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Die Kandidaten für den Gemeinderat in Ettal; rechts Vanessa Voit, die sich als Bürgermeisterin im Klosterdorf aufstellen lässt.

Vanessa Voit (43) als Bürgermeisterkandidatin in Ettal gekürt

Regiert bald eine Frau im Dorf der Benediktinermönche?

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Bis jetzt gab es in Ettal nur Bürgermeister: Doch im Frühjahr wird wohl erstmals in der Geschichte eine Frau das Ruder in der Gemeinde übernehmen.

Ettal – In vielen Gemeinden Bayerns klagen die Kommunalpolitiker über geringes und sinkendes Interesse von Bürgern, sich ehrenamtlich politisch zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Aber nicht in allen ist es so. Ganz unten im Süden der Republik gibt’s einen kleinen Ort, der hier einen richtigen Kontrapunkt gegen diese Tendenz setzt: Gemeint ist Ettal mit gerade einmal rund 550 Wahlberechtigten. Zur Aufstellungsversammlung für die Kommunalwahl 2020 am Freitagabend – Freitag, der 13. war kein schlechtes Omen – sorgten 113 (!) Interessierte für eine drangvolle Enge im kleinen Sitzungssaal des Ettaler Hauses. Bierzeltbänke wurden reihenweise hereingetragen, damit alle Anwesenden einen Sitzplatz bekamen. Gelebte Demokratie nennt man das wohl.

Graswanger Bürger stark vertreten

Sichtlich überrascht zeigte sich auch Noch-Bürgermeister Josef Pössinger bei der Eröffnung der Versammlung der Freien Wählergemeinschaft, die wegen des Andrangs mit einer halben Stunde Verspätung begann (wie bei einem Fußballspiel): „Das ist wirklich phantastisch, dass so viele Ettaler und Graswanger heute da sind.“ Ein Grund für den regen Zuspruch war wohl sicher das emotionale Thema „Sendemast in Graswang“: Entsprechend viele Bürger aus dem 200-Seelen-Ortsteil hatten die Gegner eines Mobilfunkstandorts mobilisiert. So schafften es auch zwei Graswanger – nämlich Korbinian Daisenberger und Quirin Weber – mit relativ deutlichem Vorsprung auf die Plätze eins und zwei der Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl. Und natürlich war alles gespannt auf die Bürgermeisterkandidatin Vanessa Voit.

Versammlungsleiter Karl-Heinz Lindebner bat die 43-jährige Kastellanin von Schloss Linderhof um eine kurze Vorstellung („Ich freue mich, wenn ich Ihr Vertrauen bekomme“), um dann in die Runde zu fragen: „Sonst no jemand, der Bürgermeister werden will?“ Schweigen. Die Graswanger hatten darauf verzichtet, einen Bewerber aufzustellen beziehungsweise konnten niemand dafür gewinnen, obwohl es ursprünglich schon einmal Überlegungen in diese Richtung gegeben haben soll ... Dann die Wahl der 113 Anwesenden: Mit klarer Mehrheit erhielt Voit das Vertrauen (95-mal Ja), wobei sich aber auch 15 Bürger der Stimme enthielten. Mit strahlender Miene und sichtlicher Freude nahm die Gemeinderätin das Ergebnis entgegen. Damit wird Vanessa Voit am 15. März 2020 die erste Frau in der politischen Geschichte sein, die an der Spitze der Gemeinde Ettal steht – sofern nicht noch etwas absolut Unvorhergesehenes passiert. Nach Richard Heigl, Helmut Königsberger und Josef Pössinger nun Vanessa Voit?

Für die Wahl der Gemeinderatskandidaten konnten dann Anwesende per Zuruf Wahlleiter Lindebner Namen nennen. 19 Personen ließen sich aufstellen – sieben Graswanger und zwölf Ettaler. Die Spitzenplätze eins und zwei nahmen indes mit Daisenberger und Weber (135 bzw. 132 Stimmen) zwei Vertreter aus dem Dorf unterm Sonnenberg ein. Glückwünsche wies Daisenberger zurück: „Des konn’ bei der Wahl ganz anders ausschauen ...“ Nicht mehr aufstellen ließen sich die aktuellen Gemeinderäte Korbinian Ostler, Silvia Moser und Stephan Vogt.

Die Kandidaten für den Gemeinderat: 1. Korbinian Daisenberger, 2. Quirin Weber, 3. Georg Gall, 4. Martin Heigl, 5. Bernd Crusius, 6. Markus Mayr, 7. Georg Berchtold jr., 8. Pater Johannes Bauer, 9. Andreas Baumann, 10. Christian Langmesser, 11. Florian Palmberger, 12. Evi Hitzelberger, 13. Bettina Oischinger, 14. Vanessa Voit, 15. Kathrin Marschall, 16. Ludwig Hutter

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