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Pure Freude und Glücksgefühle: Eine Gruppe des Malta-Camps 2019 in Ettal.

Im Benediktinerkloster

Malteser Sommerlager: Menschen mit Behinderung genießen Urlaub in Ettal

Die Abtei Ettal war Gastgeber für das Internationale Malteser Sommerlager 2019: 500 Menschen mit und ohne Behinderung haben dort ihren Urlaub verbracht.

Ettal– Junge Leute tummeln sich das ganze Jahr über im Benediktinerkloster Ettal. Durch das Gymnasium herrscht stets ein reges Treiben. Nur in den Ferien, da kehrt – abgesehen von den Besuchern und Tages-Touristen – Ruhe ein. Heuer ist es anders: Die Abtei ist nämlich Gastgeber für das Internationale Malteser Sommerlager 2019, das bis Samstag, 10. August, dauerte. 500 Menschen mit und ohne Behinderung aus 26 Ländern verbringen eine Woche Urlaub auf dem Gelände des Benediktinerklosters.

Beim Malteser Sommerlager handelt es sich um die weltweit größte Ferienfreizeit für Menschen mit Behinderung. Veranstaltet wird sie vom Malteser Orden, organisiert von der Gemeinschaft junger Malteser. 

Jedes Jahr findet das Sommerlager in einem anderen Land statt, die deutschen Malteser haben 15 Monate lange an dem diesjährigen Großevent gearbeitet. Organisatorin Amelie von Aulock, selbst ehemalige Ettaler Schülerin, sagt: „Wir wollen das Unmögliche möglich machen.“

Außergewöhnlich war schon der Beginn des Sommerlagers: Am vergangenen Samstag kamen in Bussen die Gäste aus Kanada, den USA, aus dem Libanon und Polen an. Insgesamt sind 26 Nationalitäten auf dem Camp vertreten.

In Gruppen reisten sie aus ihren Heimatländern an: Menschen mit Behinderung und ihre Helfer, die ihnen bei der Reise, aber auch während des Camps immer zur Seite stehen. Viele Helfer des Malta-Camps standen bereit, begrüßten die ankommenden Busse tanzend und jubelnd – und brachten so die Vorfreude über die vor ihnen liegende Woche zum Ausdruck.

Die Benediktinermönche – durch Landesausstellung und Klassik-Festival schon an reichlich Besucherauftrieb gewöhnt – freuen sich über diese neuerliche Großveranstaltung in ihren Mauern: „Für uns ist es eine großartige Sache, dass mit dem Malta-Camp so viele junge Menschen bei uns zu Gast sind“, sagt Abt Barnabas.

Im Innenhof künden nicht nur die Flagge des Malteserordens und des Malta-Camps von der Anwesenheit der vielen internationalen Gäste. „Allein schon die Fahnen der verschiedenen Nationen strahlen Freude aus. Und diese Freude steckt an“, so Abt Barnabas weiter.

Präfekt Pater Benno hat die intensiven Vorbereitungen mit begleitet und ist ebenfalls von dem Projekt begeistert: „Für mich ist es ein ganz tolles Erlebnis, mit den Menschen hier zu arbeiten, deren ehrliche Freude zu erleben und auch zu merken, wieviel Arbeit in dem Malta-Camp steckt.“

Malteser Sommerlager in Ettal: Über ein Jahr Vorbereitung

Die Vorbereitungen waren in der Tat enorm. Alleine 220 Stockbetten mussten für die Teilnehmer aufgebaut werden, dazu kamen etliche Rampen, um die alten Gemäuer barrierefrei zu machen. Eine Mammutaufgabe, um deren Vorbereitung sich Amelie von Aulock mit ihrem Team mehr als ein Jahr lang kümmerte. Für die 500 Teilnehmer mussten außerdem Anreise und das Programm der Ferienwoche exakt durchgeplant werden.

Am Sonntag hatte ein großer Gottesdienst das Malta-Camp eröffnet; für die jungen Gäste bestand hernach die Gelegenheit, sich kennen zu lernen. Viele Jugendliche freuen sich darauf besonders. Wie etwa Bénédicte Bastide aus Frankreich: „Ich treffe hier sehr viele Menschen und kann an vielen Aktivitäten teilnehmen. Das ist sehr schön.“ Auch Brendan freut sich jedes Jahr wieder auf das Sommerlager: „Das Malta-Camp ist fantastisch.“ Der 38-Jährige kommt aus England und ist seit mehr als 15 Jahren immer wieder mit dabei.

Die jungen Teilnehmer des Camps verbringen ihre Zeit nicht nur in Ettal. Am Montag war die ganze Gruppe zu Besuch auf Schloss Herrenchiemsee, am Mittwoch ging es nach München. Am Dienstag konnte trotz des Regenschauers eine Gruppe von Farchant bis nach Eschenlohe auf der Loisach raften. Andere fuhren auf die Alpspitze oder besuchten die Allianz-Arena. Auch in Ettal selbst war einiges geboten: So kamen etwa Kamele und eine Schlange auf das Klostergelände.

Der einwöchige Urlaub in Oberbayern soll den Alltag unterbrechen, neue Freundschaften ermöglichen und Menschen mit und ohne Behinderung zusammenführen. Besonders gut möglich ist das bei den Disko-Abenden in der Rosner-Aula. Hier wird gemeinsam gefeiert und getanzt. „Integration ist ein sehr wichtiges Anliegen für uns. Wir feiern in dieser Woche die Vielfalt des Lebens“, sagt Amelie von Aulock.

Die jungen Menschen genießen das. Auch Erik Buster aus den Niederlanden. Er beendet gerade sein Theologiestudium und will danach Priester werden: „Für mich ist das Malta-Camp eine starke Erfahrung, wie der Heilige Geist wirken kann. Wir erfahren, was es bedeutet, das Volk Gottes zu sein.“ Nicht nur die jungen Leute, auch die Mönche dürften das Treffen als große Bereicherung erleben.

VON BENEDIKT BÖGLE

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