Ein Hotel vor einer Bergkulisse.
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Haus mit Geschichte: Schon zu Ludwigs Zeiten beherbergte das Schlosshotel Gäste, damals vor allem Bauarbeiter.

Schon zu Ludwigs Zeiten kamen dort Gäste unter

Neues Leben fürs Schlosshotel Linderhof: Kosten für Sanierung werden ermittelt

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Die Idee, im Schlosshotel Linderhof ein Depot einzurichten, scheint Geschichte. Stattdessen laufen die Bemühungen, den Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb wieder zu eröffnen. Derzeit wird geklärt, unter welchen Bedingungen das möglich ist und welche Kosten dafür auf den Freistaat zukommen.

Linderhof – Ein zweites Versailles wollte Ludwig II. im Graswangtal schaffen. Inspiriert von den Bourbonen-Königen plante er einen großen Palast, musste dieses Vorhaben allerdings wegen des schlechten Untergrunds verwerfen. Stattdessen ließ er anstelle des Königshäuschens einen Bau im Stil eines französischen Lustschlosses errichten. Ein märchenhaftes Objekt, das jedes Jahr hunderttausende Besucher anlockt. Die Chance, in unmittelbarerer Nähe des Schlosses und des Parks mit seinen prachtvollen Bauten zu übernachten, haben sie seit gut einem Jahr nicht mehr. Das Hotel, Restaurant und Café sind geschlossen. Was mit dem Haus, das schon zu Ludwigs Zeiten in Betrieb war, passiert, steht noch nicht fest.

Geschlossen-Schilder zieren seit gut einem Jahr die Türen von Hotel, Restaurant und Café.

Im Rahmen der 2015 angekündigten Behördenverlagerung kam die Idee auf, dort ein innerbetriebliches Depot für die bayerischen Schlösser zu etablieren. Laut Finanzministerium besteht dafür ein Raumbedarf von mindestens 2000 Quadratmetern. Um das Depot unterzubringen, wurden zunächst alle staatlichen und privaten Bestandsimmobilien geprüft. Darunter das Schlosshotel. Dieses hält Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler) allerdings für völlig ungeeignet für diesen Zweck. Mit Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) hatte er 2020 das leer stehende Hotel besichtigt. Beide waren sich schnell einig, dass es wiederbelebt werden muss, und zeigten sich von seinem Potenzial überzeugt. Schon damals war Streibl sicher: „Man kann davon ausgehen, dass es solch ein Archiv nicht geben wird, zumindest nicht in Linderhof.“ Stattdessen macht sich der Oberammergauer dafür stark, den Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb wieder aufzunehmen.

Hotelbetrieb von großer Bedeutung für die Gemeinde Ettal

Daran liegt auch Vanessa Voit. „Es ist in unserem Sinn, eigentlich im Sinn der ganzen Ammergauer Alpen, dass das Hotel wieder zur Verfügung steht“, betont die Ettaler Bürgermeisterin (parteifrei). „Tourismus ist schließlich unsere Haupteinnahmequelle.“ Mit Schloss Linderhof liegt eine „bayernweit wichtige Attraktion“ in ihrem Zuständigkeitsbereich, „da ist es von struktureller Bedeutung, dass das Hotel wieder öffnet.“ Diesbezügliche Gespräche laufen, das bestätigt Voit. Und das lässt sich auch Streibl entlocken. Details, insbesondere zu den Kosten der erforderlichen Sanierung, stehen derweil noch nicht fest. Letztlich „muss der Haushaltsausschuss darüber entscheiden“, sagt Streibl. Auch von Seiten der Bayerischen Schlösserverwaltung ist nicht viel zu erfahren: „Momentan wird eruiert, unter welchen Bedingungen und Kosten eine bauliche Sanierung den wirtschaftlich profitablen Betrieb einer Gastronomie ermöglichen würde“, erklärt Sprecherin Franziska Wimberger.

Bei einem Vor-Ort-Termin haben Florian Herrmann (l.) und Florian Streibl Schloss und Hotel besichtigt.

Das Schlosshotel blickt auf eine lange Tradition zurück. Schon zu Ludwigs Zeiten wurden dort Gäste beherbergt. „Das war auch wegen der Bauarbeiten notwendig, teilweise waren 200 Leute beschäftigt“, sagt Voit, die sich intensiv mit der Geschichte des Schlosses auseinandergesetzt hat. „Das hat die Frau des damaligen Verwalters organisiert.“ Als Kastellanin, zuständig für den Schlossbetrieb und die konservatorischen Belange, kennt sie sich bestens auf dem Areal aus. In ihrem Buch „Vom Lynder-Hof zum Schloss“ hat sie sich intensiv mit seiner Geschichte auseinandergesetzt. Erste Erwähnung fand die alte Schwaige im Graswangtal 1479 in den historischen Dokumenten des Klosters Ettal. Ein Abt vermachte den Hof einem gewissen Hans Linder. Von da antrug das Gebäude den Namen „Lynder“. Später entdeckte König Max II. das Anwesen für sich, nutzte es, wenn er zur Jagd ging, und und gab ihm den Namen „Königshäuschen“. Über ihn kam auch sein Sohn, Ludwig II., an dieses besondere Fleckchen Erde und beschloss, dort eines seiner prunkvollen Schlösser zu errichten.

„An einer wahnsinnig schönen Stelle“, findet Voit. Das erleben jedes Jahr hunderttausende Besucher, die den Rokokobau und den weitläufigen Park erkunden. Deren Erwartung, dort auch essen oder gar übernachten zu können, erfüllt sich derzeit nicht. Noch prangen an den Türen des Schlosshotels Linderhof Geschlossen-Schilder. Dass sich das bald ändert, hofft die Ettaler Bürgermeisterin genau wie der Oberammergauer Landtagsabgeordnete.

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