Stellen sich zur Verfügung: Tom Büter (l.) und Georg Berchtold junior sind die neuen Kommandanten.
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Stellen sich zur Verfügung: Tom Büter (l.) und Georg Berchtold junior sind die neuen Kommandanten.

Mit mehr Aufwand verbunden

Kontaktlos ins Kommandanten-Amt: Ettaler stimmen wegen Corona auf unüblichem Weg ab

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Wegen der Corona-Pandemie erfolgte die Kommandanten-Wahl in Ettal anders als sonst.

Ettal – Sagen wir’s vorsichtig: Eine Wahl im Wirtshaus oder auch im Feuerwehrhaus, wie das auf dem Dorf üblich ist, hätte kein gutes Bild abgegeben. Die Feuerwehr, die Gemeinschaft der freiwilligen Retter, zu Corona-Hochzeiten in einem Raum? Besser nicht. So suchten die Ettaler Feuerwehrkräfte und Bürgermeisterin Vanessa Voit nach einer Alternative, um auf das Rücktrittsgesuch von Thomas Lindebner möglichst flott zu reagieren.

Der Kommandant, offiziell noch bis 31. Dezember im Amt, hatte seinen Rückzug – er erfolgt aus persönlichen Gründen – in einem Brief an die Gemeinde dargelegt. Das Votum an sich war keine Herausforderung. Tom Büter und Georg Berchtold junior fanden sich als Führungstandem zusammen, was Gemeinderat Martin Heigl nochmals explizit lobte. „Schön, dass sie sich zur Verfügung gestellt haben.“ Es ist keine leichte Aufgabe, Ehrenamtliche für so einen Posten zu finden, schon gar nicht, wenn die Ortsgruppe ohnehin nur aus 29 Aktiven – so viele standen auf der Liste – besteht.

Ähnlich wie bei der Kommunalwahl

Der Aufwand, verglichen mit dem gängigen Prozedere, nahm ganz neue Dimension an. Zunächst brauchte es eine Idee, ein Konzept, für eine kontaktlose Abstimmung. Kreisbrandrat Johann Eitzenberger verwies auf das Garmischer Modell. In der Marktgemeinde waren die Kollegen komplett auf Briefwahl umgestiegen. Per Brief kündigte die Gemeinde den ungewohnten Ablauf an und hängte gleich noch die Namen der zwei Kandidaten an. Weitere Vorschläge reichte niemand nach, wie Voit erläutert. Nun, das war auch nicht zu erwarten angesichts der mannigfaltigen Aufgaben eines Kommandanten. Die Stimmen konnten die Kameraden dann am vorigen Samstag im Rathaus abgeben. „Ähnlich wie bei einer Kommunalwahl“, erklärt die Bürgermeisterin. Die Wahlbeteiligung überstieg sämtliche Werte, die man von politischen Entscheidungen gewohnt ist: 79 Prozent, 23 Stimmen. 22 entfielen auf das neue Kommandantenduo, eine Stimme war ungültig. Wählen durften Mitglieder ab 16 Jahren.

Der Gemeinderat hatte das Votum noch abzusegnen, weil er für die Entschädigung der beiden Führungsposten zuständig ist, erklärt Ortspolitiker Georg Gall, der seine Kollegen zu einer kurzen Exkursion ins Feuerwehrwesen mitnahm. Kollegin Bettina Oischinger wollte etwa wissen, was aus der Internatsfeuerwehr geworden ist. „Gibt’s nicht mehr direkt“, sagt Gall. Mittlerweile brauchen die Freiwilligen eine Truppmann-Ausbildung, die in der Regel zwei bis drei Jahre dauert und sehr auf die örtliche Feuerwehr zugeschnitten ist. Für ältere Schüler, die früher in die Internatswehr eintraten, ist eine solche aufwendige Qualifikation uninteressant geworden. Wegen des Faktors Zeit. Zudem seien die „schulischen Herausforderungen immer mehr geworden“, wie Gall betont. Im Kloster gibt es noch ein paar Freiwillige, die bei Notfällen kurzfristig helfen können. Aber natürlich löscht die örtliche Feuerwehr auch dort, wenn’s brennt.

Die neuen Kommandanten treten ihren Dienst zum 1. Januar 2021 an. Wann man für sie eine Einstandsfeier organisiert? Sehr, sehr ungewiss. Georg Gall scherzt: „Wenn sie ein zweites Mal wiedergewählt werden. Dann feiern wir zwei Tage.“

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