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Kein Ufo-Landeplatz, wie manche Einheimische schon scherzhaft meinten, ist in der Dickelschwaig entstanden. Vielmehr handelt es sich um eine Klima-Messstation.

Klima-Messstation in der Dickelschwaig bei Graswang läuft jetzt vollautomatisch

Wissenschaftler in Sorge: Böden in der Region verlieren Nährstoffe

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Anzeichen des Klimawandels sind auch in der Region spürbar. Das stellen Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie in Garmisch-Partenkirchen seit längerem fest.

Graswang – Die ganz Großen der Welt-Politik diskutieren in regelmäßigen Abständen darüber. Noch mal intensiver in den Fokus der Menschen geriet das Thema in der jüngeren Vergangenheit durch die regelmäßigen Schüler-Demonstrationen „Fridays for Future“, die von der 16-jährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg initiiert wurden. Keine Frage: Klimaschutz und Klimawandel sind in aller Munde. Einen Beitrag, um an konkreten Zahlen und Daten die schleichenden Veränderungen des Klimas festzumachen, leistet seit rund zehn Jahren eine Anlage im idyllischen Graswangtal unmittelbar an der St. Gertrudiskapelle in der Dickelschwaig. Diese Station ist jetzt für rund 150 000 Euro aufgerüstet und voll automatisiert worden.

Wanderer und Radfahrer, die hier vorbeikommen, mögen mitunter den Kopf schütteln, wie man ein solches Technik-Monstrum inmitten einer unberührten Naturlandschaft platzieren kann. Betrieben wird die Messstation vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Campus Alpin mit Sitz in Garmisch-Partenkirchen, einem Institut für Meteorologie, Klima- und atmosphärische Umweltforschung. Deren Leiter Professor Hans Peter Schmid kann nachvollziehen, wenn Menschen die Optik der Anlage als störend empfinden, betont aber auch den Stellenwert der Forschung: „Das Gelände gehört dem Forst, wir dürfen es nutzen. So eine Messstation muss eben dort stehen, wo wir gute und verwertbare Daten bekommen.“ In der Dickelschwaig werden „die Auswirkungen der zu erwartenden Klimaveränderungen in den Ökosystemen der voralpinen Region untersucht“, wie auf einem Schild am Zaun zu lesen ist.

Tatsächlich registriert das „KIT“ nach den Worten ihres Chefs einen Wandel der klimatischen Gegebenheiten: „Die Böden in unseren Höhen von 800, 900 Metern werden wärmer, Kohlenstoff und Nährstoffe aus den Böden gehen dadurch verloren. Indem die Böden Kohlenstoff verlieren, der im Humus drin ist, werden sie künftig weniger fruchtbar.“ Die Ergebnisse und Daten, die das wissenschaftliche Institut sammelt, fließen in ein dichtes Netzwerk vieler Stationen ein, wodurch dann Empfehlungen ausgesprochen werden können, zum Beispiel an die Landwirtschaft oder die Landesämter hinsichtlich der Bewirtschaftung von Grundstücken. Die Untersuchungen erfolgen übrigens im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des Projekts „TERENO“.

Die Aufrüstung der Messstation in der Dickelschwaig hat nach den Worten von Prof. Schmid den Vorteil, dass künftig nicht mehr – wie bisher – einmal pro Woche manuell gemessen werden muss, was sehr aufwändig war, sondern die Anlage rund um die Uhr automatisch eine Fülle von Daten liefert. Die neue, robotergesteuerte Messkammer dient zur Bestimmung der Höhe des Austausches an Treibhausgasen (Kohlendioxid, Metan, Lachgas) zwischen Boden und Atmosphäre. Drei solche Stationen betreibt das „KIT“ – die höchstgelegene in Dickelschwaig, eine mittlere in Rottenbuch und eine niedrige in Peißenberg/Paterzell auf 550 Metern Meereshöhe. Dabei sei zu beobachten, dass mittlerweile aufgrund der Klimaveränderung im Schnitt die Böden in Peißenberg um zwei Grad wärmer sind als jene in Graswang. Professor Schmid mahnt: „Auf diese Weise verändern sich auch die Ernte- bzw. Heuerträge in der Region.“

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