Neujahrsspringen

Fan-Fest in totaler Sicherheit

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Garmisch-Partenkirchen - Ausgelassene Stimmung, so viele Zuschauer wie selten: Das Neujahrsskispringen im Olympia-Stadion war aus Sicht des Veranstalters SC Partenkirchen ein voller Erfolg. Und auch die Polizei hatte keinen Grund zu klagen: In Zeiten des Terrors ist ihr Sicherheitskonzept zur Gänze aufgegangen.

Männer in martialischer Aufmachung - die kugelsichere Weste umgeschnallt, das Gewehr vor der Brust -, wie sie Silvesternacht am Münchner Hauptbahnhof und am Pasinger Bahnhof zu sehen waren, suchte man gestern rund ums Garmisch-Partenkirchner Olympia-Skistadion vergeblich. Die Befürchtungen einiger, die damit gerechnet hatten, dass die Terrorgefahr aus der Landeshauptstadt auch zum Neujahrsskispringen ins Werdenfelser Land schwappen würde, bestätigten sich nicht. Alles blieb ruhig. Die Polizei war präsent, hielt sich aber diskret im Hintergrund. „Wir waren mit Beamten der Landes-, Bereitschafts- und Bundespolizei sowie der Kripo vor Ort“, sagt Thomas Holzer. Über die genaue Stärke hüllte sich der Erste Polizeihauptkommissar - der Vize-Chef der Inspektion Garmisch-Partenkirchen leitete den Einsatz - in Schweigen. Nur soviel wollte er sagen: „Wir waren mehr als sonst.“

Die aktuelle Gefährdungslage hatte keine großen Auswirkungen mehr auf das Vorgehen der Polizei. Die ist seit den Anschlägen von Paris in höchstem Maße sensibilisiert. München sei in der Besprechung am Sonntagvormittag zwar Thema gewesen, doch habe man das Sicherheitskonzept laut Holzer nicht mehr verändert. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der vom VIP-Bereich aus das Springen ebenso verfolgte wie Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), durfte sich total sicher fühlen - und tat es auch. Sonst wäre er wohl nicht gekommen. Sehr zufrieden zeigte sich Michael Maurer, der Präsident des veranstaltenden SC Partenkirchen, dass das Sicherheitskonzept perfekt aufgegangen ist. Für ihn ein Ergebnis, der „täglichen Konferenzen“.

Bilder vom Neujahrsspringen in Partenkirchen

Die Zuschauer konnten ohne Angst das Springen genießen. Die Polizei hatte vor dem Öffnen der Stadiontore die Tribünen mit Hunden nach verstecktem Sprengstoff abgesucht. „Nichts Außergewöhnliches“, sagt Holzer. „Das ist mittlerweile in jedem Stadion Standard.“ Die Skisprungfans mussten zu ihrer eigenen Sicherheit vermehrt Kontrollen über sich ergehen lassen. Angestellte eines Sicherheitsunternehmens filzten Taschen und Rucksäcke.

Der Begeisterung tat das keinen Abbruch. Skispringen in Deutschland hat durch die Erfolge von Severin Freund und Co. wieder jenen Stellenwert erreicht, den es zu Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald besaß. Mehr noch. Das altehrwürdige Olympia-Stadion hat schon seit vielen Jahren nicht mehr einen derartigen Besucher-Boom erlebt. 25 500 Zuschauer - so lautet die offizielle Zahl - sahen den Sieg des Slowenen Peter Prevc. In den Jahren zuvor, als die deutschen Adler nur hinterhergeflogen waren, hatten die Verantwortlichen des SCP meist von 20 000 Fans gesprochen. Die sind für die Arena eigentlich auch nur zugelassen. „Wir haben uns mit dem Ordnungsamt darauf verständig, dass es diesmal mehr sein dürfen“, erklärt Maurer, seit 2015 auch Präsident der Vierschanzentournee.

Des Besucherandrangs zum Trotz: Ausgeblieben ist das häufig erlebte Chaos auf den Straßen. Der Verkehr floss völlig entspannt. Über die häufig überlastete Mittenwalder Straße rollten die Autos diesmal flüssig. Ein Ergebnis des neuen Verkehrskonzepts, das sich bestens bewährte. Die meisten Zuschauer kamen per Shuttle-Bus von den ausgewiesenen Parkflächen oder mit der Bahn ins Stadion. „Da muss man den Veranstalter loben“, sagt Polizei-Einsatztleiter Holzer. „Er hat ordentlich Geld in die Hand genommen, damit alles klappt.“

Holzers Einsatz endete am späten Nachmittag im Skistadion. Der der Polizei ging allerdings weiter: im Olympia-Eisstadion mit dem Spiel des SC Riessersee in der DEL2 gegen die Bietigheimer Steelers und anschließend mit dem Konzert der Band „Glasperlenspiel“. Für Ruhe und Ordnung sorgte diesmal aber nicht die Inspektion Garmisch-Partenkirchen, sondern der Einsatzzug aus Weilheim.

Peter Reinbold

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