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Was passierte hinter den Klostermauern von Ettal? Pater G. steht am Donnerstag vor Gericht.

An vier Minderjährigen vergriffen?

Missbrauchs-Vorwürfe: Ettaler Pater kommt vor Gericht

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Ettal/München - Vor fünf Jahren wurde der Missbrauchsskandal im Kloster Ettal publik. Pater G. soll sich an vier Minderjährigen vergriffen haben. Ab Donnerstag muss er sich vor Gericht verantworten.

Der älteste Fall spielt im Jahr 2001, der jüngste vier Jahre später. Damals war Pater G. Religionslehrer und Präfekt in der Klosterschule Ettal (Kreis Garmisch-Partenkirchen), ein Vertrauensmann für die Schüler. Er soll dieses Vertrauen missbraucht und sich an vier Schülern vergangen haben. Wie nun feststeht, beginnt der Prozess gegen den Ordensmann am Donnerstag vor dem Landgericht München II.

Dabei handelt es sich um ein Verfahren mit symbolischem Wert. Es wird der Abschluss dieses dunklen Kapitels in der Geschichte des Benediktiner-Klosters sein, zumindest juristisch gesehen. Pater G. ist wohl der letzte, der sich verantworten muss. Zuvor gab es nur zwei Prozesse, sie endeten jeweils mit Bewährungsstrafen.

Für Thomas Pfister ist der kommende Donnerstag ein guter Tag. „Endlich werden die grausamen Geschichten vieler Schüler ernst genommen“, sagt der Anwalt. Er war zeitweise Sonderermittler im Ettal-Fall und hat erheblich zur Aufklärung des Skandals beigetragen.

Seinem Abschlussbericht zufolge sollen 15 Patres und weltliche Erzieher ihren Schülern körperliche Gewalt angetan oder sie sexuell missbraucht haben. Die Taten sollen sich zwischen 1960 und 1990 zugetragen haben. Viele Beschuldigte sind tot, einige Taten längst verjährt. Nicht die von Pater G.

Mutmaßliche Opfer waren noch keine 16 Jahre alt

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen ihn sind heftig. Der Geistliche soll sich an insgesamt vier seiner Schüler vergangen haben. Die Opfer waren zu den mutmaßlichen Tatzeitpunkten noch keine 16 Jahre alt. Zu den sexuellen Übergriffen soll es während gemeinsamer Unternehmungen gekommen sein.

Als Präfekt hatte Pater G. schließlich die Aufgabe, seine Schüler in ihrer Freizeit zu betreuen. Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts München zitierte vor einem Jahr frei aus der Anklageschrift, der Pater habe sich den Buben „mit sexueller Disposition genähert“.

Die Vorwürfe gegen den Benediktiner waren schon 2005 bekannt geworden und hatten zu seiner Versetzung in die sächsische Zweigstelle Wechselburg geführt. Vor knapp einem Jahr entschied die Jugendstrafkammer, das Hauptverfahren gegen ihn zu eröffnen. Dass es dennoch erst jetzt zum Prozess kommt, ist laut Pfister „völlig unüblich“.

Die Verzögerung dürfte aber unter anderem mit den Bemühungen des Verteidigers Rüdiger Deckers zu tun haben, die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen seinen Mandanten Pater G. zu verhindern. Zuerst zweifelte der Düsseldorfer Anwalt die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen und möglichen Opfers an und erwirkte ein Gutachten.

Insider halten einen Freispruch für nicht ausgeschlossen

Etwas später trieb er einen Entlastungszeugen, ebenfalls einen ehemaligen Ettaler Schüler, auf. Nach der Befragung soll Deckers allerdings dessen Glaubwürdigkeit in Frage gestellt haben. Das sagte zumindest eine Sprecherin des Oberlandesgerichts. Ob der Anwalt neue Zeugen aufgetan hat, ist unklar. Er war am Freitag nicht zu erreichen.

In der Vergangenheit hatte Deckers immer wieder Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Insider, die nicht zitiert werden wollen, halten das nicht für ausgeschlossen.

Pfister, der im Rahmen seiner Ermittlungen auch mit Pater G. sprach, will sich nicht zu einer Prognose versteigen. Nach fünf Jahren wirbelt das Verfahren aber einiges wieder auf. Der Münchner Robert Köhler, ehemaliger Ettal-Schüler und Vorsitzender des Opfervereins, sieht den Prozess „zwiegespalten“. Die Frage sei, ob er wirklich die ganze Wahrheit ans Licht bringe. „Ich bin da sehr vorsichtig mit meiner Erwartungshaltung.“

In jedem Fall wird der Prozess ein Schlussstrich sein, auch für die Klosterführung, die sich am Freitag nicht äußern wollte. Sowohl Köhler als auch Pfister loben aber ihre Bemühungen um Aufklärung. Wie es dem Angeklagten geht, war derweil nicht herauszubekommen. Er soll nach Informationen unserer Zeitung im Moment nicht im Kloster, sondern privat leben. Ab Donnerstag wird die Privatssphäre ein Ende haben.

Marcus Mäckler und Katharina Bromberger

 

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