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Das ist geplant: Der Mast würde über Graswang thronen.

Jetzt macht die Politik Druck 

Funkmast-Streit in Graswang: Streibl holt Söder ins Boot 

Der Fraktions-Chef der Freien Wähler wirft der Telekom, die einen 30-Meter-Masten am Rauhbichel aufstellen will, „kompromisslose Planung“ vor. Und bittet zum Rapport. 

Ettal – Für Josef Pössinger sagen Bilder manchmal mehr als Worte. Deshalb hat der Bürgermeister von Ettal ein bisschen gebastelt: Mit einem Drohnenfoto vom idyllischen Gemeindeteil Graswang, in das er am Computer den Standort für den geplanten Funkmasten der Deutschen Telekom AG gesetzt hat. Das Bild zeigt besser als jede Karte vom Rauhbichel, in welch’ exponierten und erhöhten Bereich der Mobilfunkriese seine 30-Meter-Anlage setzen will. Das Ergebnis hat Pössinger an Florian Streibl geschickt – mit der Bitte, Graswang weiter beim Kampf gegen die Telekom zu unterstützen. Es zeigt sich: Das Dorf kann auf den Ammertaler zählen. „Das ist wichtig für uns“, gab sich Pössinger erleichtert.

Am Donnerstag hat der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag eine Mitteilung über seinen weitreichenden Verteiler geschickt und das Thema mit deftigen Worten weiter publik gemacht. In dem Schreiben wirft er dem Mobilfunk-Unternehmen „kompromisslose Planung und Umsetzung“ vor. In den Augen des Abgeordneten wäre die 30-Meter-Station oberhalb von Graswang „ein schwerer Eingriff in die unberührte Natur“. Gegenüber dem Tagblatt wird der Oberammergauer noch deutlicher. „Das ist ja fast schon ein Frevel“, sagte er zu den Plänen. Das Graswangtal ist für ihn ein Kleinod im Naturpark Ammergauer Alpen. Deshalb mache ein Mast an dortiger Stelle „keinen Sinn“.

Bereits im Februar hat Streibl einen Brief an seinen Partei-Kollegen und Duz-Freund Thorsten Glauber geschrieben. In seiner Antwort hat der Minister für Umwelt und Verbraucherschutz unter anderem auf ein Förderprogramm hingewiesen, mit dem betroffene Kommunen Prognosen für Standort-Alternativen und Immissions-Untersuchungen veranlassen können. Das mag eine Hilfe für die Gemeinde sein, ihren Standort-Vorschlag am Schießplatz, für den die Telekom bislang wenig Begeisterung gezeigt hat, durchzubringen. „Eine andere Lösung“ als den Rauhbichel zu finden, liegt auch Streibl am Herzen. Deshalb schickt der Politiker, dessen Partei seit Herbst neben der CSU in der Regierungsverantwortung steht, an diesem Wochenende weitere Briefe raus.

Einer geht direkt an die Telekom, die „zum Rapport gebeten“ wird. Außerdem will Streibl noch einmal an Glauber herantreten. Aber auch an Hubert Aiwanger. „Genauso wie an den Ministerpräsidenten.“ Heißt: Streibl macht den Standort-Streit bei den Freien Wählern zur Chefsache und holt außerdem Markus Söder ins Boot. Ziel: Ettal beim Kampf gegen das „renitente“ Verhalten der Telekom zu unterstützen. „Da tut sich eine Gemeinde schwer.“

Vorteil könnte für Graswang sein, dass der Ortsteil keine Unbekannte für Söder ist: Der hatte sich in seiner Zeit als Finanzminister als wahrer Liebhaber der Venusgrotte in Schloss Linderhof erwiesen. Und für die Sanierung des genialen wie maroden Kunstwerks über 30 Millionen Euro locker gemacht. Nun geht es um 30 Meter Metall – von denen die Graswanger an dieser besonderen Stelle verschont bleiben wollen.

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