen. Und natürlich Wacholder. „Das Ganze kommt leicht, verspielt und beschwingt daher.“ Wie das Kloster, mit seiner barocken Basilika und der Rokoko-Sakristei, findet Frater Vitalis, der noch keinen Schluck probiert hat.

Christian Loth, Kommunikationsleiter bei den Klosterbetrieben, gibt ihm Recht: Der Gin passe zur Benediktinerabtei beziehungsweise zur Destillerie und ihrer Geschichte. Brände oder Liköre aus und mit Wacholder gibt es Loth zufolge im Kloster Ettal seit über 400 Jahren, eben seit es die Destillerie gibt. Diese Tradition haben die Mönche im Namen festgehalten: Ihr Heimat-Gin heißt „1596“, das Gründungsjahr der Klosterdestillerie. Frater Vitalis war von diesem Vorschlag „sofort begeistert“.

Das waren die ersten Tester und Kunden vom Ergebnis offenbar auch. Noch bevor die Flaschen im Verkauf landeten, wollte ein Besucher nach dem Probieren die halb volle Flasche kaufen. Der Preis spiele keine Rolle. „So was hab’ ich noch nicht erlebt.“ Frater Vitalis lehnte ab. Und vertröstete die Gäste auf den offiziellen Verkaufsstart.

2000 Liter wurden hergestellt

In der Regel wird ein neues Produkt auf dem Markt von einer groß angelegten Werbeaktion begleitet. Nicht im Kloster Ettal. „Wir glauben, unser Gin ist so gut, dass er sich von alleine herumspricht“, sagt Loth. Hat er bereits. In Fachforen erhalte er beste Bewertungen, Kunden seien hoch zufrieden, heimische und überregionale Hotels haben bei Loth bereits angefragt, ob sie den Gin beziehen können, darunter ein Hotel aus der Schweiz.

2000 Liter hat Frater Vitalis zunächst hergestellt. Aber man werde nachproduzieren, versichert Loth. Der Destillateur kündigt zudem bereits die nächste Neuheit an: 2018 wird es den bayerischen Dry Gin „1596“ als „Gin im Fass gereift“ geben. Zwei Jahre bleibt der Wacholder-Schnaps im Fass, was ihm einen „weinigen, noch milderen Geschmack“ verleihe, sagt Frater Vitalis. Der auch an dieser Sorte nur riechen wird. Weil Schnaps „mag ich nicht. Hab’ ich noch nie gemocht.“  

1596 – Bayerischer Dry Gin

Der Heimat-Gin aus dem Kloster Ettal ist im eigenen Online-Shop unter www.ettaler.de sowie im Klosterladen erhältlich. Die 0,5-Liter-Flasche kostet 29,75 Euro.

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