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Regen andere Behandlungsformen an: die Mitstreiter der Initiative „Werdenfelser Weg“ (v. l.) Charlotte Uzarewicz, Dr. Thomas Wellenhofer, Claudia Stegmann-Schaffer, Josef Wassermann, Gesundheitsministerin Melanie Huml, Gabriele Meyer, Christoph Maier und Dr. Sebastian Kirsch.

Sind Medikamente immer nötig?

Die besseren Alternativen für pflegebedürftige Menschen

Garmisch-Partenkirchen - Es ist ein schwieriges Thema, das viele Fragen aufwirft. Doch die Initiative Werdenfelser Weg bietet Problemlösungen, wie man mit pflegebedürftigen Menschen umgeht. 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass pflegebedürftige Menschen manchmal medikamentös beruhigt werden. Rechtlich bewegt sich dies in einem Graubereich. Wie sollen Menschen, die sich und andere gefährden, behandelt werden? Sind Fixierungen oder Medikamente wirklich nötig?

Antworten darauf gab es bei der vierten Fachtagung an der Katholischen Stiftungshochschule in München. Diese hatte der „Werdenfelser Weg“ organisiert. Dr. Sebastian Kirsch, Richter am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen, und Josef Wassermann, Betreuungsstellenleiter am Landratsamt, gründeten diese Initiative. Ihr Credo: freiheitsentziehende Maßnahmen durch gute Alternativen vermeiden. Beispielsweise kann ein Bettgitter, das den Patienten vor dem Herausfallen schützen soll, ein beklemmendes Gefühl vermitteln. Abhilfe schaffen hier sogenannte Niederflurbetten. Diese können bis auf den Boden abgesenkt werden, sodass es keine gefährliche Sturzhöhe mehr gibt. Doch eine Patentlösung gebe es nicht, sagt Wassermann. Er und seine Mitstreiter versuchen, durch Schulungen, Vorträge und Hilfe vor Ort, Möglichkeiten anzubieten.

In diesem Sinne fand auch der Fachtag in München statt. Ziel war es, einen Dialog zum Thema medikamentöser Fixierung anzustoßen. Fast 400 Teilnehmer, darunter Professoren, Doktoren, Apotheker und Pfleger, waren anwesend sowie die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Zur Lösung der Probleme wurden drei Punkte vorgestellt. Zum ersten das „Ich will mich“-Projekt. Gerhard Ackermann vom Regenbogen Haus in Magdeburg gab ein praktisches Beispiel: In seiner Einrichtung leben Menschen mit einer Mehrfachbehinderung. Durch ein umfangreiches Angebot an Sport, Kunst, Musik und Theater konnte der Einsatz beruhigender Mittel reduziert werden. „Medikamente werden nicht überflüssig“, sagt Ackermann. Doch er hat beobachtet: „Patienten, die jahrelang mit Medikamenten ruhig gestellt werden, sind oft apathisch, desinteressiert und können sich meist nicht richtig artikulieren.“ Darum ist sein Motto: „So viel und so lange wie nötig, so wenig und so kurz wie möglich.“

Einen weiteren Lösungsvorschlag erläuterten Christoph Maier, Richter am Amtsgericht in Eggenfelden, und Dr. Wilfried Wernitz, Facharzt für Neurologie. Der Schlüssel liege in der besseren Kommunikation und Einbindung der Betreuer. Diese sind für ihre Pflegefälle verantwortlich, ähnlich wie Eltern für ihre Kinder. Jede ruhigstellende Maßnahme muss mit diesen erst abgesprochen werden.

In eine ähnliche Richtung geht der Vorschlag von Apotheker Dr. Thomas Wellenhofer aus Freilassing: Er legt nahe, seine Kollegen als weitere Sachverständige ins Boot zu holen. Externe Apotheken und deren Fachkenntnis könnten das Risiko für eine Falsch- oder Übermedikation minimieren.

Magnus Nähbauer

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