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Einzigartiges Bauwerk: die Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof.

Kosten könnten noch weiter steigen

Steuerverschwendung? Venusgrotte steht im Schwarzbuch 

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König Ludwig II. hat mit der Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof ein einmaliges Bauwerk geschaffen. Doch es ist vom Verfall bedroht. Die Restaurierung läuft und verschlingt mehr Geld als geschätzt. Das verschaffte dem Projekt nun einen Eintrag ins Schwarzbuch der Steuerzahler.

Linderhof – Hinter jedem Türchen steckt eine kleine Überraschung. So ist das beim Adventskalender. So ähnlich ist’s bei der Venusgrotte in Schloss Linderhof. Wird eine Wand oder ein Boden geöffnet, kommt Unerwartetes zum Vorschein. Allerdings unerwartet Kompliziertes für die Restaurierung der vom Verfall bedrohten künstlichen Tropfsteinhöhle aus dem Jahr 1877. Wolfgang Eichner, zuständiger Baudirektor beim Staatlichen Bauamt Weilheim, kann’s nicht anders ausdrücken: „Sie ist ein Überraschungsei.“ Eines, das es jetzt ins Schwarzbuch geschafft hat.

Jedes Jahr prangert der Bund der Steuerzahler in Bayern die schlimmsten Steuerverschwendungen an. 2016 fand sich das neue Eingangsgebäude im Freilichtmuseum Glentleiten unter den Negativ-Beispielen wieder, weil die Kosten fast um das Doppelte angestiegen waren. Die Venusgrotte entpuppt sich ebenfalls mehr und mehr als Geldfresserin. Beliefen sich die Schätzungen für das Mammutprojekt 2014 noch auf 24,8 Millionen Euro, genehmigt vom Landtags-Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen, liegt die Investitionssumme mittlerweile bei 33,2 Millionen Euro. Entstanden sind die Mehrausgaben unter anderem wegen der komplexen Restaurierung des Steinthrons und des Muschelkahns sowie durch weitere Planungskosten und gestiegene Materialpreise.

Erschwernisse beim Bau

Der Bund der Steuerzahler wagt eine Prognose: Bei diesem Betrag bleibt es nicht. Er wird mit seiner Einschätzung voraussichtlich Recht behalten. Denn von Seiten des bayerischen Finanzministeriums heißt es zum einen, dass zur statischen Ertüchtigung der Säulenkonstruktion wohl noch zusätzliche bauliche Vorkehrungen erforderlich seien. Zum anderen muss die Säule im See durch eine Konstruktion entlastet werden. Die Kosten soll der Ausschuss im ersten Halbjahr von 2019 absegnen. Auf gut deutsch: Der Steuerzahler könnte einmal mehr zur Kasse gebeten werden.

Eichner ist das Dilemma bewusst. Er hofft, dass die Kosten nicht weiter in die Höhe schnellen. Ausschließen kann er es aber nicht. Kommt darauf an, was die neuen Proben und Versuche ergeben. Die Seewanne macht Probleme. „Die Beschichtung gefällt uns nicht“, sagt der Baudirektor. Gleiches Spiel mit der Statik des Tragwerks. Zwei Säulen in der Grotte bestehen aus Gusseisen. „Das wurde schon in der Erbauungszeit als grenzwertig angesehen.“ Und dabei gelten heute weitaus höhere Sicherheitsanforderungen als zu Lebzeiten des Märchenkönigs. Ob der Erschwernisse betont der Experte: Das Millionen-Projekt könne nicht nur halbfertig sein, man müsse es zu Ende bringen.

Werden die Arbeiten pünktlich beendet?

Die Fertigstellung ist für 2022 vorgesehen. Realistisch? Bleibt abzuwarten, meint der Bund der Steuerzahler. Brief und Siegel will auch Eichner darauf nicht geben. Hängt davon ab, wie und wann man die statischen Probleme in den Griff bekommt. Bis dato liegen die Arbeiten jedenfalls im Zeitplan.

Die Venusgrotte, in der Korrosionsprozesse über die Jahre hinweg erhebliche Schäden angerichtet haben, ist nicht nur der Höhepunkt der Illusionsarchitektur des Monarchen, sie ist vor allem einzigartig. Einzigartig herausfordernd. „Es gab keine Pläne“, sagt Eichner. Allein neun Jahre voller Experimente und Analysen verstrichen, bis ein Restaurierungskonzept erstellt werden konnte. Vergleichsbeispiele existieren nicht. Deshalb „sind Planung, Kostenermittlung und Bauausführung für alle beteiligten Planer und Firmen Neuland und somit besonders schwierig“, rechtfertigt sich das Ministerium gegenüber dem Schwarzbuch-Herausgeber. Weitere Überraschungen für den Steuerzahler ? Nicht auszuschließen.

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