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Heimat für zwei Wochen : Stephan Mayer in seinem Wohncontainer auf dem Parkplatz an der Föhrenheide.

Zehnfacher Ultra-Triathlon – für den Kopf und die Bergwacht

Stephan Mayers Mega-Projekt: 38 Kilometer Schwimmen, 1800 Kilometer Radfahren, 422 Kilometer Laufen

Stephan Mayer gibt‘s zu: „Wir haben alle einen Vogel.“ Den nutzt der Ultrasportler für den guten Zweck. Zu Gunsten der Bergwacht Oberau startet er am Samstag einen zehnfachen Ultra-Triathlon. 38 Kilometer schwimmt er im Warmfreibad. 1800 Kilometer radelt er zwischen Farchant und Oberau. 422 Kilometer läuft er auf der Kuhfluchtrunde. 

Farchant – Stephan Mayer hat in 350 Stunden das vor, was manch anderer Farchanter vielleicht in 350 Tagen oder 35 Jahren schafft: 760 Bahnen im Warmfreibad schwimmen, 200-mal nach Oberau und zurück radeln, 206-mal die Kuhfluchtrunde laufen. Mayer muss bei dem Vergleich lachen. „Ich bin einfach nur ein bisschen effizienter“, sagt er.

Mensch und Maschine: In den kommenden zwei Wochen wird beides voll funktionieren müssen.

Effizient, pragmatisch und neugierig – so könnte man den Farchanter, der mittlerweile mit seiner Frau in Dießen am Ammersee lebt, grundsätzlich beschreiben. Neugierig, wie weit man seinen Körper mit dem Kopf kriegt. Effizient und pragmatisch, was die Planung und Umsetzung seiner sportlichen Ziele angeht. Mayer wollte nach etlichen Ultra-Triathlons endlich wissen, ob er die zehnfache Distanz schafft. „Wir Ultrasportler haben alle ein bisschen einen Vogel“, räumt er ein. Es gehe nicht wie bei den kurzen Distanzen um schneller, höher, weiter, sondern darum, wie weit es klappt, ohne den Körper zu schädigen. Die Athleten seien weniger Wettkämpfer, sondern wie eine Familie, die gemeinsam Extremsport treibt.

Mega-Projekt mit Start zu Hause in der Heimat Farchant

Gern hätte Mayer sein Monsterprojekt innerhalb dieser Familie gestartet. Aber sämtliche Rennen finden dann statt, wenn er als Rettungssanitäter Dienst schieben muss. Also beschloss er, das Abenteuer allein anzugehen. Hinzu kommt, dass der ehrenamtliche Bergretter mit seinem Mega-Rennen Spenden für die Bergwacht Oberau sammeln möchte: „Was liegt also näher, als daheim zu starten?“

So baut er in diesen Tagen sein Camp im Sportzentrum an der Föhrenheide auf. Die Gemeinden Farchant und Oberau stellen die Infrastruktur, Bergwacht Oberau und Wasserwacht Dießen schauen auf Material und Körper. Seine Frau Dagmar, Freunde und Bekannte bekochen, begleiten und motivieren ihn. Gekocht wird normal, „denn wenn ich mich von Gels ernähren müsste, würd’ ich mich nicht mal mehr auf die Pausen freuen“, sagt der Ausdauerathlet, der Grillfleisch liebt. Dass die Essensbilanz stimmt, überwacht seine Frau. Sie ist generell Mayers größte Stütze. „Ohne sie würde es nicht gehen.“ Sie kenne ihn schon besser als er sich selbst. „Sie erkennt oft, wenn ich zwar noch weitermachen kann, aber nicht mehr will.“ Dann gibt’s eine extra Portion Motivation.

