Anzeige wegen Vergewaltigung, Beleidigung und Nötigung

Wirtshaus-Bedienung sexuell bedrängt: Stammgast gesteht vor Gericht

Es war eine Wirtshaus-Bekanntschaft. Doch der Mann (41) ging zu weit, die Frau zeigte ihn an. Jetzt musste er sich vor Gericht verantworten. 

Garmisch-Partenkirchen – Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung, Beleidigung und Nötigung: Schwere Vorwürfe wurden gegen einen 41-jährigen Ammertaler erhoben. Und nur weil er rückhaltlos geständig war und Schmerzensgeld zahlte, kam der verheiratete Mann im Urteil des Schöffengerichts Garmisch-Partenkirchen mit einer einjährigen Bewährungsstrafe sowie 2500 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer, eine 25-jährige Frau, davon. Überdies verlor er seinen Arbeitsplatz. Zum Glück jedoch hat er mittlerweile eine neue Stelle gefunden.

Laut Staatsanwalt Andreas Weber war der Sachverhalt typisch für eine Wirtshaus-Bekanntschaft: Die besagte Frau, die im gleichen Ort wie der Angeklagte wohnte, hatte in der Lieblingsgaststätte des Mannes, in der er fast täglich verkehrte, im März 2017 als Bedienung begonnen. Und weil er sie attraktiv fand, lud er sie zum Pizza-Essen ein, „zwecks besserem Kennenlernen“, wie er sich ihr gegenüber ausdrückte. Doch schon beim Heimfahren belästigte er sie auf einem verschwiegenen Parkplatz im Ammertal sexuell. Die Frau wehrte sich, verließ das Auto und ging trotz aller Bitten des 41-Jährigen zu Fuß weiter.

Dieser blieb auch weiterhin ihr Stammgast. Laut Anklage habe sie sich einen Monat später zum Geschlechtsverkehr hinreißen lassen. Besonders schlimm wurde es einen weiteren Monat danach, als sie ihn – warum auch immer – in seiner Wohnung besuchte, wo gerade seine Ehefrau im Nebenzimmer war und er dennoch Sex wollte. Obwohl er sie dazu nötigen wollte, lief die junge Frau aus dem Haus und musste sich, schon auf der Straße, von ihm eine Beleidigung anhören.

„Er hat die Grenze überschritten“

Damit immer noch nicht genug: Die Bedienung besuchte den Mann zwei Monate später in Abwesenheit seiner Ehefrau erneut in der Wohnung, weil sie laut Staatsanwalt eine Aussprache wollte. Doch er wollte nicht reden, sondern was anderes und warf die Besucherin aufs Bett. Er kniete auf ihr, eine Rangelei entstand, nur mit aller Kraft konnte die 25-Jährige schließlich das Weite suchen. Sie bekam erneut Beleidigungen zu hören.

Das war zuviel: Die Frau erstattete Anzeige. Wegen Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung, Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung saß der Ammertaler jetzt auf der Anklagebank im Schöffengericht des Kreisortes. Verteidiger Winfried Folda wies schon zu Beginn darauf hin, dass bei all den Taten seines Mandanten der Alkohol eine große Rolle gespielt habe. Und dass bereits ein Täter-Opfer-Ausgleichstermin stattgefunden habe, bei dem ein Schmerzensgeld in Höhe von 2500 Euro vereinbart wurde. Der Anwalt bat um ein Rechtsgespräch mit dem Richter und Staatsanwalt.

Das Ergebnis gab dann der Vorsitzende Richter Andreas Pfisterer alsbald bekannt: Einen Deal, der vorsieht, dass bei rückhaltlosem Geständnis für den nach wie vor verheirateten Angeklagten eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als einem Jahr verhängt wird. So geschah es schließlich auch: Der Ammertaler bestätigte die Anklage vollinhaltlich. Der Staatsanwalt wies darauf hin, dass einmal auch einvernehmlicher Geschlechtsverkehr stattgefunden habe, ehe er auch angesichts einer günstigen Sozialprognose eine für drei Jahre ausgesetzte einjährige Bewährungsstrafe samt Zahlung des Schmerzensgelds beantragte. „Er hat die Grenze überschritten“, sagte Verteidiger Folda, ehe das Gericht wie im Rechtsgespräch vereinbart urteilte.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: ©  dpa / Friso Gentsch

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