Bunte Vielfalt: Zwischen Rathaus und Kirche werden verschiedene Baumarten gepflanzt.
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Bunte Vielfalt: Zwischen Rathaus und Kirche werden verschiedene Baumarten gepflanzt. grafik: Plankreis/mas

Gestaltung rund um den Rathausplatz

Bunte Vielfalt an Bäumen: Gemeinde trifft Entscheidung für Generationen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Welcher Baum soll an welchem Standort stehen? Mit dieser Frage hatte sich der Gemeinderat Farchant zu beschäftigen. Die Beratung fiel intensiv aus.

Farchant – In Biergärten gehört sie dazu wie das Helle und die Brezn. Inmitten der Sitzplätze streckt sich in der Regel eine Kastanie in die Höhe. Ein typisch bayerischer Baum, meinen viele. Ein Irrtum, erklärte Michael Heintz. Die Römer brachten sie mit. „Und wir haben sie eingemeindet.“ Trotzdem gehörte der Baum zu den Kandidaten für den Farchanter Rathausplatz. Das Rennen machte am Ende aber ein anderer Riese.

Für Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) war die Zeit reif für die Diskussion um die Bepflanzung im Bereich zwischen dem Anwesen Am Gern 1a und der Pfarrkirche. Die Arbeiten im Rahmen des Städtebauprogramms schreiten voran. Zügiger als geplant. „Die Baustelle verändert sich täglich.“

Klimawandel muss berücksichtigt werden

Nicht zum ersten Mal beschäftigte sich der Gemeinderat mit Bäumen. Schon für die Gestaltung der Bahnhofstraße stand das Gremium –damals noch anders besetzt –vor der Qual der Wahl. Doch jetzt war das Thema mit noch mehr Bedacht anzupacken. „Es geht ums Herzstück“, betonte Experte Heintz vom beauftragten Büro „Plankreis“ in München.

Ein fertiges Konzept lieferte er nicht. Mit Absicht. „Es gibt nicht für jede Situation den einen perfekten Baum.“ Stattdessen nannte Heintz seine Favoriten und entsprechende Alternativen dazu. Während der Rathauschef gerne eine konsequente Linie mit heimischen Arten verfolgt hätte, stellte der Planer auch fremdere Gewächse vor. Des Klimawandels wegen. „Es wird wärmer und trockener.“

Gesamtkonzept einstimmig verabschiedet

Hornsteiner legte Wert auf eine intensive Diskussion. Schließlich prägen die neuen Bäume im schlechtesten Fall 50, im besten Fall 300 Jahre das Erscheinungsbild im Zentrum des Ortes. „Das ist eine Entscheidung für die nächsten Generationen“, stellte der Bürgermeister unmissverständlich klar. Etwa 1,5 Stunden debattierten die Gemeinderäte, welche Baumart an welchem Standort geeignet sei. Nicht immer waren sie sich einig, das Gesamtkonzept aber verabschiedeten sie einstimmig.

Die wichtigste Stelle war schnell ausgemacht: der Rathausplatz. Dort soll ein großer Blickfang die ältere der beiden Eschen ersetzen. „Am schönsten wäre eine Linde“, meinte Heintz. Konkret eine Winterlinde. Der Haken: Sie sondert Honigtau ab. Stehen Bänke unter dem Baum, klebt der Schmutz drauf. „Das sieht unappetitlich aus.“ Sein Plan B: eine Ungarische Silberlinde, die bei etwa gleicher Höhe von 20 bis 25 Metern sogar noch etwas heller wirkt. „Bauchweh“ dagegen plagte ihn bei der Ross-Kastanie. Sie wird gerne von der Miniermotte befallen. Das Gremium entschied sich nicht nur gegen diese Alternative, sondern auch gegen die Platane und den Tulpenbaum. Der ungarische Linden-Vertreter kam zum Zug.

Ausschreibung wird vorbereitet

Unterschiedliche Meinungen vertraten die Politiker dagegen bei der angrenzenden Grünfläche. Jeder Vorschlag – Winterlinde, Platane, Tulpenbaum, Weiße Kastanie – fiel im ersten Anlauf durch. Im zweiten setzte sich die Kastanie durch. Den Rathausplatz umranden werden Felsenbirnen, eine Rote Kastanie soll am Ende der Kastanienallee wachsen, hinter dem Brunnen zwei Vogelkirschen. Die Straßen zieren künftig zwei Spitzahorn, eine Mehlbeere sowie eine Föhre. Um letztere kämpfte Anton Klöck (CSU). Er wünschte sich einen Nadelbaum. „Sonst ist im Herbst alles kahl.“ Im Bauerngarten lässt die Gemeinde einen Zwetschgenbaum setzen. Mit deutlicher Mehrheit (14:2) beschloss der Gemeinderat zudem bei der Wechselbepflanzung an der Grünfläche eine ovale Form, die laut Heintz die Straßenbreite optisch verkleinert.

Als nächsten Schritt bereitet die Rathausverwaltung die Ausschreibung vor. Mit vier Bäumen mehr als in der Sitzung besprochen. „Damit sind wir abgedeckt für die Arbeiten in 2021“, erklärte Hornsteiner. Sonst müsste die Gemeinde erneut ausschreiben. Welche Arten es dann sein sollen, darüber muss sich das Gremium aber wieder unterhalten.

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