„Kurze Wettkämpfe sind mir zu hektisch“

Der Kopf ist auf den extremen Distanzen der entscheidende Faktor: Er muss Antrieb, aber auch Bremse sein. Denn, wenn man einmal überpowert hat und die Batterie leer ist, bekommt man sie nie mehr geladen. „Es langsam anzugehen, fällt mir aber nicht schwer“, sagt Mayer und lacht. „Ich bin ja eh nicht schnell.“ Daher kam der ambitionierte Hobby-Bergsportler auch zu den Ultradistanzen im Triathlon. „Kurze Wettkämpfe sind mir zu hektisch, dafür kann ich ewig so dahintuckern.“

Tuckern ist leicht gesagt. Laut offiziellem Reglement des Weltverbandes IUTA, dem sich Mayer bei seinem Rennen voll unterwirft, darf er für die komplett vermessene Strecke nur 350 Stunden oder 14,5 Tage brauchen. Um das zu schaffen, bedarf es nicht nur Ausdauer, sondern auch simpler Rechenkunst. Das Schwimmen – für ihn die größte Plagerei – sollte in 24 Stunden erledigt sein. Dann folgt eine knappe Woche Radfahren mit 350 bis 400 Kilometern am Tag. Schließlich bleibt eine Woche mit 70 Kilometern Laufen täglich. Um möglichst effizient zu sein, hat sich Mayer einen fixen Tagesplan zurechtgelegt: von Mitternacht bis 6 Uhr wird geschlafen, ab spätestens 8 Uhr muss der Sportmodus laufen, zu Mittag gibt es eine Stunde Pause zum Materialcheck, und am Abend ab zirka 22 Uhr heißt es, mit Massage runterzukommen.

Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 27 km/h

Klingt fast so, als könne nichts dazwischen kommen. „Das Wetter ist ein kritischer Faktor“, betont Mayer. Große Hitze oder zu lang anhaltende Gewitter würden ihn zur Umplanung zwingen. Ferner sei er beim Radfahren auf die Rücksicht der anderen angewiesen. „Ich brauche eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 27 Kilometern pro Stunde. Je weniger oft ich bremsen oder wieder antreten muss, desto leichter schaffe ich das.“ Wer also in den kommenden 14 Tagen Mayer zwischen Farchant und Oberau begegnet, solle rechtzeitig ausweichen. Auch gut gemeintes Windschattengeben muss unterbleiben, das ist laut Verband verboten. Der Wettkampf soll korrekt und nach den Regeln ablaufen. Damit es am Ende nicht nur eine große Plagerei war, sondern auch richtiger Deca-Ultra-Triathlon.

Kathrin Schneitberger


Die Fakten

Deca-Ultra-Triathlon: Ein Deca-Ultra-Triathlon geht über die zehnfache Ironman-Distanz: Für Mayer stehen 38 Kilometer Schwimmen, 1800 Kilometer Radfahren und 422 Kilometer laufen an.

Zeitfenster: Stephan Mayer startet am morgigen Samstag um 12 Uhr im Warmfreibad Farchant. Er hat bis Samstag, 7. Juli, 12 Uhr Zeit. Am Ende bleibt ihm so theoretisch ein kleiner Puffer.

Strecken Schwimmen: Warmfreibad Farchant am 23. und 24. Juni. Radstrecke: Weg zwischen Föhrenheide Farchant und Kläranlage Oberau; von 24. bis zirka 29. Juni. Laufstrecke: Kuhfluchtrunde vom Sportzentrum über den Waldfestplatz bis zur ersten Brücke und zurück zum Sportzentrum; von 29. Juni bis 7. Juli.

Zuschauen: Wer Mayer sehen, anfeuern oder begleiten will, ist dazu jederzeit eingeladen. Genaue Informationen gibt es im Basecamp am Farchanter Sportzentrum (Parkplatz).

Benefizaktion: Am Basecamp in Farchant gibt es ein Sparschwein. Gerne kann auch direkt auf das Konto der Bergwacht Oberau (IBAN: DE22 7035 0000 0000 0549 73) überwiesen werden. Auf Wunsch werden Quittungen ausgestellt. Für größere Spenden (ab 500 Euro) bietet Mayer Vorträge zu mentaler Stärke an.

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