Projekt in Schwaigen profitiert von EU-Förderprogramm

Kräftige Finanzspritze für Dorfladen

Schwaigen - Die Pläne sind ehrgeizig: Die Gemeinde Schwaigen will einen Dorfladen schaffen. Dafür fließen auch EU-Gelder. Das Projekt erhält 182000 Euro Zuschuss aus dem Leader-Förderprogramm.

Bettina Lang, Hubert Mangold und Martin Henk lächeln zufrieden. Entspannt sitzen sie auf ihren Stühlen, lehnen sich zurück und lauschen dem nächsten Vortrag. Aufregung und Nervosität sind verflogen. Kein Wunder. Haben die drei Vertreter der Gemeinde Schwaigen doch den unangenehmen Teil des Nachmittags bereits hinter sich gebracht. Und das mit großem Erfolg. Bei der Sitzung der lokalen Leader-Aktionsgruppe (LAG) im Garmisch-Partenkirchner Landratsamt überzeugten sie das Entscheidungsgremium vollends. Der Lohn: Ihr Vorhaben, ein Dorfladen in Grafenaschau, erhält eine finanzielle Förderung in Höhe von 182 000 Euro.

Eine gehörige Summe Geld. Sie entspricht rund 40 Prozent der förderfähigen Kosten von 465 000 Euro. Damit hilft die LAG, ein EU-Förderprogramm zur Stärkung des ländlichen Raums, Bürgermeister Mangold und seinen Mitstreitern erheblich. Für Lang ein essentieller Bestandteil zur Verwirklichung der Pläne. „Wir verdienen die Förderung und brauchen sie auch“, sagt die Grafenaschauerin. Sie leitet einen Arbeitskreis mit zwölf Leuten, der sich mit den kaufmännischen und rechtlichen Belangen der Projekt-Planung auseinandersetzt. Eine erste Hochrechnung bezüglich eines möglichen Jahresumsatzes des Dorfladens beziffert sie auf 375 000 Euro.

Doch nicht nur finanzielle Aspekte stehen für Lang im Vordergrund. Die 953 Einwohner der Gemeinde Schwaigen mussten sich bislang damit arrangieren, dass es für sie keine Einkaufsmöglichkeit in nächster Nähe gibt. Durch den Dorfladen sollen umständliche Fahrten zu den Supermärkten und Discountern nach Murnau oder Bad Kohlgrub der Vergangenheit angehören. Auch wenn sich dadurch das Einkaufsverhalten vieler Schwaigener grundlegend ändern müsse, wie Lang betont. Alte Gewohnheiten sollen aufgebrochen werden. Anstatt nach der Arbeit auf dem Heimweg einzukaufen, müsse man sich vor Augen führen, dass dies künftig auch in Grafenaschau möglich sei. „Ansonsten wird es nicht funktionieren.“

Preislich wird der Dorfladen mit der umliegenden Konkurrenz nicht mithalten können. Lang setzt auf Qualitätsdenken. „Die Geiz-ist-geil-Einstellung geht immer mehr zurück“, betont sie. „Junge Leute sind bereit, für entsprechende Ware in einem gewissen Rahmen Geld auszugeben.“ Dr. Martin Henk nickt. Der Diplom-Kaufmann will die Kunden mit einer regionalen, hochwertigen Produktauswahl gewinnen. „Der erste Eindruck wird entscheidend sein“, ist er sicher. Später könne man das Sortiment an die Nachfrage anpassen.

Doch mit dem Dorfladen alleine soll es nicht gewesen sein. Rathaus-Chef Mangold plant in dem Gebäude an der Aschauer Straße, das erst noch gebaut werden muss, zusätzlich eine Wohnung, ein Informations-Zentrum für Touristen und öffentliche Toiletten. Das Ziel: ein sozialer Treffpunkt. „Wir haben bei den Befragungen der Dorfbewohner eine große Sehnsucht danach wahrgenommen“, sagt Lang. Im Gespräch ist ein Bereich mit vier Tischen, an denen man zusammen etwa einen Kaffee trinken kann.

Lob erhält die Delegation aus Schwaigen von allen Seiten des LAG-Gremiums. Leader-Koordinator Ethelbert Babl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten ist begeistert: „Genau für solche Projekte existiert die LAG-Förderung. So etwas schweißt das Dorf zusammen.“ Rolf Beuting (ÖDP), Murnaus Bürgermeister, befürchtet keine negativen Folgen für den Einzelhandel in seiner Marktgemeinde. Die Menschen in Schwaigen bekämen endlich ein anlaufbares Zentrum – seiner Ansicht nach „ein rundum hervorragendes Projekt“.

Simon Nutzinger

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