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Ausgezeichnete Mannschaft: Peter Böhmer (Mitte) präsentiert mit seinem Helferteam stolz die Dorfladen-Auszeichnung, die die Farchanter in Berlin bei der Grünen Woche erhalten haben. foto: bundesverband

Auszeichnung auf der Grünen Woche in Berlin

Dorfladen Farchant ist Dorfladen des Jahres

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Der Dorfladen Farchant ist „Dorfladen des Jahres“. Die Auszeichnung gab es von einem Branchenverband bei der Grünen Woche in Berlin. Gewürdigt wurde das regionale Konzept der Werdenfelser.

Farchant– Peter Böhmer hat es jetzt schwarz auf weiß auf einer Ehrentafel aus Acrylglas. Diese brachte der Geschäftsführer des Farchanter Dorfladens aus Berlin mit: Bei der Internationalen Grünen Woche wurden die Werdenfelser zum „Dorfladen des Jahres“ in der Kategorie „Große Dörfer“ gekürt. Die Auszeichnung verlieh die Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden zum siebten Mal. Damit blieb der Titel in Oberbayern: 2018 war der Preis nach Gelting gegangen.

Böhmer freut sich natürlich über den Preis: Damit sehe man die eigene Philosophie bestätigt, teilte er mit. „Wir sind kein Träumer-Verein, sondern bestehen im Markt, sind innovativ, schaffen Arbeitsplätze und unterstützen die Idee der Regionalvermarktung konsequent.“

Das Farchanter Ladenprojekt war 2013 gestartet worden. Hintergrund war damals, dass es im 3600 Einwohner zählenden Ort keine Nahversorgung mehr gab. Der 130 Quadratmeter große Laden wurde zum Erfolgsmodell, das mittlerweile Nachahmer im Landkreis fand. In Bad Bayersoien stemmten Bürger einen Laden in Eigenregie, im Januar 2017 öffnete das 70 Quadratmeter große Geschäft an der Dorfstraße seine Türen. Im August vergangenen Jahres nahm der Dorfladen in Grafenaschau seinen Betrieb auf. Für rund 1,3 Millionen Euro stellte die Gemeinde Schwaigen-Grafenaschau dafür sogar einen Neubau hin.

In Farchant zogen die Verantwortlichen um Initiator Böhmer 2018 zum fünfjährigen Bestehen eine positive Bilanz (wir berichteten). 14 haupt- und nebenberufliche Mitarbeiter zählt der Dorfladen. Der Umsatz lag 2017 bei immerhin 704 000 Euro, für 2018 peilte der Geschäftsführer ein Überschreiten der 800 000-Euro-Grenze an. Die Bilanz wird im Juni bei der Versammlung präsentiert. Das Projekt zeige, „dass auch kleine Läden für die Dorfgemeinschaft wertvoll sind und ihre Daseinsberechtigung haben“, betont Böhmer. „Gerade in einer Zeit, in der durch immer größere Lebensmittelkonzerne die Herkunft beziehungsweise Zusammensetzung der angebotenen Lebensmittel vom Verbraucher oft nicht mehr nachvollzogen werden kann.“ Deshalb setzen die Farchanter auf regionale Produkte und einen sozialen Treffpunkt, was mit dem Preis gewürdigt wurde. „Durch den persönlichen Umgang mit Kunden und Lieferanten und ein hohes Maß an Frische und Regionalität grenzen die Farchanter sich von ihren Wettbewerbern ab“, begründet denn auch der Branchenverband seine Wahl.

Mittlerweile machen im Farchanter Laden Produkte aus einem Umkreis von 100 Kilometern immerhin 75 Prozent des Umsatzes aus, heißt es. „Damit vermeiden wir nicht nur lange und unnötige Transportwege, sondern unterstützen vor allem unsere heimischen Produzenten, die wiederum Arbeitsplätze im Ort halten und neu schaffen können“, ist Böhmer überzeugt. Im Laden findet sich eine breite Palette für den täglichen Einkauf – von Haushaltswaren und Zahnpasta über Fleisch, Wurst, Käse, Backwaren, Obst und Gemüse bis zu Geschenkartikeln. Die Nahversorgung komplettiert die Küche, aus der täglich frische Menüs kommen.

Bei der Prämierung auf der „LandSchau-Bühne“ der Berliner Ernährungsmesse bezeichnete Günter Lühning, Vorsitzender der Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden, den Preisträger aus dem Werdenfelser Land gar als „Gallier“ unter den bundesweit fast 300 Bürger-Läden dieser Art. „15 Supermärkte und Discounter im Fünf-Kilometer-Umkreis tummeln sich um den Farchanter Dorfladen.“ Trotzdem sei es dem engagierten Team gelungen, das Projekt, das am Gemeinwohl orientiert ist, „erfolgreich bei den Kunden zu etablieren“. Für Lühning ist das Geschäft an der Bahnhofstraße gar „eine besondere Perle innerhalb der bundesweiten Dorfladen-Familie“.

Böhmer und seine Mannschaft heimsten nicht die erste Auszeichnung ein. 2015 gab es eine Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme am Projekt „Information – Innovation – Coaching – Erfolg“ des Dorfladennetzwerkes durch das Bayerische Wirtschaftsministerium. 2016 wurden die „herausragenden Leistungen“ bei einem Seminar an der Schule der Dorf- und Landentwicklung in Thierhaupten honoriert. " BAYERN

Der Jahresumsatz überschritt 2017
schon die 700 000-Euro-Marke

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