Ein Hotel mit eine Holz-Schnidelfassade und grünen Elementen steht in der Sonne, davor parken Autos.
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Anderer Ort, gleiche Fassade: An neun Standorten gibt es bereits ein Explorer-Hotel, unter anderem in Berchtesgaden. In Farchant entsteht Nummer zehn mit der Explorer-Kombination grün und Holz.

Bürgermeister Hornsteiner: „Das Dorf ist gespalten“

Spatenstich für Explorer Hotel in Farchant: Am Ziel nach einem beschwerlichen Weg

196 Betten, 12,35 Millionen Euro: Das Explorer-Hotel in Farchant wird ein Großprojekt. Und es ist hoch umstritten. Am Mittwoch, 7. Juli, erfolgt der Spatenstich.

Farchant – Der Ärger wird erst einmal vergessen sein. Zumindest kurz, wenn die Männer und Frauen morgen mit dem Spaten anrücken. Ganz ausblenden aber wird keiner können, wie lange und steinig die Strecke war, wie viele Verzögerungen es gab bis zu diesem Moment: dem symbolischen Spatenstich für das Explorer-Hotel in Farchant. „Der Weg war beschwerlich“, sagt Christian Hornsteiner. Doch jetzt, zum Start der Bauarbeiten, steht für den Bürgermeister das Positive im Vordergrund: „Wir haben ein sehr großes Ziel erreicht. Das ist ein Meilenstein.“

Auch Katja Leveringhaus blickt dem Spatenstich an der Frickenstraße voller Vorfreude entgegen. „Wir wollen neue Gäste für Farchant begeistern“, sagt die Geschäftsführerin der Explorer Hotels Entwicklungs-GmbH. Offiziell wird das 196-Betten-Haus, für das die Hotelkette 12,35 Millionen Euro in die Hand nimmt, den Namen „Explorer-Hotel Garmisch“ tragen. Es ist das zehnte seiner Art in Deutschland.

Explorer-Hotel: „Klimaneutral“ sagen die einen, „Flächenversiegelung“ kritisieren die anderen

Ein Großprojekt entsteht in seinem Dorf, alles steht bereit. Doch natürlich vergisst der Bürgermeister nicht das jahrelange Hin und Her mit Bürgerentscheiden und Ratsbegehren. „Das Dorf ist gespalten“, sagt Hornsteiner. Doch hofft er, dass die Gräben weniger tief sind als vor ein paar Jahren. Mit den kritischen Fragen der Hotelgegner wird er sich weiterhin auseinandersetzen. Sobald die Bauarbeiten losgehen, werden die Kritiker wieder laut werden, Flächenversiegelung und die Umweltzerstörung werden auf den Tisch gebracht, der Lärm und der zunehmende Verkehr bemängelt. Leveringhaus hält entgegen: „Das Explorer Hotel ist klimaneutral, hat wenig Flächenverbrauch. Wir sind der Meinung, dass es mit seinem nachhaltigen und auf sportliche Gäste ausgerichteten Konzept gut zu Farchant und in die Region passt.“

Bürgermeister Christian Hornsteiner freut sich auf das Hotel.

Der Rathauschef blickt noch einmal zurück. Seit den 1990er Jahren gab es den Trend zu weniger Betten, Pensionen und Gastbetriebe mussten schließen. Das Hotel-Projekt verfolgt die Gemeinde seit Mitte der 2000er Jahre. Ende April 2004 gab es erstmals einen Aufstellungsbeschluss. Ein langwieriger Prozess folgte, bis das Baurecht vorlag. In einem Bürgerentscheid sprachen sich die Farchanter 2007 gegen ein Hotel aus. Zwei Jahre später scheiterte ein Ratsbegehren der Gemeinde für ein Hotel. „Damit war der Standort im Kuhfluchtwald für immer gestorben“, sagt Hornsteiner.

2016 die Anfrage der Explorer-Kette, 2017 der zweite Bürgerentscheid

Erst 2016 kam von Explorer die Anfrage bei der Gemeinde. Die Zugspitz Region vermittelte, Grundstücke an der Frickenstraße – rund 500 Meter nördlich des ersten angedachten Standorts – rückten in den Fokus. 2017 folgte ein weiterer Bürgerentscheid – für den Hotelbau. Zum krönenden Finale kam es 2019, als sowohl das Ratsbegehren „Nachhaltiger Tourismus für Farchant“ als auch der Bürgerentscheid „Rettet die Föhrenheide“ einen Sieg einfuhren. Die Stichfrage entschied – zugunsten des Explorer-Hotels, der Weg war endlich frei. Leveringhaus räumt ein, dass sich das Unternehmen intensiv mit dem Bürgerbegehren auseinandergesetzt habe. „Die große Zustimmung und Mehrheit im Gemeinderat hat uns dazu motiviert weiterzumachen.“

Farchant sei zwar nicht rein touristisch geprägt, fährt Hornsteiner fort, doch solle sich die Gemeinde in diesem Bereich doch weiterentwickeln. Nicht zu vergessen: Die Ansiedlung eines Hotels dieser Größenordnung spült ordentlich Geld in die Gemeindekasse. Durch Kur- und Fremdenverkehrsbeitrag sowie Gewerbesteuer erwartet der Bürgermeister 100 000 Euro im Jahr an Einnahmen. Darüber hinaus nimmt jeder Gast des Hotels Dienstleistungen im Ort in Anspruch, fährt mit der Bergbahn, besucht die Wirtshäuser. Ohnehin lässt Hornsteiner ein Argument der Hotelgegner nicht zählen: Das Hotel werde zur Konkurrenz für die örtliche Gastronomie. „Stimmt nicht. Das Explorer-Konzept hat keine Gastronomie, außer Frühstück und Snacks.“

Alexander Kraus

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