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Die alten Pläne zeigen, dass über dem Keller einst das Kloster-Gewächshaus und die Fassreinigung waren.

Tatsächlich wurde daraus etwas ganz anderes

Gut verborgen unter dem Kloster Ettal: Regierung wollte Geheim-Krankenhaus bauen

Die Kuba-Krise 1962 und die damalige Angst vor dem Dritten Weltkrieg haben auch in Ettal Spuren hinterlassen. Im Kloster sollte ein Kellerkrankenhaus entstehen. Am Ende wurden die Räume ganz anders genutzt.

Ettal – Wenn von Mai bis November die Bayerische Landesausstellung in Kloster Ettal stattfindet, steht den Besuchern ein neues Café im Innenhof der Abtei-Anlage zur Verfügung. Gebaut wird es derzeit im linken Bereich des Nordflügels – dort, wo einst die Ettaler Ritterakademie untergebracht war. Später wurden die Räume als Gewächshaus, für die Fassreinigung der eigenen Brauerei und für die Tierunterbringung genutzt. „Es gab einen Luxus-Pferdestall“, sagt Klostercellerar Pater Johannes Bauer. Luxus – weil der Stall aus alten Zeiten mit einer Stuckdecke verziert war.

Im Bereich des einstigen Gewächshauses und der Fassreinigung kann aber auch der Boden eine spannende Geschichte erzählen. „Er ist mit Stahlbeton verstärkt“, erklärt Pater Johannes. Und das aus gutem Grund. Unterhalb wurden nämlich in den 1960er Jahren zusätzliche Kellerräume angelegt. Genauer gesagt: Nach 1962, dem Jahr, in dem die Kubakrise und die drohende Atom-Konfrontation zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion die Menschen in Atem hielt. „Damals hatte man Angst vor dem Dritten Weltkrieg.“ Auch in Oberbayern, wo die Regierung Ersatz-Krankenhäuser bauen wollte.

Ein Aufruf, so zeigen die Klosterunterlagen, auf den sich Pater Johannes’ Vor-Vor-Cellerar – Pater Johannes Albrecht – gemeldet hat. Sein Vorschlag, einen Teil des Nordflügels zu unterkellern, wurde angenommen. Dann ging alles ganz schnell. „Die Baugenehmigung lag nach acht Wochen vor“, erzählt der Pater. Und das, obwohl es sich um ein derart geschichtsträchtiges Gebäude handelt. Dieser Teil des Klosters stammt aus dem Jahr 1709. Älter ist nur die Kirche: Die Basilika ist in ihrer gotischen Urform 1330 entstanden.

Beim Bau des Kloster-Krankenhauses war Michael Gansler nicht selbst beteiligt. Damals befand sich der heutige Bürgermeister von Unterammergau mit 14 Jahren gerade in Ausbildung. Der Familienbetrieb der Ganslers – ein Bau- und Baustoff-Unternehmen – war aber schon damals eng mit dem Kloster verbunden und bekam viele Aufträge. Etwa beim geheimen Klosterkrankenhaus. Gansler kann sich noch gut erinnern, wie sein Bruder von der schwierigen Aufgabe erzählt hat, das Fundament unter das bestehende Gebäude zu legen. „Da kannst Du keine schweren Geräte benutzen.“ Stattdessen kamen Schaufeln und Schubkarren zum Einsatz. Was entsteht, darüber wurde nicht gesprochen. „Wir kannten die Hintergründe nicht“, sagt Gansler

Unklar ist auch, wann von den Krankenhausplänen abgelassen wurde. „Die Lage hat sich damals wieder beruhigt“, erzählt Bauer. Geblieben ist dem Kloster ein zusätzlicher Kellertrakt unter dem bisherigen Internats-Speisesaal. Zur Freude von Generationen von Schülern. Denn am Ende des Gangs entstand „Die Kneipe“: ein gemütlicher verwinkelter Raum mit Sitzecken, Billardtisch und Theke, in dem sich über 40 Jahre unzählige Erinnerungen wie Fotos, Gläser und Pokale angesammelt haben. Dort kamen die Internatsburschen zusammen. Wurde manches legendäre Fest gefeiert.

Bis 2016. Dann führte ein Wasserschaden dazu, dass „Die Kneipe“ dichtmachen musste. Aus Brandschutzgründen – es gibt keinen zweiten Fluchtweg – darf der Raum nicht renoviert werden. „Zum Leidwesen der Schüler“, sagt Bauer. Doch ein Umzug ist bereits in Planung. Kloster Ettal bleibt ein Kellertrakt mit rund fünf kleinen und großen Abstellräumen. Gesichert von einer Stahlbetondecke.

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