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Volles Haus: Die Farchanter Bürger bevölkern den Saal des Alten Wirts. Es muss sogar eine Trennwand entfernt werden, damit alle Interessierten Platz finden.

Bürgerversammlung in Farchant

Explorer-Hotel Fluch oder Segen?

Noch zehn Tage. Dann befinden die Farchanter bei einem Bürgerentscheid darüber, ob an der Frickenstraße in Fachant ein Explorer Hotel gebaut wird oder nicht. Gegner und Befürworter bekamen am Montagabend im Rahmen einer Bürgerversammlung nochmals die Gelegenheit, ihre Positionen darzulegen.

Farchant – Die Gegner des Fachanter Hotelprojekts haben keine Mühen gescheut. Sie fuhren sogar nach Nesselwang (Allgäu), um dort Stimmen einzuholen. Dort steht seit 2013 ein Explorer Hotel. Die Kritiker haben einen kleinen Film gedreht, der am Montagabend im Rahmen der Bürgerversammlung im Alten Wirt gezeigt wurde. Und – Überraschung – es kamen in dem Streifen fast ausschließlich Gegner zu Wort. Ein Nesselwanger Anwohner sagt: „Es ist ein massiver Klotz, der da in der Landschaft steht.“

Franz Erhart (CSU), der in der Allgäuer Marktgemeinde der Rathauschef ist, zeichnete hingegen ein anderes Bild, und zwar ein positives. „Wir hatten eine dramatische Talfahrt im Tourismus, wir haben schlagartig fünf Hotels verloren.“ Mit dem Explorer Hotel ging es anscheinend wieder aufwärts. Seit Fazit nach vier Jahren: Die Leute im Ort seien zufrieden. „Für uns passt es, ich würde es nicht mehr hergeben. Macht den Schritt“, riet er den Farchantern.

Diese waren sehr zahlreich erschienen, um sich im Vorfeld des Bürgerentscheids am Sonntag, 24. September, nochmals schlau zu machen. Es musste sogar eine Trennwand entfernt werden, damit alle Interessierten im Saal Platz fanden.

Nach einführenden Worten von Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) waren zunächst die Geschäftsführer der Explorer Hotels Jürnjakob Reisigl und Katja Leveringhaus an der Reihe. Ihre Herbergen bezeichnen sie als „trendige Basislager für sportliche Alpen-Entdecker“. Das Durchschnittsalter der Gäste liegt bei 41 Jahren. „Es ist nicht so, dass wir ein Jugendhaus wären“, betonte Leveringhaus. 365 Tage im Jahr soll das Hotel geöffnet sein und über 100 standardisierte Zimmer à 21 Quadratmeter verfügen. 

„Wir haben versucht, eine zeitgenössische Architektur zu entwickeln“, erklärte Reisigl. Die Allgäuer Explorer Hotels Entwicklungs GmbH wäre bei dem Bau an der Frickenstraße Eigentümer, Bauherr und Betreiber in einem. 25 Ganzjahresarbeitsplätze sollen entstehen. Es würden gerne Ortsansässige genommen, unterstrich Leveringhaus. Die Hotel-Infrastruktur wird ihr zufolge auf das Wesentliche reduziert. Die Gäste, so der Gedanke, sollen das vorhandene Angebot in der Region nutzen. Auch Tagungsräume sind in der Herberge vorgesehen.

Sodann trat Berthold Zeltner, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, ans Mikro. Er hegte den Verdacht, dass Farchant „in den Überlegungen der Explorer-Gruppe nur eine höchst untergeordnete Rolle“ spielen wird. Das Dorf „wird zum willkommenen Schlafsaal von Garmisch-Partenkirchen, nimmt dabei aber alle negativen Auswirkungen eines solchen Hotels in Kauf“. Außerdem füge es sich nicht in den Ort ein und „würde dadurch Farchant in seiner gewachsenen Struktur verändern und den dörflichen Charakter beeinträchtigen“.

Mit dem Slogan „Das liebe Dorf“ könnte man nach Zeltners Meinung dann nicht mehr werben. „Farchant würde austauschbarer.“ Zudem würde die Natur zerstört, „auch wenn das Grundstück mit einem Passivhaus bebaut wird“. Zeltner geißelte die „weitere Flächenversiegelung“ und die zwangsläufige Zunahme an Fahrzeugen. Bei den im Raum stehenden 230 oder 250 zusätzlichen Verkehrsbewegungen hat er „leise Zweifel“. Und überhaupt: „Farchant verfügt über ein gemeindeeigenes Hotel.“ Nämlich den Alten Wirt. Es müsse die Frage erlaubt sein, ob mit der Ansiedelung eines neuen Hotels die „schwierige Lage“ des Alten Wirts „nicht zementiert wird“.

Zu Beginn hatte Rathauschef Wohlketzetter die Vorgeschichte dargelegt. Er verwies auf den Rückgang der Betten und der Übernachtungszahlen. Während es 1997 noch 1200 Betten gab, sind es derzeit nur noch um die 700. Die Übernachtungen sanken von 133 000 im Jahr 1997 auf aktuell rund 90 000. Mit dem Hotel möchte die Gemeinde „langfristig neue Zielgruppen erschließen“. Vorhandene Strukturen wie Schwimmbad, Sportzentrum, Loipe et cetera sollen damit besser ausgelastet werden. Der Gemeinderat hatte einmütig beschlossen, für die Föhrenheide einen Bebauungsplan aufzustellen und damit das Hotel zu ermöglichen. 35 000 zusätzliche Übernachtungen soll es bringen. Wohlketzetter sieht in dem Projekt ein „Signal“ für die weitere Entwicklung des Tourismus im Dorf. „Es würde einen Ort töten, wenn jede Innovation verhindert wird.“

In der Diskussion meldete sich unter anderem Altbürgermeister Michael Lidl (CSU) zu Wort. Eigentlich hatte er vorgehabt, sich aus gemeindlichen Angelegenheiten herauszuhalten. Doch an dem Abend machte er eine Ausnahme. Die Argumente der Befürworter überzeugen ihn „bei weitem“, betonte der Ehrenbürger. Wolfi Hostmann griff ebenfalls zum Mikrophon. Seiner Ansicht nach würde das Explorer Hotel „das Ortsbild nicht verändern. Das liegt am Rand des Dorfes“. Doch es gab auch kritische Stimmen. Eine Bürgerin wollte wissen, wie das angestrebte Prädikat Luftkurort mit dem zunehmenden Autoverkehr vereinbar sei.

Roland Lory

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