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Besonderes Ereignis: das Freilicht-Konzert in Kloster Ettal.

Strauss oder Pest?

Kulturdilemma: Zwei Top-Events überschneiden sich - Veranstalter stehen unterschiedlich dazu

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Kulturinteressierte haben die Qual der Wahl: Besuchen sie eines der beiden Pestspiele oder eines der Freiluft-Konzerte in Kloster Ettal im Rahmen des Richard-Strauss-Festivals? Die Veranstalter sind sich uneins, ob diese Überschneidung schadet.

Oberammergau/Ettal – Es ist die Vorbereitung auf die Passionsspiele 2020. Die Gelegenheit, um die Hauptdarsteller auf der großen Bühne zu erleben – und ein perfekter Vorgeschmack auf das Gelübdespiel. „Die Pest“, die seit 1933 im Vorfeld der Passion aufgeführt wird, erzählt die Geschichte von Kaspar Schisler. Einem Tagelöhner, der mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges von der Sehnsucht nach der Familie getrieben heim nach Oberammergau kommt – die todbringende Krankheit im Gepäck. Was Spielleiter Christian Stückl da zeigt, ist ein absoluter Publikumsmagnet. Längst sind die besten Plätze im Passionstheater ausverkauft – auch am Premieren-Wochenende, 28. und 29. Juni. Gerade an diesen beiden Tagen haben Kulturinteressierte aber die Qual der Wahl. Zeitgleich finden die beiden Freiluft-Konzerte im Innenhof von Kloster Ettal im Rahmen des Richard-Strauss-Festivals statt.

„Unglücklich“ nennt Frederik Mayet, Geschäftsführer der Passionstheater GmbH, diese Überschneidung. „Nicht für die normalen Besucher, schränkt er ein. Die hätten schließlich an drei weiteren Wochenenden die Chance „Die Pest“ zu sehen. Ehrengäste und Journalisten kämen da schon eher in die Zwickmühle, fürchtet Mayet. „Mit der Folge, dass man sich gegenseitig Platz in den Zeitungen wegnimmt.“

Kultursommer-Termine in Oberammergau standen zuerst fest

Das Pestspiel, in dem 2009 Frederik Mayet (r.) als Totengräber und Anton Burkhart als Kaspar Schisler auftraten, erzählt die Geschichte vom Passions-Gelübde.

Als die Termine für den Oberammergauer Kultursommer, der heuer vom 28. Juni bis 2. August dauert, festgelegt wurden, standen die Daten fürs Strauss-Festival noch nicht fest. „Wir versuchen schon, auf andere große Veranstaltungen zu achten“, sagt Mayet. Zumindest im Rahmen der Möglichkeiten. „Allein bei uns ist aber viel zu koordinieren, das Brandner-Kaspar-Gastspiel des Münchner Volkstheaters ging beispielsweise nur an diesen Tagen, so dass sich manches von ganz allein ergibt.“

Während Mayet etwas mit der terminlichen Überschneidung hadert, blickt Alexander Liebreich dem Ganzen gelassen entgegen. „Ich denke nicht, dass wir uns gegenseitig Publikum wegnehmen“, sagt der Künstlerische Leiter des Strauss-Festivals. Auch für die Konzerte in Ettal läuft der Vorverkauf hervorragend – „deutlich besser als im vergangenen Jahr“. Für ihn ein Zeichen, dass sich der Landkreis zur Kulturregion entwickelt. „Je mehr Angebot vorhanden ist, desto mehr Bewusstsein wird geschaffen. Das ist doch wunderbar.“

Konkurrenz belebt

Zudem denkt der Chefdirigent des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks und des Rundfunksinfonie-Orchesters Prag nicht allein an die Besucher aus der Region. „Für viele Gäste von außerhalb ist dieses Wochenende die Möglichkeit, beides zu erleben.“ Mayets Sorge in Bezug auf Journalisten und Ehrengäste teilt er nicht. Die Erfahrung in Großstädten wie München, Prag und Katowice, wo es jeweils mehrere große Orchester gibt, hat ihn gelehrt, dass sich die vermeintliche Konkurrenz eher guttut.

Wie groß das Interesse an Strauss und seiner Musik ist, merkt Liebreich gerade in Tokio, wo er an diesem Wochenende als Gastdirigent des Japan Philharmonic Orchestra fungiert. Drei Seiten hat eine dortige Kulturzeitschrift dem weltberühmten Komponisten gewidmet, „auf den ich hier auch immer wieder angesprochen werde“. Nachdem Oberammergau bereits eine Weltmarke ist, die er mit Strauss noch anstrebt, kann er sich durchaus vorstellen, dass gerade internationale Gäste gerne beide Termine wahrnehmen.

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