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Vor der Basilika fanden sich Ettaler Schüler, Lehrer und Eltern zur Verabschiedung des diesjährigen Abiturjahrgangs ein.

Erstmals findet die Zeugnis-Übergabe am Benediktinergymnasium unter freiem Himmel statt

Premiere mit Emotionen: Ettal verabschiedet seine Abiturienten

Was für eine Kulisse: Vor dem mächtigen Bau der Basilika verabschiedete jetzt das Ettaler Benediktinergymnasium seinen Abiturjahrgang.

Ettal – Der Wettergott war ihnen gnädig gestimmt. Es blieb trocken und dann und wann blinzelte sogar die Sonne ein wenig über die Klostermauern hinweg. So konnte die diesjährige Abitur-Feier des Benediktinergymnasiums Ettal im Klosterhof vor der Basilika in feierlichem Rahmen zelebriert werden. „Bis zuletzt haben wir gehofft und gebangt“, atmete Hubert Hering auf. Der Schulleiter ist seit acht Jahren am Ettaler Gymnasium, er verabschiedete nun seinen ersten Jahrgang. „Das ist auch für mich ein ganz besonderer Moment“, sagte der 59-Jährige. Und besonders war eben auch der Ort der Verabschiedung der 36 Abiturienten, denn das hatte es noch nie gegeben, dass die gesamte Zeremonie im Freien abgehalten wird. „Wir haben uns streng an alle Hygienevorschriften gehalten, Anwesenheitslisten geführt und die Richtlinien beachtet“, versicherte Hering, der Englisch und Religion unterrichtet.

Die Gemeinschaft ist alles

Der Verlauf der Veranstaltung war wie gewohnt, startete mit einem Gottesdienst, der durch das Beatles-Stück „Hey Jude“ von der Bigband eingeleitet wurde. Bezeichnend für diese Verabschiedung, einer Mischung aus modernen, weltlichen und kirchlichen Beiträgen. Pater Emmeram Walter, der Oberstufenbetreuer, stellte in seiner sehr feinfühligen, emotionalen, aber auch humorvollen Ansprache die Frage nach dem „Fundament des Lebens“ in den Mittelpunkt. Nicht der Schulabschluss und die Abiturzeugnisse seien die wesentliche Voraussetzung für Festigkeit und Stabilität, sondern vielmehr die menschlichen Werte. Es gehe nicht darum, verschränkte Relativsätze und Wahrscheinlichkeitsberechnungen anwenden zu können, sondern um Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. „Um ein Herz für andere“, wie es der Gottesmann zusammenfasste. Als Außenstehender bekam man einen guten Eindruck, warum sich in Ettal die Schüler so wohl fühlen, denn die Gemeinschaft und das soziale Miteinander, die Atmosphäre und Geborgenheit, sie seien es, so Pater Emmeram, auf die es auch im späteren Leben ankomme.

Hubert Hering hob in seiner anschließenden Rede hervor, dass seine Schüler prophetische Fähigkeiten bewiesen hätten, als sie ihr Motto „Das Ende krönt das Werk – Finis Opus Coronat“ wählten. Der Schulleiter ordnete jedem Anfangsbuchstaben von Corona drei Stichwörter zu, die den Verlauf seiner Rede bestimmten. Darunter Courage, Offenheit, Respekt, Ordnung, Nähe und Augenhöhe, und in Bezug auf die Pandemie meinte er: „Materielles Wohlergehen kann schnell zusammenbrechen“, deshalb sei es so wichtig, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass es immer auf die Menschen ankomme, auf Achtsamkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Solidarität. Er bedauerte, dass er die Zeugnisse diesmal nicht mit einem festen Händedruck überreichen dürfe, aber er versprach seinen Schülern mit viel Herzenswärme: „Ihr habt hier in Ettal einen Ort, an den ihr jederzeit zurückkehren könnt und willkommen seid.“

„Ein kurzer Schulweg“

Und auch Stephanie Heinzeller, die für die Eltern sprach, schloss sich den emotional bewegenden Worten ihrer Vorredner an. Sie betonte, wie gut dieser „Corona-Jahrgang“ die besonderen Herausforderungen gemeistert habe und prophezeite den Schulabgängern: „Ihr werdet wohl noch Euren Enkelkindern grauhaarig davon berichten, wie es damals war, als ihr Euch im Lockdown auf die Prüfungen vorbereiten musstet und Euer Schulweg plötzlich so kurz wurde: vom Bett zum Schreibtisch und zurück.“ Sie lobte die Abiturienten – „Ihr habt Euch nicht unterkriegen lassen“ – und fasste zusammen, was in Ettal eben so besonders sei: „Innerhalb einer Klostergemeinschaft und getragen von ihr, reifen hier mutige und kritische Menschen heran, die die Welt so dringend braucht.“

Stellvertretend für die Schüler blickten Sophia Kees zusammen mit Julius Graml, zurück auf die Vergangenheit, auf die Höhepunkte, die Reisen und die besonderen Erlebnisse, als die Klassengemeinschaft beispielsweise einem Schulkameraden, der 32 Seiten Strafarbeit aufbekam, diese untereinander aufteilte. „Wir werden nun auseinandergehen, einige werden eine Lehre absolvieren, andere ein Studium, manche gehen ins Ausland. Aber wir sind hier darauf vorbereitet worden, dass das Zwischenmenschliche und die Übernahme von Verantwortung wichtiger sind als alles andere“, sagte Kees.

Am Ende spielte die Bigband noch ihr letztes Stück “Gonna Fly Now“ von Bill Conti. Es stand wohl dafür, dass die 36 Abiturienten nun in alle Himmelsrichtungen der Erde hinausfliegen und ihre verschiedensten Lebenserfahrungen sammeln werden. Gut vorbereitet scheinen sie jedenfalls auch durch die Jahre am Ettaler Gymnasium zu sein.

Barbara Falkenberg

Preise

Abt Placidus Preis: Sophia Kees (kulturelle Leistungen), Milena Weber (Schülersprecherin und Organisation vieler Veranstaltungen) und Annsophie Arbogast und Anna-Lea Mayer in Stellvertretung für die Gruppe der Schulsanitäter.

Pater-Stephan-Schaller-Preis: Andi Seibel (schauspielerische Leistungen)

Die Absolventen

Annsophie Arbogast, Johannes Beer, Isabella Bierling, Elena Dersch, Thomas Finsterwalder, Anna-Devi Fischer, Jakob Fürsich, Julius Graml, Sarah Griener, Sophia Kees, Tamina Knabel, Luca Knaus, Felix Krecu, Paul Kress, Teresa Leppich, Santino Longo, Veith Mangold, Anna-Lena Mayer, Maxi Metzger, Carl von Möller, Carla Ostler, Konstantin Rampf, Levi Rube, Sarah Rückel, Lion Scharffenberg, Johannes Schelle, Valentin Schmid, Andi Seibel, Sophie Steib, Ronja Straßer, Mariella Ternes, Marius Wagner, Vincent von Wallenberg Pachaly, Johann Weber, Milena Weber, Sven Wellinger

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