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Abt Barnabas zeigt einen Schatz aus der Klosterbibliothek.

Premierenveranstaltung wird zum vollen Erfolg

Ettaler Klosterfest: Abt präsentiert Schatz mit unschätzbarem Wert

Die größten Kostbarkeiten, die das Benediktinerkloster Ettal zu bieten hat, werden im Safe verwahrt. Zum ersten Klosterfest holte sie Abt Barnabas Bögle hervor und präsentierte sie den interessierten Besuchern: Die staunten nicht schlecht. 

Ettal – Die Premiere ist geglückt: Das erste Klosterfest der Benediktinerabtei Ettal im Klosterhof war ein voller Erfolg. Gleichzeitig wurden die Ettaler auf die Bayerische Landesausstellung „Mythos Bayern – Wald, Gebirg und Königstraum“ im kommenden Jahr eingestimmt. Und noch eine Premiere wurde gefeiert: Zum ersten Mal präsentierte man der Öffentlichkeit die zwei wertvollsten Bücher der Klosterbibliothek.

„Mit so einem Ansturm hab ich jetzt nicht gerechnet“, gesteht Abt Barnabas Bögle, als immer mehr Besucher in den Kapitelsaal drängen. Statt der erwarteten 20 bis 30 Gäste, wollten gleich weit über 200 Interessierte seine Führung zur Klosterbibliothek miterleben. „Leider können wir mit so vielen Menschen nicht nach oben“, entschuldigt er sich. „Sie ist zu klein dafür“. Denn „eher bescheiden“ sei die Bibliothek im Vergleich zu anderen Klöstern. „Bescheiden war auch früher das Kloster“, erklärt der Benediktiner. „Viel Wald gab es hier, aber nur etwa zwölf Mönche“. Doch er hatte eine gelungene Alternative im petto.

Hinter Klostermauern schlummert ein Schatz

Gaumenfreuden bei den Besuchern.

Denn in den Ettaler Klostergemäuern wird ein Schatz von unschätzbarem Wert gehütet. In einem Safe verschlossen schlummern zwei Bücher, auf welche die Benediktiner ganz besonders stolz sind. Aus einem stabilen Umschlag holt Abt Barnabas ein kleines Büchlein hervor, das nicht größer ist als seine Hand. Ein gespanntes Raunen geht durch den Saal, als er es mit weißen Handschuhen ganz vorsichtig aufschlägt. „Dieses Buch ist 300 Jahre alt. Der Inhalt ist dabei aber nicht sonderlich erwähnenswert“, erklärt der Abt. „Das Besondere ist der Umschlag.“ Selbst der Laie sieht schnell, dass es sich hierbei um eine unschätzbare Kostbarkeit handelt. „Es gab nur zwei Mönche hier, die so etwas konnten“, sagt er und deutet dabei auf die feinen Goldlinien. „Einer ritzte mit einer glühend heißen Nadel in den Umschlag, der andere musste sofort das Blattgold einlegen.“ Barnabas Bögle selbst kennt nur mehr einen aus der Universitätsbibliothek in Boston, der dieses rare Handwerk noch beherrscht. Langsam schreitet der Abt die Reihen ab. Es wird fotografiert und nachgefragt. Ein simples Büchlein wird somit für kurze Zeit zum „Shootingstar“.

Dann holt der Abt ein zweites Buch hervor, etwas größer als jenes aus dem 18. Jahrhundert. Schon in der Feinfühligkeit der Berührung wird dem Beobachter schnell klar, dass es sich hierbei um noch einen kostbareren Schatz handeln muss. „Hier haben wir ein handgeschriebenes Werk aus dem 11. Jahrhundert“, spricht Bögle ehrfürchtig. Er öffnet es nur wenige Zentimeter. Die Gefahr, es zu zerstören, ist zu groß. „Wir wissen leider nicht, wer es wo geschrieben hat.“ Die bisherigen Recherchen deuten auf Frankreich hin. „Es könnte aber auch in einem bayerischen Kloster verfasst worden sein.“ Geschrieben hat der Gelehrte auf Lateinisch die „Regula Benedicti“ – die Benediktusregeln, ein Klosterregularium, das ursprünglich für das Gemeinschaftskloster Monte Cassino in Mittelitalien verfasst wurde und die Grundlage für den Orden der Benediktiner darstellt.

Grammatik war früher anders

„Selbst ich als Spezialist tu’ mir sehr schwer, daraus zu lesen“, meint der Abt. Die Schrift ist zwar selbst nach fast 1000 Jahren immer noch sehr gut sichtbar, allerdings hat sich die Grammatik seither enorm verändert. Nachdem er auch dieses Buch vorgeführt hatte, wurden die beiden Werke, die vom Wert her gar nicht mehr geschätzt werden können, sofort wieder zurück in den Safe gebracht.

Draußen läuft währenddessen das Klosterfest auf Hochtouren. Hunderte Besucher lassen sich das Bier in der Sonne schmecken, Kinder springen auf Hüpfburgen umher, Erwachsene bummeln durch die vielen kleinen Stände, an denen regionale Künstler und Handwerker ihre Produkte feilbieten. Besonderes Augenmerk bekommt der Stand „Mythos Bayern – Wald, Gebirg und Königstraum“. Die Landesausstellung wird vom 3. Mai bis 4. November 2018 im Kloster Ettal stattfinden. Hierfür wurden am Sonntag Einheimische und Gäste interviewt, was für sie Bayern ausmacht. Am Nachmittag musizierten nach der Ettaler Musikkapelle über 100 Schüler des Gymnasiums. Führungen wurden zudem in die Likörmanufaktur, in die Basilika sowie in die Klosterapotheke angeboten.

Josef Hornsteiner

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