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Bei der Potsdamer Schlössernacht ist die Bühne, die nun fürs Richard-Strauss-Festival im Innenhof von Kloster Ettal errichtet wird, bereits zum Einsatz gekommen. Und hat eine imposante Kulisse geliefert.

Richard-Strauss-Festival im Ammertal

Gigantisches Projekt: Eine gläserne Bühne im Ettaler Klosterhof

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Einen Wandel hat das Richard-Strauss-Festival vollzogen, das am Samstag, 22. Juni, beginnt. Das zeigt sich auch an den Spielstätten. Die Natur, die den Komponisten stets inspirierte, spielt eine aktive Rolle im Programm. Meist ohne großen Aufwand, bis auf die Verwandlung des Innenhofs von Kloster Ettal in eine Open-Air-Bühne.

Garmisch-Partenkirchen/ Ettal – Sechs Fahnenmasten, das ist alles, was die Mitarbeiter von Kloster Ettal wegräumen müssen. „Und eine Hinweistafel montieren wir zeitweise ab“, sagt Christian Loth und lacht. Der Aufwand hält sich in Grenzen für ein Musikereignis, das in dieser Dimension zum ersten Mal im Innenhof der historischen Anlage stattfindet. „Sensationell“ findet der Sprecher des Klosters, dass in Kooperation mit dem Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen zwei Konzerte vor dieser Kulisse erklingen. Eine verglaste Bühne wird den Besuchern am Freitag, 29., und Samstag, 30. Juni, den Blick auf die barocke Basilika ermöglichen. Auf ihr spielt das Brno Philharmonic Orchestra Werke von Strauss, Leos Janácek und von dem Wahl-Ettaler Sergej Prokofjew. Und das unter freiem Himmel. In der Natur, die auch Strauss so inspirierte.

„Diese Verbindung funktioniert“, sagt Dr. Sigrid Meierhofer. Das belege der Vorverkauf: Die Musikwanderung aufs Graseck und das Konzert am Wank sind ausverkauft, die Abende im Kloster und die zweite Wanderung zur Ettaler Mühle gut nachgefragt. „Das freut mich sehr“, betont die Bürgermeisterin (SPD) von Garmisch-Partenkirchen. Mit den neuen Veranstaltungsorten erschließe sich das Festival neue Zielgruppen. Ein Effekt, der auch den Künstlerischen Leiter Alexander Liebreich positiv stimmt. „Unsere Idee geht auf, das nimmt das Publikum an.“ Es ist ein Wandel, den das Festival unter seiner Regie vollzieht. Den symbolisiert der Titel: Metamorphosen. Und den belegen die neuen Spielstätten.

Damit kommt der Markt Garmisch-Partenkirchen als Veranstalter dem Wunsch des Freistaats nach. Der knüpfte den höheren Zuschuss – bislang flossen 70 000, heuer kommen 180 000 Euro aus München – an die Vorgabe, dass sich das Festival öffnen müsse – auch in die Region. Mit den Konzerten in Ettal und zwei Veranstaltungen in Schloss Elmau erfüllt man diese Bedingung. Und mit der Einbeziehung der Musikschulen. Was nicht dazu passt, ist die vornehme Zurückhaltung von Seiten des Landkreises. Allein die Bühne in Ettal kostet Meierhofer zufolge „eine niedrige sechsstellige Summe“. Davon, dass die beiden Konzerte zum Rahmenprogramm der Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ zählen, profitiert das Strauss-Festival nicht. „Als unser Programm im vergangenen Herbst feststand, hieß es, wir seien zu spät dran“, bedauert die Bürgermeisterin. Das einzige Entgegenkommen von Seiten des Kreises: Für die Aula des Werdenfels-Gymnasiums werden nur die Betriebskosten berechnet. „Schade, dass sich der Landkreis nicht mehr einbringt. Das hat auch den Freistaat sehr befremdet.“ Wer Meierhofers Einsatz in Sachen Strauss kennt, weiß, damit gibt sie sich nicht zufrieden. „Nach dem Festival suche ich erneut das Gespräch. Und erinnere daran, dass Kultur bei der Entwicklung der Dachmarke Zugspitzregion ebenfalls eine Rolle spielt.“

Doch jetzt blickt Meierhofer erst einmal in freudiger Erwartung dem entgegen, was sie ab 22. Juni erwartet. „Ich hab’ mir jeden Abend und die Wochenenden für die Matineen freigehalten.“ Sie lässt sich überraschen – auch vom neuen Ambiente im Olympia-Eissportzentrum, das mit Hilfe eines Bühnenbildners umgestaltet wird. Dort spielen unter anderem die Wiener Symphoniker und dort singt der Chor des Bayerischen Rundfunks. Auf die Verwandlung des Kloster-Innenhofs in eine Open-Air-Konzert-Bühne ist sie ebenso gespannt.

Diese beginnt am Montag, 25. Juni. „Da wird das Material angeliefert“, sagt Gottfried Zuleger, Geschäftsführer der Pro Events Veranstaltungs GmbH in München. Fünf Sattelschlepper sind erforderlich, um Bühne, Technik, Stühle, Abdeckplatten et cetera ins Kloster zu bringen. Außerdem an Bord: drei Gabelstapler. „Mit denen können wir alles aufbauen“, betont Zuleger. Der entscheidende Grund, warum dieses Bühnenmodell, das auch schon bei der Potsdamer Schlössernacht und vor dem Kölner Dom zum, Einsatz kam, gewählt wurde. „So können wir ohne Kran arbeiten.“

Bis Donnerstag soll alles stehen, dann bleibt noch ein kleiner Puffer, bis zum ersten Konzert am Freitag. 60 Techniker und Helfer sind bis dahin beschäftigt, vor allem die Herausforderung mit der Stromversorgung zu meistern. „Das wird spannend“, sagt Kloster-Sprecher Loth. „Weil man viel Strom braucht, schließlich wird auch die Basilika illuminiert.“

Zwischendurch haben seine Chefs dem Bühnen-Team aber Zwangspausen verordnet: „Während der Andachten und Gottesdienste darf nicht gearbeitet werden.“ Kein Problem für Zuleger und seine Mitarbeiter. Das kennen sie schließlich von Klassik am Odeonsplatz in München, wo es gilt, auf die Messen in der Theatinerkirche Rücksicht zu nehmen. An den Konzertabenden muss dann die Kirche zurückstecken. Wenn die Musik spielt, müssen die Glocken schweigen.

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