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Geschickter Baumfäller: Der Biberbestand weitet sich im südlichen Landkreis aus.

Keine Narrenfreiheit für das Tier

Loisach-Ufer verwüstet: Biber wütet in Farchant - zuständige Behörde trifft klare Aussage

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Das Loisach-Ufer bei Farchant sieht momentan aus, als sei eine Tsunamiwelle darüber gerollt. Zahlreiche Bäume liegen gefällt am Boden. Doch keine Welle war am Werk – sondern lediglich eine Biberfamilie, die sich nach dem Winter Futter besorgt hat. 

Fleißig geholzt hat eine Biberfamilie am Loisachufer bei Farchant. Da hier kein Nutzwald betroffen ist, gibt es keine wirtschaftlichen Schäden. Nur den Hochwasserschutz-Anlagen darf er nicht zu nahe kommen.

Farchant – Warum fällt der Biber eigentlich Bäume? Sogar Experten rätseln heute noch über diese Frage. Auch die Biberbeauftragte des Landkreis Garmisch-Partenkirchen, Daniëlle Sijbranda. Ob zur Nahrungsbeschaffung, für seine Behausung oder lediglich um den Wasserpegel zu erhöhen. Hundertprozentig kann das laut der gebürtigen Niederländerin keiner sagen. Das Holzen hatte für den bayerischen Ureinwohner früher auch kein Konfliktpotenzial: Er hatte ziemlich freie Hand, konnte bauen, stauen und Nahrung suchen, wo und wie er wollte. Heute ist nahezu jedes Fleckchen Land im Landkreis im Besitz des Menschen. Das Problem: Biber halten sich auch heute nicht an Grundstücksgrenzen und gestalten ihren Lebensraum weiterhin nach ihrem Geschmack.

Sijbranda ist immer wieder verblüfft, wenn sie Bilder sieht wie jene, die sich kürzlich am Loisachufer nahe Farchant boten. Das Foto zeigt zahlreiche Bäume, die am Fluss liegen. Auch wenn die Arbeit des Bibers hier spektakulär aussieht, hat sie keinen großen Schaden mit sich gebracht. „Es handelt sich um Weichhölzer, die er da gefällt hat“, meint Sijbranda. Erlen und Weiden. Bäume, die relativ schnell wieder nachwachsen. Der strenggeschützte Nager würde hier für eine natürliche Verjüngung sorgen. Futter nach dem Winter, meint Sijbranda. Der Biber frisst die Rinde. Probleme wurden ihr noch keine gemeldet.

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Jetzt soll sich der Biber erst einmal satt fressen

Auch bei Farchants Bürgermeister Martin Wohlketzetter sind noch keine Beschwerden eingegangen. Dass es dem Biber auf Farchanter Flur genauso gut schmeckt wie im nördlichen Landkreis, weiß er schon länger. „Aber es hat noch lange keine Ausmaße wie am Staffelsee.“ Dort sorgt der Kohldampf des Nagers bekanntlich für Streitereien. Jetzt breitet er sich im südlichen Landkreis aus. Landwirtschaftliche Flächen wurden noch nicht geflutet in Farchant, auch wenn das Tier bereits im nahegelegenen Ronetsbach gesehen wurde. „Da bräuchte es schon viele Biber, bis der breite Fluss sich staut“, sagt Wohlketzetter.

Verantwortlich für das Gewässer und das Ufer ist das Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA). Amtsleiter Roland Kriegsch bestätigt, dass der Nager immer weiter in den südlichen Landkreis vordringt. Grund zur Sorge gibt es aber noch keine, meint er. Die bisherigen Schäden an den Weichbäumen, die sich mittlerweile an der Loisach durch den gesamten Landkreis ziehen, sind verschwindend gering. „Es ist keine Nutzfläche betroffen, somit gibt es auch keinen wirtschaftlichen Schaden“, erklärt Kriegsch.

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Narrenfreiheit genießt der Biber dennoch keine: Das WWA befindet sich momentan im Gespräch mit der Unteren Naturschutz-Behörde (UNB). Denn sollte der Biber seine Holzfällarbeiten in der Nähe von Hochwasserschutz-Anlagen nachgehen, muss gehandelt werden. „Wir können es uns nicht erlauben, dass der Biber in diesen Bereichen ansässig wird.“ Schließlich geht es dann um Leib und Leben. Der Nager könnte durch gefällte Bäume die Anlagen verstopfen und die Schutzfunktion einschränken. „Das ist aber nur ein kleiner Teilbereich“, versichert Kriegsch.

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Die Bäume am Loisachufer bleiben jetzt erst mal liegen. „Der Biber soll sich satt fressen an seinem Winterfutter“, sagt Kriegsch. Würde seine Behörde das Totholz zu früh entfernen, würde der fleißige Nager sich an anderen Bäumen zu schaffen machen und somit weiterhin an den Nerven der Behörden nagen.

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