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Am Standort scheiden sich die Geister: Die Initiatoren des Bürgerbegehrens wollen auf der Wiese an der Frickenstraße keinen Hotel-Neubau.

Termin für Bürgerentscheid steht noch nicht fest

462 Unterschriften gegen Hotel-Neubau in Farchant

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Zerstörung der Natur, Verschandelung des Dorfs und mehr Verkehr – das sind die Kritikpunkte der Farchanter Hotelgegner. 462 gültige Unterschriften haben sie gesammelt, um die Pläne an der Frickenstraße zu verhindern. Die Kriterien für einen Bürgerentscheid sind erfüllt. Das hat der Gemeinderat bestätigt.

Farchant – 20 000 Gäste, die im Schnitt 90 000 Nächte bleiben. Ihnen stehen gut 600 Betten zur Verfügung – in vier Hotels, in Ferienwohnungen und bei Privatvermietern. So der Ist-Zustand. Bislang setzt Farchant, das als „Das liebe Dorf“ vermarktet wird, auf Tourismus. „Davon hängt viel ab“, unterstreicht Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD). Deshalb unterstützt er auch die Pläne, östlich der Frickenstraße ein Explorer-Hotel zu bauen. Eines, das sportliche Gäste anzieht. Eines, das der Rathaus-Chef „einen Glücksfall“ nennt. Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Der Gemeinderat hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, den Bebaungsplan für das 1,83 Hektar große Gebiet, das der Immobilien Freistaat Bayern gehört, aufzustellen.

Genau dagegen richtet sich das Bürgerbegehren, das Berthold Zeltner, Achim Hofstädter und Michael Zellinger initiiert haben. 481 Unterschriften haben sie gesammelt – „an einem Tag“, wie Zeltner betont. Das sind mehr als bei den vorherigen Bürgerbegehren. Schon 2007 und 2009 hatten sich Farchanter gegen das Vorhaben gestellt, dass ein Hotel in ihrem Dorf errichtet wird. Damals ging’s um eine Luxus-Unterkunft – und zwar zunächst im Ried, dann im Kuhfluchtwäldchen. Keines dieser Projekte wurde realisiert. Und auch für den dritten Anlauf gibt es Gegenwind.

Weit mehr als die 301 erforderlichen Bürger – das entspricht zehn Prozent der Wahlberechtigten – unterzeichneten auf den Listen von Zeltner und seinen Mitstreitern. 19 hielten der Prüfung von Christian Hornsteiner nicht stand. „462 sind gültig“, erklärt der Geschäftsleitende Angestellte den Mitgliedern des Gemeinderats. Nachdem alle Voraussetzungen erfüllt sind, „ist der Bürgerentscheid zulässig“. Eine Feststellung, die der Gemeinderat bestätigt – einstimmig.

Die Sorgen der Unterzeichner, die von Zerstörung der Natur über eine Verschandelung des Orts bis zu noch mehr Verkehr im Dorf reichen, teilte aber keiner der Bürgervertreter. Vielmehr wurde massive Kritik am Vorgehen der Hotelgegner laut. „Der Flyer, den sie verteilt haben, zeichnet ein völlig schiefes Bild“, empörte sich Gerhard Portele (Freie Wähler). Das rote Kästchen, das die vermeintlichen Ausmaße zeigen soll, entspreche nicht der Realität. „Rechnet man das um, wäre der Baukörper 95 mal 23 Meter groß, tatsächlich sind’s 64 mal 16.“ Auch der Abstand zur Straße stimme nicht. „Hier wurde bewusst versucht, Meinungen zu beeinflussen. Das finde ich verwerflich und kann es so nicht akzeptieren.“

Was Portele überzeugt, sind die Zahlen, die die Explorer-Gruppe dem Ort bescheren will. 200 Betten sollen entstehen und 35 000 zusätzliche Übernachtungen bringen. Davon profitiere nicht nur die Gastronomie – im Hotel ist kein Restaurant vorgesehen –, sondern auch der Einzelhandel und das Handwerk, betonte Wohlketzetter. Dazu kommt Portele zufolge die bessere Auslastung von Skilift, Sportzentrum und Freibad. Einrichtungen, die auch den Farchantern dienen.

Das Konzept der Explorer-Gruppe, die Hotels in Oberstdorf, Nesselwang, Berchtesgaden, Montafon, Kitzbühel und ab Juli auch im Zillertal betreibt, gefällt auch Monika Ott (SPD). Zumal alles aus einer Hand kommt: „Investor und Betreiber sind eine Person“, sagte sie. Eine, „von der man nur Positives hört“.

Daran zweifelt Zeltner gar nicht. Auch nicht am Nutzen eines neuen Hotels. Was ihm und seinen Unterstützern widerstrebt, ist der Standort. Darin bestärkt sie Nathalie Fischer, Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Oberes Loisachtal. „Die Fläche weist gesetzlich geschützte Lebensraumtypen auf, die denen der angrenzenden biotopkartierten Flur entsprechen“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Und das alles „in einem der schönsten Gebiete des Landkreises. Ruhe und Erholungswert würden unwiederbringlich zerstört.“ Deshalb steht fest, dass die Ortsgruppe und der Kreisvorstand das Vorhaben ablehnen: „Farchant wäre sowohl vom dörflichen Charakter, als auch der einzigartigen Natur dafür prädestiniert, als Vorreiter für den sanften Tourismus in unserem Bereich zu fungieren.“

Auch Naturschützer lehnen Hotel-Pläne ab

Was Fischer und Zeltner zudem kritisieren, ist der massive Flächenverbrauch. Der Vertreter des Bürgerbegehrens spricht von 4500 Quadratmetern, die versiegelt werden sollen. Eine Zahl, der Wohlketzetter widerspricht: Gut 1000 sind es für das Hotel und etwa 700 für die Zufahrt. Von den 18 300 Quadratmetern an der Frickenstraße braucht Explorer insgesamt 4000 – inklusive Außenbereich und gepflastertem Parkplatz mit 55 Stellplätzen. Weitere 1000 Quadratmeter werden für eine alm-ähnliche Einkehr – „das dient der Direktvermarktung“ – und 2700 für Wohnbebauung genutzt. „Der Rest bleibt Grünfläche.“

In den kommenden Wochen haben nun beide Seiten Gelegenheit, die Bürger zu informieren. „Sachlich“, hofft Heidi Fleckenstein (SPD). Wann der Entscheid anberaumt wird, soll in der nächsten Sitzung geklärt werden. Die Initiatoren regen als Termin den Tag der Bundestagswahl (24. September) an.

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