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Erst 2016 saniert: Das ehemalige Gesindehaus des Klosters.

Flüchtlinge im Landkreis  

St. Leonhard in Ettal: Wohngemeinschaft statt Jugendhaus

Mit dem ehemaligen Gesindehaus vom Kloster Ettal gab es große Pläne: Dort sollte ein Heim für Jugendliche aus der ganzen Welt entstehen. Mittlerweile leben dort anerkannte Flüchtlinge.

Ettal – Die Stimmung im Ettaler Gemeinderat war deutlich getrübt: Nicht, weil es offensichtlich Veränderungen bei der Unterbringung von Flüchtlingen in St. Leonhard gibt, sondern weil darüber von offizieller Seite nicht informiert wurde. „Wir haben keine Nachricht bekommen“, erklärte Bürgermeister Josef Pössinger. Darüber, dass in dem ehemaligen Gesindehaus die Bewohner komplett gewechselt haben.

Seit 2016 hat der Landkreis dort in Zusammenarbeit mit der Caritas unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. „Diese sind mittlerweile in unser Jugendhaus St. Josef nach Garmisch umgezogen“, erklärt Caritas-Chef Alexander Huhn. Der Grund: Die Zahl der Heranwachsenden, die allein nach Deutschland kommen, sei stark zurückgegangen. Ganz im Gegenteil zu denjenigen Migranten, deren Asylverfahren positiv verläuft. „Es besteht ein hoher Bedarf an Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge.“ Das bestätigt auch Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf. Deshalb habe sich die Behörde gemeinsam mit der Caritas dafür entschieden, St. Leonhard zu einem Wohnhaus für Flüchtlinge zu machen, die dort Miete zahlen oder als Sozialleistung bezahlt bekommen. Sie tun sich, wie berichtet, schwer, auf dem normalen Wohnungsmarkt fündig zu werden. Wie bei Obdachlosen sind in ihrem Fall die Kommunen zuständig, für ein Dach über dem Kopf zu sorgen. Ihnen greift der Landkreis mit einer Lösung wie in Ettal also unter die Arme.

Und das mit Erfolg: „Die Nachfrage hat uns selbst überrascht“, sagt Huhn. Ohne Werbung für die freien Plätze zu machen, „waren 80 Prozent der Apartments und Zimmer in einer Woche vergeben“. Insgesamt gibt es in St. Leonhard 18 Einheiten.

Diese waren anfangs – als das Haus nach umfassender Sanierung 2016 bezogen wurde – auf zwei Stockwerke aufgeteilt. Um die jungen, oftmals traumatisierten Jugendlichen kümmerten sich in einer heilpädagogischen Gruppen rund um die Uhr Fachkräfte der Caritas, außerdem gab es eine Hauswirtschafterin, die für die Minderjährigen gekocht hat. Ihr Mann engagierte sich zusätzlich ehrenamtlich dafür, dass im Haus alles läuft. Später, so sah der Plan der Betreiber vor, sollten in zwei betreuten Wohngemeinschaften auch deutsche Heranwachsende ein neues Zuhause finden. Ein Konzept, das den Ettalern bei einer Bürgerversammlung zuvor ausführlich vorgestellt wurde.

Knapp zwei Jahre später hat sich alles anders entwickelt. Die Bewohner von St. Leonhard sind erwachsen und unter sich. Es gibt Huhn zufolge aber eine Hausverwaltung, die unter der Woche nach dem Rechten sieht.

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