Haben gut lachen: (v.l.) Pater Johannes Bauer und Mario Büter, Leiter der Energiezentrale des Kloster Ettal, freuen sich, dass das Wasserkraftwerk wieder optimal läuft, nachdem die Turbine generalsaniert wurde.
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Haben gut lachen: (v.l.) Pater Johannes Bauer und Mario Büter, Leiter der Energiezentrale des Kloster Ettal, freuen sich, dass das Wasserkraftwerk wieder optimal läuft, nachdem die Turbine generalsaniert wurde.

Jetzt macht nur noch der Biber alle verrückt

Nach Schäden: Kloster Ettal investiert in Wasserkraftwerk

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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300.000 Euro hat das Kloster Ettal in die Hand genommen. Vor allem die Turbine in der Mühle musste generalsaniert werden.

Ettal – Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Holz in dem Sägewerk an der Ettaler Mühle verarbeitet wurde. Die Stämme konnte man aus dem Zulauf ziehen, sagt Pater Johannes Bauer. Seit den 1950er-Jahren steht der Betrieb still. Prinzipiell wäre er auch heute noch möglich, nur rentiert sich das nicht mehr. Ein paar Meter daneben ist von Ruhe keine Spur.

Aus dem kleinen Häuschen dröhnt’s. Das Wasserkraftwerk arbeitet. Besser als bisher. Das Kloster Ettal investierte 300 000 Euro in die Sanierung der 1956 eingebauten Kaplan-Turbine. „Wenn sie wieder 65 Jahre läuft“, sagt Pater Bauer und lacht, „ist die Rendite nicht so schlecht.“

Seit vier Wochen erfüllt das erneuerte Modell mit 80 PS seinen Zweck. Mario Büter, der Leiter der Kloster-Energiezentrale, zeigt sich zufrieden. Er vergibt die Note „sehr gut“. Vor gut einem Jahr, im März, hat er es gemerkt: Irgendwas stimmt nicht. Das Gerät machte mehr Krach, die Leistung sank von im Schnitt 52 Kilowatt in der Stunde auf 30. Das Laufrad war angeschlagen, am Schacht hat’s gerieben. Um einen größeren Schaden zu verhindern, nahm das Kloster Geld in die Hand. Den Betrieb wollte man schließlich nicht einstellen. „Wäre schade, das hier brach liegen zu lassen“, betont der Pater.

Blitz schlug immer in die Fernleitung ein

1701 wurde die damalige Mahlmühle des Klosters errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts hat man mit der Energiegewinnung begonnen. Über eine Fernleitung, die vom Turbinenhaus zum Hauptgebäudekomplex der Abtei-Anlage führte, wurde das Kloster mit elektrischer Energie versorgt. Doch der Blitz schlug regelmäßig in die Leitung ein, erzählt Büter. Damit verbunden: hohe Reparaturkosten. Aufgrund eines Brandschadens musste in den 1990er-Jahren der Generator ausgewechselt werden. In dieser Zeit legte man auch die Fernleitung still. Heute wird der erzeugte Strom direkt in das öffentliche Netz eingespeist.

Das Wasserrad, das Anfang des 20. Jahrhunderts von der Firma Stocker aus Pfaffenhofen gebaut wurde, existiert auch heute noch.

Etwa ein Drittel seines Bedarfs deckt das Kloster mit dem Wasserkraftwerk ab. Der Verbrauch liegt bei 1,2 Millionen Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Rund 370 000 kWh produziert die Mühle, 30 000 die Photovoltaikanlage. „Beides ist natürlich wetterabhängig“, sagt Büter.

Umweltaspekte berücksichtigt

Doch nicht nur die Turbine nahmen die Verantwortlichen ins Visier. Im Zuge der Arbeiten gab es weitere Verbesserungen. Draußen am Zulauf wurden zum Beispiel die Absperrungen erneuert, drinnen im Häuschen – freilich hängt ein Kruzifix an der Wand – installierte man eine automatische Schmierung für die Turbine. Auch Umweltaspekte fanden Berücksichtigung. Unter anderem zum Wohle der Fische, die im glasklar türkisfarbenen Wasser schwimmen. „Da kann nichts passieren“, versichert Büter.

Dafür treibt ihn bald ein anderes Lebewesen in den Wahnsinn: der Biber. „Er macht uns verrückt.“ Immer wieder schwemmt es abgenagtes Gehölz an, das aus dem Zulauf entfernt werden muss. Je höher der Wasserstand, desto mehr spült es an. „Manchmal“, erzählt Büter, „kommt ein ganzer Berg daher.“

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