Weltweit einmalig: Die Venusgrotte gilt als Meisterwerk der Illusion und Technik der damaligen Zeit.
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Weltweit einmalig: Die Venusgrotte gilt als Meisterwerk der Illusion und Technik der damaligen Zeit.

Teures Bauvorhaben im Park von Schloss Linderhof

Venusgrotte: Kosten explodieren gewaltig

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Sie verschluckt den nächsten großen Batzen Geld. Zusätzliche knapp 26 Millionen Euro pumpt der Freistaat in die Restaurierung der Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof. Das Projekt wird nicht nur teurer, auch der Zeitplan verschiebt sich – um zwei Jahre nach hinten.

Linderhof – Erst vor zwei Wochen besichtigte Florian Streibl die Venusgrotte. Gemeinsam mit Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, machte er sich ein Bild von der Baustelle im Park von Schloss Linderhof. Ließ sich die Arbeiten erklären. „Ein irrsinniger Aufwand“, sagt der Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag. Baulich – und, wie sich jetzt einmal mehr zeigt, finanziell. Der Oberammergauer redet gar nicht erst um den heißen Brei herum. „Ich befürchte, es wird sich wiederholen.“ König Ludwigs II. Wunderwerk der Technik und Illusion könnte wie schon 2018 erneut im Schwarzbuch der Steuerzahler landen. Denn das Projekt kommt deutlich teurer als anfangs angenommen.

Gesamtvolumen liegt bei rund 59 Millionen Euro

Der Freistaat muss Geld nachschießen. Im März dieses Jahres stimmte der Haushaltsausschuss des Landtags weiteren 25,7 Millionen Euro zu. Das Gesamtvolumen liegt nun bei exakt 58,945 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung von rund 79 Prozent. Die aktuelle Summe verfehlt die ursprünglichen Kalkulationen weit. 2013 hatte man mit 15 Millionen Euro gerechnet, ein Jahr später wurden 24,8 Millionen Euro genehmigt. Die nächsten acht Millionen Euro bewilligte das Gremium im März 2018.

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Damals informierte neben Martin Bachhuber auch Harald Kühn (beide CSU), früherer Landrat im Kreis Garmisch-Partenkirchen und seit 2013 Abgeordneter im Maximilianeum, per Presseaussendung über den Zuschlag. Diesmal wollte offensichtlich niemand die schlechte Nachricht übermitteln. Der Murnauer, der im Haushaltsausschuss sitzt, gibt sich wortkarg, verweist in dieser Sache auf das Finanzministerium.

Ausschlaggebend bei der Kostensteigerung, die er mit „natürlich schade“ kommentiert, sind für den Politiker die Ursachen, die dazu führten. Er unterscheidet zwischen Fehlern bei der Ausführung und Besonderheiten, die während den Arbeiten auftauchen. So wie es bei Sanierungen oft der Fall ist. Für ihn zwei paar Stiefel. Bei der Wundertüte Venusgrotte erst recht. Dem stimmt Streibl vollumfänglich zu, schickt aber ein Aber hinterher. Denn die Spanne von der ersten Schätzung bis zu den aktuellen Kosten liegt bei etwa 40 Millionen Euro. „Das ist verdammt viel“, sagt er und fügt an: „Leider kommt es immer wieder zu solchen Steigerungen bei Bausachen des Freistaats, die im Haushaltsausschuss für höchste Verärgerung sorgen.“

Künstlich angelegte Tropfsteinhöhle

Im August 2014 starteten zum ersten Mal seit über 100 Jahren die Arbeiten zur Sanierung und Restaurierung der Venusgrotte, in der der Märchenkönig in seinem Kahn sitzend den Klängen der Wagner-Oper „Tannhäuser“ lauschte. Die künstlich angelegte Tropfsteinhöhle, die im Jahr 1877 fertiggestellt wurde, droht der Verfall. Die Retter müssen unter anderem die Korrosion stoppen, die durch das Wasser einsetzte, das durch die undichte, geteerte Gewölbedecke drang. Immer wieder treten seither böse Überraschungen auf. Führten 2018 mitunter die komplizierte Rekonstruktion von Steinthron und Muschelkahn sowie die Instandsetzung einer Beleuchtersäule zu Mehrausgaben, sind es nun andere Gründe. Zum Beispiel muss die verbaute Seesäule aus Gusseisen statisch ertüchtigt werden. Außerdem „ist für die historischen Materialien aufgrund des Alters und der besonderen klimatischen Verhältnisse zum Teil umfangreicher Restaurierungsaufwand notwendig“, teilt Horst Wolf, Sprecher des Finanzministeriums, mit. Ebenso treiben die Beseitigung der erheblichen Frost- und Feuchtigkeitsschäden und konjunkturbedingte Preissteigerungen im Baugewerbe die Kosten in die Höhe. Und dann drückt auch noch der Hang in die Grotte.

Die Glaskugel fehlte im Vorfeld. Niemand konnte erahnen, welche Probleme im Laufe der Zeit zum Vorschein kommen. Für die Venusgrotte gab es keine Pläne. Allein neun Jahre haben sich Experten den Kopf zerbrochen, wie man das weltweit einzigartige Bauwerk erhalten und den ursprünglichen Eindruck wiederherstellen kann. „Der Verlauf einer solchen Restaurierungsmaßnahme ist auch bei einer äußerst eingehenden Planung, wie sie hier erfolgt ist, naturgemäß nicht vollständig vorhersehbar“, betont Wolf.

Nicht nur die Kosten steigen, auch der Zeitplan verschiebt sich. Statt Ende 2022 soll das Projekt der Superlative, an dem bislang mehr als 200 Firmen oder freiberuflich tätige Planungsbüros involviert waren, nach derzeitigem Stand voraussichtlich Ende 2024 fertig sein. Aktuell liegt der Fokus der Arbeiten auf der Technik und den Betriebsräumen sowie auf der Instandsetzung der Innenschale. So ist es der Homepage von Schloss Linderhof zu entnehmen, auf die die Bayerische Schlösserverwaltung auf Tagblatt-Nachfrage verwies. Konkretere Auskünfte waren auch von Baudirektor Wolfgang Eichner vom Staatlichen Bauamt Weilheim nicht zu erfahren. Er benötigt dazu deren Genehmigung.

Das Erbe von König Ludwig II. ist ein teures. Aber eines von enormen kulturellem Wert. „Linderhof und seine Anlagen haben für den Landkreis und Bayern eine herausragende Bedeutung“, macht Kühn deutlich. Sie sind zudem wesentlicher Bestandteil des derzeit zu erstellenden Antrags, die Königsschlösser als UNESCO-Weltkulturerbe aufzunehmen. Weit über 40 Millionen Besucher besichtigten Linderhof und die weiteren Sehenswürdigkeiten des Monarchen bis dato. Sie zu erhalten, daran rüttelt niemand. Auch nicht, wenn dafür immens hohe Ausgaben zu verkraften sind. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen“, räumt Streibl ein. „Unterm Strich ist’s eine wichtige Investition.“ Zumal auf lange Sicht die Einnahmen wieder Geld in die Kasse spülen. Doch schon jetzt schwant dem Landtagsabgeordneten, dass es bei den rund 59 Millionen Euro wieder nicht bleibt. „Aber Bayern ist ein Kulturstaat“, betont er. „Das muss es uns wert sein.“

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