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Der Ort des schrecklichen Geschehens – der Wanderparkplatz am Schattenwaldweg in Graswang. Dort hatte das Paar geparkt.

Nach Tagen entdeckt

Ihre Ski lehnten noch am Wagen: Langläufer findet Pärchen tot in Wohnmobil - Umstände rätselhaft

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Einen schrecklichen Fund hat ein Langläufer in Graswang gemacht: In einem Wohnmobil lagen zwei tote Menschen, beide wohl aus dem Landkreis Weilheim-Schongau. Die Hintergründe sind rätselhaft. 

Graswang – Faschingsdienstag. Am alten Schulhaus in Graswang herrscht ausgelassene Stimmung, Schlagermusik dröhnt aus den Boxen, die Kinder springen um die Wette beim traditionellen Brezenangeln. Plötzlich, am späten Nachmittag, werden die anwesenden Kräfte der Dorf-Feuerwehr jäh aus der Feierstimmung gerissen – Alarm! Kein Brandeinsatz. Gemeldet ist ein Gas-Austritt in einem Wohnmobil.

Am Einsatzort angekommen – dem Wanderparkplatz am Schattenwaldweg am westlichen Ortseingang von Graswang – bietet sich den Rettern ein schreckliches Szenario: Zwei Menschen sind tot. Suizid, Unglücksfall oder gar ein Gewaltverbrechen? Im ersten Moment ist keine exakte Todesursache erkennbar. 

Zwei Tote an Wanderparkplatz in Graswang gefunden: Hintergründe rätselhaft

Die Kriminalpolizei hält sich mit Auskünften bedeckt. Ermittlungen lassen darauf schließen, dass hier ein tragischer Unfall an der Staatsstraße 2060 zum Tod eines Mannes und einer Frau geführt haben. Auch auf mehrmalige Nachfrage des Garmisch-Partenkirchener Tagblatts gibt die Polizei keine Details zu dem Geschehen preis. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim begründet das Verhalten: „Wir stellen in diesem Fall die Persönlichkeitsrechte der Hinterbliebenen auf eine höhere Ebene als das Informationsrecht der Öffentlichkeit.“ 

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Tagblatt-Recherchen haben ergeben, dass hier die zwei Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben sind. Eine Fremdbeteiligung steht nach Polizeiangaben nicht zur Debatte, jedoch könne auch ein Suizid nicht gänzlich ausgeschlossen werden. 

Was genau an diesen letzten Tagen im Fasching auf dem Schattenwald-Parkplatz in Graswang passiert ist, erschließt sich nur bruchstückhaft. Mit einem weißen geschlossenen Kastenwagen, wie ihn Handwerker häufig benutzen, war das Paar, das wohl aus dem Landkreis Weilheim-Schongau kam, ins Graswangtal gefahren und hatte dann an besagtem Parkplatz angehalten, um gemeinsam zum Langlaufen zu gehen. Als die Rettungskräfte eintrafen, darunter auch die Besatzung eines Hubschraubers, lehnten ihre Skier noch an dem Fahrzeug. 

Graswang/Bayern: Tote an Wanderparkplatz erst Tage später gefunden

Was aber führte letztlich zum tragischen Tod der beiden Personen? Wohl, um es etwas wärmer zu haben, nahm offenbar der Mann die Gasheizung des Kastenwagens in Betrieb. Die Vermutung liegt nahe, dass diese unsachgemäß installiert worden sein könnte. Aus einem undichten Abgasrohr muss hochgiftiges Kohlenmonoxid ins Innere geströmt sein. Dies führte wohl zum Tod der beiden Ausflügler. 

Offensichtlich stand der Kastenwagen schon einige Tage auf dem Parkplatz im Schattenwaldweg. Ein Langläufer, der davon Notiz nahm, alarmierte schließlich die Leitstelle. Als die Einsatzkräfte an der Unfallstelle eintrafen, gab es für die beiden Insassen keine Rettung mehr.

Stichwort CO-Vergiftung - Eine tödliche Gefahr

Bei Kohlenmonoxid (CO) handelt es sich um ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Das macht es besonders gefährlich: Strömt es aus einem defekten (Holz-)Ofen aus, kann es – anders als etwa Rauch – nicht wahrgenommen werden. Da das Gas die Atemwege nicht reizt, wird es von Betroffenen nicht wahrgenommen und so zu einer schleichenden Gefahr. Es bildet sich, wenn Kohlenwasserstoffe aus etwa Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen. Eine typische Situation dafür sind glühende Kohlen auf einem Grill. Aus diesem Grund ist es lebensgefährlich, in geschlossenen Räumen zu grillen – selbst wenn Fenster oder Türen geöffnet sind. 

Zudem kann das Gas austreten, wenn beispielsweise die Abzüge an einer Heizung oder einem Kamin defekt sind. Selbst bei sehr geringen Kohlenmonoxid-Konzentrationen in der Atemluft kann es innerhalb kürzester Zeit zu schwerwiegenden Vergiftungssymptomen und auch zum Tod kommen. Rauchmelder bieten keinen Schutz: Sie schlagen nur an, wenn sich ungewöhnlich viele feine Partikel in der Luft befinden. Wer etwa einen Kamin hat, sollte stattdessen mit einem CO-Melder die Konzentration des Gases in der Luft überwachen. In Erinnerung ist vielen Menschen noch ein schreckliches Unglück im Januar 2017 in einer Gartenlaube in Unterfranken, als sechs Jugendliche an einer Kohlenmonoxidvergiftung – verursacht durch einen Stromgenerator, der nicht für Innenräume geeignet war – ums Leben kamen.

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In der Region Garmisch-Partenkirchen kam es vergangene Woche zu einem tödlichen Unfall an einem Traktor. Ein Landwirt starb. An einem Bahnübergang in Garmisch-Partenkirchen starb außerdem eine Frau, die ihren Hund retten wollte.

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