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Seit Herbst 2016 gesperrt für öffentliche Besichtigungen – die Venusgrotte in Schloss Linderhof. Die Restaurierungsarbeiten dürften sich noch vier Jahre hinziehen.

Schloss Linderhof: Kostenschätzung für die Restaurierung bei über 33 Millionen Euro

Die Venusgrotte - ein Fass ohne Boden?

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Der Bau der Saulgruber Ortsumfahrung mit 32,2 Millionen Euro war günstiger: Die Restaurierung der Venusgrotte in Schloss Linderhof hat eine neuen Spitzenwert erreicht.

Linderhof – Im Juli 2016 verkündete Markus Söder, damals noch in seiner Funktion als Bayerischer Finanzminister, bei einem Ortstermin zur Restaurierung der Venusgrotte in Schloss Linderhof: „Die 25 Millionen Euro zur Wiederherstellung dieses bayerischen Kulturguts sind gut investiertes Geld.“ Er dürfte wohl damals nicht geahnt haben, dass die Sanierung des Bauwerks von König Ludwig II. (1845 bis 1886) noch weitere Millionen verschlingen wird. Vergangene Woche gab’s dann den Nachschlag: Die beiden CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn und Martin Bachhuber verkündeten in einer Pressemitteilung, dass der Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen für die Restaurierung der Venusgrotte weitere Mittel freigegeben habe – stolze acht Millionen Euro. Dabei gab es 2013 noch eine Kostenschätzung von 15 Millionen Euro.

Der Kostensprung von 25 auf jetzt 33,25 Millionen Euro bedeutet eine Steigerung von 32 Prozent. Die Venusgrotte – ein teures Erbe des Märchenkönigs. Und ein Fass ohne Boden? Ist das Ende der Fahnenstange überhaupt schon erreicht? Fragen, auf die derzeit keiner eine Antwort weiß. Dieses Wunderwerk der Illusion und Technik sei „ein unersetzbares Kulturgut, ein einzigartiges Bauwerk in Form einer künstlichen Tropfsteinhöhle und der Höhepunkt der Illusionsarchitektur von König Ludwig II.“, untermauert Horst Wolf vom Pressereferat des Bayerischen Finanzministeriums. Bereits zu Lebzeiten des Königs seien durch eindringende Feuchtigkeit erste Schäden an der Baukonstruktion aufgetreten. „Im August 2015 starteten zum ersten Mal seit über 100 Jahren die Arbeiten zu einer grundlegenden Restaurierung der Grotte, zuerst außen und das Jahr drauf dann im Innern.“

Fertigstellung nicht vor 2022

Dass nun die extrem aufwendige Sanierung so teuer wird, habe laut Pressesprecher verschiedene Gründe. Mehrausgaben mussten durch die komplexe Rekonstruktion von Gegenständen in der Grotte (Steinthron, Muschelkahn) in Kauf genommen werden. Weitere Ursachen waren, so Wolf, „baulich bedingte Anpassungen der Ausführungsplanung“ in der Geometrie des Bauwerks. Und schließlich würden drei weitere Faktoren zur Verteuerung des Großprojekts führen – Zusatzkosten bei der Instandsetzung einer Beleuchtersäule, die höheren Ausgaben bei der Entsorgung des belasteten Erdmaterials und zu guter Letzt Lohn- und Material-Preissteigerungen für noch nicht ausgeschriebene Bauleistungen.

Derzeit gehen Planer und Experten davon aus, dass die Restaurierungsarbeiten in der Grotte, in der Ludwig II. in seinem Kahn sitzend den Klängen der Oper Tannhäuser von Richard Wagner lauschte, bis zum Jahr 2022 abgeschlossen sein werden. Ob dieser Termin gehalten werden kann, und zu welchen Konditionen – das steht in den Sternen. Im November 2017 waren bisher nach Aussagen des Ministeriums, die sich auf die Angaben des Staatlichen Bauamtes in Weilheim beriefen, „40 Prozent des Gesamtvorhabens geschafft“. Aufträge erhielten 34 verschiedene Firmen.

Da die Baustelle mitten im Naturschutzgebiet Ammergebirge liegt, wird die Restaurierung der Venusgrotte ständig naturschutzfachlich begleitet, um negative Auswirkungen auf Fauna und Flora in diesem Bereich zu vermeiden. So sind künftig zum Beispiel neue Einflugröhren für Fledermäuse wie die Kleine Hufeisennase vorgesehen. Vorrangiges Ziel der Restaurierung ist die Wiederherstellung des ursprünglichen Raumeindrucks der Grotte. Eine weitgehend unterirdische Sperrmauer samt Drainage soll künftig das Eindringen von Wasser verhindern. Außerdem wird eine Art Klimaanlage die dort herrschende Luftfeuchtigkeit reduzieren.

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