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Beliebter Treffpunkt der evangelischen Christen: die Markuskirche im Zentrum Farchants.

Katholiken helfen evangelischen Christen bei Vorhaben

Das ist Deutschlands wohl einzige Feuerwehr-Kirche 

Aus Gerätehaus wird Gotteshaus: Vor 25 Jahren wurde die Markuskirche für evangelische Christen in Farchant eingeweiht. Ihre Entstehung ist von Besonderheiten geprägt.

Farchant– Klein, fein, vor allem aber ungewöhnlich – so kann man die Evangelisch-Lutherische Markuskirche in Farchant beschreiben. 90 Christen finden in dem Raum mit der Wohnzimmer-Atmosphäre und einer eingebauten Empore Platz. Vor 25 Jahren, am 6. März 1993, wurde das Kirchlein vom damaligen Regionalbischof Oberkirchenrat Dr. Martin Bogdahn eingeweiht. „Dieses Gotteshaus in Farchant ist etwas ganz Besonderes“, sagte er beim Festgottesdienst. Es ist die wohl einzige Feuerwehrkirche Deutschlands.

Ein Bild aus alten Tagen: Früher stellte die Feuerwehr zwei Löschfahrzeuge in dem Gebäude unter. 

Zimmerpflanzen stehen auf den Fensterbrettern, Osterglocken zieren den Holzaltar, die Sonne dringt durch die bunten Glasfenster. Im ehemaligen Spritzenhaus mitten im Ortszentrum, wo einst zwei Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr ihren Platz hatten, feiern seit zweieinhalb Jahrzehnten evangelische Christen ihre Gottesdienste und treffen sich zu geselligen, auch ökumenischen Veranstaltungen. Die Mesnerdienste übernehmen sie dabei selbst. „Dem großen Engagement von unserem damaligen, viel zu früh verstorbenen Pfarrer Joachim Cunradi haben wir das alles zu verdanken“, sagt Margarethe Baier heute. „Seit dem Frühjahr 1993 müssen wir uns sonntags nicht mehr in der öffentlichen Gemeindebücherei zum Gottesdienst treffen – wir haben unsere eigene Kirche.“

Gemeindebücherei hat ausgedient

Die Farchanterin und langjährige Kirchenvorsteherin ist Zeitzeugin der Geschehnisse vor 25 Jahren. „Gelungen ist das Projekt, weil die Ökumene funktionierte, uns der katholische Pfarrer Anton Schwaiger ebenso wie Bürgermeister Michael Lidl und sein Gemeinderat unterstützten“, ergänzt Erna Gengenbach, die damalige Vertrauensfrau des Kirchenvorstands. Sie hat in einem Album alles sorgfältig dokumentiert.

Die Idee der Kirche kam auf, als die Gemeinde 1987 beschloss, ein neues Feuerwehrgerätehaus zu bauen. Was sollte mit dem alten, kleinen Gebäude mitten im Ortszentrum passieren? Das ursprüngliche Vorhaben, dort ein Fremdenverkehrsamt einzurichten, wurde im Rathaus schnell verworfen. Warum also nicht dem Antrag stattgeben und ein eigenes Kirchlein für die damals 600 evangelischen Gläubigen daraus entstehen lassen? 1989 beschloss der Gemeinderat, das Gebäude an die Kirchengemeinde Partenkirchen, zu der die Sprengel Burgrain, Farchant und Oberau gehören, zu verpachten. „Mir ist noch nie eine so schwerwiegende Entscheidung so leicht gefallen“, sagte Lidl bei der Einweihungsfeier. Farchant ist damit wohl die einzige Gemeinde weit und breit, die eine eigene Kirche besitzt.

Kirche aus fünf verschiedenen Mauern

Die anfängliche Freude über die Aussicht auf ein eigenes Gotteshaus wich allerdings schnell der Tatsache, dass das Gerätehaus bis auf die Grundmauern saniert und für die Glocken ein extra Turm errichtet werden musste. „Anfangs dachten wir, dass das Gebäude nur ein bisschen umgebaut und geweißelt werden müsse. Ein Dachaufbau für die Glocken und fertig“, erinnert sich Gengenbach. Weit gefehlt, denn das Häuschen besaß gar keine Grundmauern. Die musste man erst einziehen, die Westwand stürzte bei den Arbeiten sogar zusammen.

Am Ende hatte die Kirche ein Kuriosum mehr: fünf verschiedene Mauern. Kein Wunder, dass die veranschlagten Kosten von 160 000 auf 500 000 D-Mark in die Höhe schnellten. „Probleme sind dazu da, dass man sie löst“, meinte Pfarrer Cunradi damals.

Mit Architekt Jürgen Kirchgessner an seiner Seite gelang ihm das schier Unmögliche. Ein Schachzug des Architekten war dabei der Einbau einer Empore, wo auch das Harmonium seinen Platz fand. Bei der Finanzierung zeigte sich nicht nur die evangelische Landeskirche großzügig, auch die Gemeinde Farchant unterstützte das Vorhaben. Besonders segensreich erwies sich die ökumenische Zusammenarbeit. Pfarrer Schwaiger und die katholische Gemeinde veranstalteten ein Benefizkonzert und halfen bei der Organisation eines großen Flohmarkts. 10 000 D-Mark kamen zusammen. 

Die beiden Glocken läuten nur zu liturgischen Zwecken. Die beiden bunten Kirchenfenster, geschaffen von dem Künstler Gerd Jähnke, zeigen Szenen aus dem Markusevangelium. Gespendet wurden sie von St. Andreas. Gemeinsam ist man stolz auf das Farchanter sakrale Kleinod, das vor allem in den Sommermonaten auch von Touristen gern aufgesucht wird.


Margot Schäfer

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