Leonhard und Julia Lutz. Mit dabei: Sohn Paul.
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Sie haben sich getraut: Leonhard und Julia Lutz. Mit dabei: Sohn Paul.

Taufe, Trauung, Drillingskälber

Vom Stall ins Standesamt: Der unvergessliche Tag der Familie Lutz aus Graswang

Diesen Tag wird die Familie Lutz nie vergessen: Als Leonhard und Julia ihren Sohn Paul taufen lassen, bekommt eine Kuh in ihrem Stall Drillinge - und später wird auch noch geheiratet.

Graswang - „Es war ein unvergesslicher Tag“, sagen Julia und Leonhard „Hardi“ Lutz über die Taufe ihres Sohnes Paul. Eine Aussage, der wohl die meisten Eltern, die solch eine schon einmal feierten, zustimmen dürften. Im Falle der jungen Familie aus Graswang ist es aber tatsächlich ein Tag, der wohl so ganz anders verlief als geplant – mit vielen Überraschungen und noch mehr Gründen zum Feiern als ursprünglich angenommen.

Es ist der 15. August, Mariä Himmelfahrt. Die Sonne scheint, es wird ein schöner Tag werden. Für Hardi Lutz beginnt der Tag wie gewohnt bereits um 5 Uhr morgens mit einem Gang in den Kuhstall, wo er nach dem Rechten sieht. Was er sofort bemerkt: Es wird bald Nachwuchs geben. Die achtjährige Dora, die eigentlich erst in 10 Tagen kälbern sollte, ist schon unruhig und hat bereits etwas Fruchtwasser verloren. Der 28-Jährige rechnet mit einer Zwillingsgeburt und erklärt: „Gerade bei Zwillingen ist es nicht ungewöhnlich, dass es ein paar Tage früher losgeht als geplant.“ Um 10.30 Uhr aber soll der sechs Wochen alte Sohn Paul getauft werden. Dazu hat sich die ganze Familie angekündigt. Die Urgroßeltern reisen extra aus Niederbayern an. Bald werden sich rund 30 Gäste im Hof vor dem Haus der Familie Lutz einfinden.

Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner außer den beiden jungen Eltern weiß: Julia Möck und Leonhard Lutz werden sich an diesem Tag noch standesamtlich trauen. „Wir wollten schon letztes Jahr heiraten, mussten die Hochzeit aber wegen Corona absagen“, erzählen die beiden und erklären: „Da es aber Pauls Taufe war, sollte es sein Tag bleiben und nicht unsere Hochzeit im Mittelpunkt stehen.“

Um 9 Uhr kommt das erste Kälbchen zur Welt

Vier Stunden später ist es dann auch wirklich so weit: Um 9 Uhr kommt das erste Kälbchen zur Welt. Wie erwartet stellt Lutz bei einem Kontrollgriff fest, dass noch ein zweites zur Welt kommen wird. Unterstützt wird er mittlerweile von seiner Mutter Irmi. Die künftige Ehefrau Julia ist inzwischen aufgestanden, kümmert sich um Sohn Paul und wird gleichzeitig von einer Bekannten für den besonderen Tag frisiert. Schwiegervater Georg Lutz kümmert sich um die beiden. Langsam, aber sicher, macht sich etwas Nervosität breit.

Im Stall ist inzwischen auch das zweite Kalb gesund geboren worden. Der gelernte Besamungstechniker macht noch einmal einen Kontrollgriff und kann es nicht fassen: Es wird keine Zwillingsgeburt, sondern mindestens eine Drillingsgeburt geben. „Da habe ich mir dann schon gedacht, dass das doch jetzt nicht sein kann“, erzählt er lachend. „Eine natürliche Drillingsgeburt ist außergewöhnlich selten.“

„Das geht nicht Mama, wir werden heiraten“

Als das dritte Junge um 10 Uhr zur Welt kommt, ist es nur noch eine halbe Stunde bis zur Taufe. Mutter Irmi bietet dem Sohn an, dass sie bei den Kälbern bleibt und er sich duschen solle. Sie werde dann nach der Taufe, in das Hotel Ludwig der Bayer in Ettal, wo anschließend gefeiert werden soll, nachkommen. Jetzt bleibt dem 28-Jährigen nichts anderes mehr übrig, als sie in die Pläne einzuweihen: „Das geht nicht Mama, wir fahren nach der Taufe weiter ins Ettaler Rathaus und werden heiraten.“ Mutter Irmi behält das Geheimnis des freudigen Ereignisses erst einmal für sich. Inzwischen ist es schon 10.30 Uhr, die Gäste sitzen bereits in der Graswanger Kirche und warten auf den Protagonisten. Der kommt dann mit seinen beiden Eltern um 10.45 Uhr in der Kirche an, die glücklicherweise nur einen Steinwurf vom Hof entfernt ist, und die Taufe kann beginnen. Nach einem reibungslosen Ablauf bricht das zukünftige Brautpaar nun endgültig sein Schweigen und verkündet der ganzen Familie, dass es gleich noch einmal einen Grund zu feiern geben werde. „Denen ist dann erst mal allen das Gesicht heruntergefallen“, erzählt Leonhard Lutz grinsend.

Neuzugänge im Stall: Eigentlich hatte man mit einer Zwillingsgeburt gerechnet. Dann wurden es doch drei Kälber.

Um 12 Uhr geht es für Familie Lutz und Möck weiter ins Ettaler Rathaus, wo die beiden von Bürgermeisterin Vanessa Voit getraut werden. „Alle waren sehr gerührt“, berichtet Julia Lutz. Spätestens als dann noch zwei Familienmitglieder als Überraschung das Lied „Zam oid wean“ von den Trioola anstimmen, fließen auch mehrere Tränen. Zum gemeinsamen Mittagessen und Feiern geht es dann noch ins Klosterhotel, bevor sich die Familie und das frisch verheiratete Paar wieder auf den Weg ins heimische Graswang machen und den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen.

Überwältigt von dem ereignisreichen Tag fällt die Familie Lutz dann am frühen Abend erschöpft ins Bett. Sohn Paul schläft außergewöhnlich schnell ein. Kein Wunder nach diesem Tag. „Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die Kälber einen Tag früher oder später zur Welt gekommen wären“, sagt Julia Lutz schmunzelnd. „Von diesem Tag, da werden wir noch oft erzählen“, ist sich ihr Mann sicher. Die drei Kälbchen, die die Familie Lutz zwischenzeitlich ganz schön ins Schwitzen brachten, sind übrigens alle wohlauf.

Text: Tobias Schwanninger

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