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Symbolische Aktion: Rund 250 Menschen füttern das rot-blaue Sparschwein. 

Demo für VR-Bank und Kreissparkasse

„So geht‘s ned!“ - 250 Gemeindebürger gehen für ihre Bank-Filialen auf die Straße

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Sie geben nicht klein bei: Die Mitglieder der Initiative, die für den Erhalt der Bank-Filialen in Farchant kämpft, haben eine Demo auf die Beine gestellt. Rund 250 Menschen protestierten gegen die Pläne der Geldinstitute.

Farchant– Auf Heu gebettet im Leiterwagerl sitzt sie, die rot-blaue Riesensau. Direkt vor der Bühne am Farchanter „Gern“. Sie soll gefüttert werden – mit goldenen Talern. Buben und Mädchen verteilen die Nahrung an die Menschenmenge. Schnell füllt sich der Fresskorb. Das überdimensionale Sparschwein ist ein Symbol. Dafür, dass die VR-Bank Werdenfels und die Kreissparkasse vor Ort bleiben sollen.

Das Motto: „So geht‘s ned!“

Ein starkes Zeichen setzte die Initiative, die für den Erhalt der Filialen in Farchant kämpft, am Freitagnachmittag. Trotz Nieselregens versammelten sich gut 250 Menschen zur Demonstration unter dem Motto „So geht’s ned“, darunter Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler), Unterammergaus Bürgermeister Michael Gansler (FDU) sowie Garmisch-Partenkirchens Gemeinderäte Harald Helfrich (SPD) und Alexandra Roos-Teitscheid (parteifrei). Gleich zu Beginn wollte Rosi Schmid von der Initiative eines klarstellen: „Wir sind nicht gegen die Banken“, betonte sie. „Wir wollen aber, dass der Schalter besetzt ist.“

Genau das wird nach aktuellem Stand ab Sommer 2018 nicht mehr der Fall sein. Die Kreissparkasse schließt ihre Geschäftsstelle komplett, die VR-Bank stampft ihren persönlichen Service ein. Ein Verlust für die Kunden, ein Verlust für den Ort. Der neugestaltete Dorfplatz „wird aufblühen, es werden aber auch Blumen verwelken“, kommentierte Moderator Wolfi Hostmann fast schon philosophisch den Rückzug der Geldinstitute. Dass sein Dorf so schnell zu den betroffenen Gemeinden zählen würde, hätte Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) nicht gedacht. „Ich war der Meinung, dass Farchant eine längere Lebensdauer hat“, sagte er offen. „Da haben wir uns gewaltig getäuscht.“

Einfach akzeptieren können das die Einheimischen nicht. Wie schon mehrmals in der Vergangenheit (Hotel-Projekt, Dorfladen) gründeten die „besonderen Knospen“, wie sie Hostmann nannte, eine Initiative. Die Burgrainer, die inzwischen selbst auf einen Automaten verzichten müssen, unterstützen sie. „Bei uns haben wir’s vielleicht verschlafen“, sagte Roos-Teitscheid. In Farchant soll das nicht passieren. Der Druck wird aufrechterhalten, auch durch Unterschriftenlisten, die sich bei der Demo in Nullkommanichts füllten.

Vorreiterrolle in Bayern

Mit der Gründung der Initiative für den Erhalt der Banken nehmen die Farchanter eine Vorreiterrolle ein. Bayernweit. Zumindest ist Streibl nichts Vergleichbares bekannt. „Das ist ein Novum“, betonte er. Der Politiker wies dennoch auf den Druck von den europäischen Banken hin, dem die kommunalen ausgeliefert sind. Die Kreissparkasse beispielsweise sei von 68 Sparkassen die siebtkleinste. Heißt: Sie muss kämpfen, um sich über Wasser zu halten. Verstehen die Betroffenen, nur zur Art und Weise sagen sie: „So geht’s ned.“ 

Demo zum Erhalt der Bank-Filialen: Die Bilder aus Farchant

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