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Mit Feuereifer bei der Sache: (v.l.) Bodenforscher Dr. Michael Dannenmann, Hirtin Margit Lüdemann und Bauer Michael Weiß.

Bodenforscher begleitet das Experiment

Pilotprojekt im Graswangtal: Verwaisten Almen wird neues Leben eingehaucht

Almen, die nicht bewirtschaftet werden, erobert sich die Natur zurück. Kulturlandschaft, über Jahrhunderte gewachsen, geht damit unwiederbringlich verloren. Diesem Trend soll nun mit einem Experiment entgegengewirkt werden.

Garmisch-Partenkirchen/Graswang – Die Brunnenkopfalm (1500 bis 1700 Meter) im Naturschutzgebiet Ammergebirge nahe Graswang gehört zu den zahlreichen verwaisten Almen in höheren Alpenlagen. 60 Jahre hat sich hier niemand um die Vegetation gekümmert – mit unerwünschten Folgen. Die Artenvielfalt hat sich verringert, langes Gras, das der Schnee im Winter auf den Boden drückt, dominiert. Darunter hat sich Filz gebildet, so dass das Wasser nicht in den Boden eindringen kann, sondern auf den langen Grashalmen talwärts schießt. „Teilweise wird die gesamte Bodenstruktur mitgerissen, es kann durch die sich häufenden Starkniederschläge zu Hangrutschen kommen“, sagt Dr. Michael Dannemann. Er ist Bodenforscher am Garmisch-Partenkirchner Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK-IFU), einer Forschungseinrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Ein anderer Aspekt ist, dass der Wald das Gelände langsam zurückerobert. „Damit wäre ein Stück Kulturlandschaft unwiederbringlich verloren.“

Fokus liegt auf Auftrieb von Murnau-Werdenfelser Rindern

Das Murnau-Werdenfelser Rind ist wieder auf der Brunnenkopfalm heimisch.

Almen sind nicht nur Lebensraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten, sondern haben auch eine große Bedeutung für den Tourismus. Gute Gründe also, eine aufgelassene Alm wieder zu beweiden. In dem jungen Schöffauer Landwirt Michael Weiß hat der Bodenforscher einen engagierten Mitstreiter gefunden. Partner im Projekt sind die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Universitäten in München und Bayreuth sowie die Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen. Die Untere Naturschutzbehörde im Garmisch-Partenkirchner Landratsamt unterstützt das Ganze ebenso wie die Bayerischen Staatsforsten.

Richard Baur, stellvertretender Forstamtsleiter Oberammergau, erläutert, dass besonderer Wert auf den Auftrieb von Murnau-Werdenfelser Rindern gelegt wurde, um den Erhalt dieser Rasse zu fördern. Das ist geschehen, der Anfang gemacht: Seit dem Frühjahr gibt es wieder Tiere auf der Alm im Ammergebirge. Angeführt von der 17-jährigen Leitkuh Alma, weiden vier Murnau-Werdenfelser und ein Tiroler Grauvieh dort. Die robusten und trittsicheren Tiere fühlen sich wohl und bekommen sicher im nächstes Jahr Verstärkung. „Vorige Woche hat Bauer Weiß noch zwei Pferde raufgebracht“, sagt Projektleiter Dannenmann. Sie sollen so nebenbei lernen, sich in steilem Gelände zu bewegen, um im Forst zum schonenden Holzrücken eingesetzt zu werden.

Drei Hirten wechseln sich ab

Auch junge Hirten haben sich gefunden. Unter ihnen Landwirtschafts- und Forststudenten und andere Enthusiasten, die bereit sind, ohne Strom und fließendes Wasser in der Forstdiensthütte, die kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, zu übernachten. Drei wechseln sich ab, übernehmen auch Messungen für das Forschungsprojekt. Dannenmann ist froh, zusammen mit dem Forstbetrieb Oberammergau die Brunnenkopfalm gefunden zu haben. Zuvor hatte er sich einige andere aufgelassene Almen angeschaut. Für viele kommt eine Wiederbeweidung zu spät. Dort wachsen flächendeckend Giftpflanzen wie Alpenkreuzkraut und Eisenhut, die Verbuschung schreitet voran. „Es ist oft erschreckend“, sagt er.

Man merkt dem Wissenschaftler die Leidenschaft und den Ehrgeiz für dieses Experiment an. Schließlich erwartet er, dass durch den Tritt der Tiere der Filz aus dem Altgras verschwindet und sich so Bodenqualität und Futterwert erhöhen. Bodenproben vom Ausgangszustand werden erstmals am Ende der Weidesaison mit dem aktuellen Zustand verglichen. Gleiches gilt für die Vegetation. Insgesamt werden Erkenntnisse über die Auswirkungen extensiver Beweidung auf die gesamte Artenvielfalt – auch über die Insekten- und Vogelwelt, über Hangstabilität und sogar auf den Hochwasserschutz erwartet.

Margot Schäfer

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