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Wer zieht nach den Kommunalwahlen ein ins Rathaus? 

CSU strebt nach alter Stärke

Farchant braucht einen neuen Bürgermeister: So sieht die Lage bei den Parteien aus

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In Farchant wird im März 2020 der Bürgermeister-Posten frei. Doch bislang gibt es keinen Kandidaten, der das Erbe von Martin Wohlketzetter (SPD) antreten möchte. Die CSU will aber auf jeden Fall einen Bewerber um das Amt ins Rennen schicken.

Farchant – Die CSU möchte den Rathausthron in Farchant zurückerobern. Das hat der Ortsverband schon 2015 kundgetan, als Anton Lipf zum Vorsitzenden gewählt wurde. Jetzt, vier Jahre später, ist das Ziel noch dasselbe: „Wir wollen auf jeden Fall einen Kandidaten stellen“, betont der Kopf der Christsozialen in dem Loisachtaler Dorf. Unabhängig davon, ob der amtierende Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) eine dritte Periode drangehängt hätte. Dass der 60-Jährige nun aber seinen Rückzug ankündigte, passt den Christsozialen dementsprechend gut in den Kram.

Es wäre alles andere als ein Kinderspiel geworden, Wohlketzetter von seinem Posten zu vertreiben. Er ist beliebt und parteiübergreifend hoch angesehen. Nicht ohne Grund hatte der CSU-Ortsverband 2014 auf einen Kandidaten aus den eigenen Reihen verzichtet – und das in einem eigentlich schwarz-geprägten Ort. „Einen Bürgermeister zu entthronen, der sich keine großen Fehler erlaubt hat“, sagt Lipf, „ist schwierig.“ Die aktuelle Situation bietet da schon deutlich bessere Erfolgsaussichten.

Dafür braucht es aber erst einmal einen Bewerber für das Amt. Der fehlt noch. „Wir sind auf der Suche“, sagt Lipf. Mit ein paar potenziellen Kandidaten sind Gespräche geplant. Namen? Bleiben zu diesem Zeitpunkt noch unter Verschluss. Nur soviel verrät der Orts-Chef: Die entsprechende Person „muss auf der gleichen Welle weiterreiten“ wie Wohlketzetter. Muss „Gas geben“. Im Oktober trifft sich die Führungsriege. „Dann gehen wir in die letzten Phasen“, ehe die Aufstellungsversammlung einberufen werden soll.

Freie Wähler hätten keinen Kandidaten gestellt, wenn Wohlketzetter kandidiert hätte

Aus Lipf spricht der Optimismus. Der Weg ins Rathaus scheint so gut wie frei zu sein. Die zwei weiteren im Gemeinderat vertretenen Parteien sind längst noch nicht so fokussiert. Sie spekulierten darauf, dass Wohlketzetter verlängern möchte. Ein weiterer Bewerber wäre für die SPD und für die Freien Wähler (FW) obsolet gewesen. In diesem Fall „hätten wir keinen Kandidaten gestellt“, sagt Gerhard Portele. Eine Aussage, die die Zufriedenheit mit dem Amtsinhaber unterstreicht.

Angesichts der überraschenden Offenbarung Wohlketzetters müssen sich die FW nun erst sortieren und sondieren. Ob aus ihrem Kreise jemand zur Wahl stehen wird – unklar, aber „wünschenswert“. Portele weiß, dass es eine schwierige Aufgabe sein dürfte, jemanden zu finden. Einen mit der nötigen Qualifikation. Er selbst, der seit fast 30 Jahren im Gemeinderat sitzt, winkt ab. „Ich bin selbstständig und fühle mich sehr wohl in meinem Beruf“, betont der Diplom-Bauingenieur. Daran wird er nichts ändern. Persönlich wäre es dem 60-Jährigem am liebsten, wenn sich ein Parteifreier zur Verfügung stellt, auf den sich alle verständigen können.

Gerüchte kursieren schon allerhand im Ort. Keinem davon schenkt Monika Ott Glauben. Einem nimmt sie gleich vorweg den Wind aus den Segeln. Die Rote liebäugelt nicht mit dem Amt. „Mir macht das Leben Freude, so wie es ist.“ Die Gemeinderätin und Vize-Ortsvorsitzende hegt keine große Hoffnung, dass die SPD einen Nachfolger für Wohlketzetter anbieten kann. „Ich muss zugeben, damit schaut’s nicht gut aus.“ Von „düsteren Aussichten“ spricht auch Orts-Chef Christoph Sörgel, der selbst „eher unwahrscheinlich“ seinen Hut in den Ring wirft. Mit einem gemeinsamen Kandidaten könnte er sich wie Portele durchaus anfreunden.

SPD wünscht sich „vielfältiges Farbenspiel“ im Gemeinderat

Die SPD konzentriert sich derzeit auf ihre Wahlkampfstrategie für den Gemeinderat. Die Partei will ein „vielfältiges Farbenspiel“ erreichen und somit eine Dominanz der CSU, wie es sie früher gegeben hat, verhindern. „Ich habe es für die Politik wohltuend empfunden, dass es keine Mehrheit einer Partei gab“, verdeutlicht Ott. Sie nennt die ausgeglichene Zusammensetzung des Gremiums sogar als „Geheimnis des produktiven Arbeitens“ der vergangenen Jahre. Dem schließt sich Portele an. „Ein Übergewicht ist nicht in meinem Interesse.“ Dabei wäre für die CSU genau dieses ein „positiver Nebeneffekt“, sagt Lipf. Die Partei hat aus ihrer Historie geboren ein höheres Anspruchsdenken.

Mit den Listen für die Kommunalwahlen im März 2020 beschäftigen sich bereits alle. Unabhängig vom Streben nach einer gleichmäßigen Sitzverteilung im Gemeinderat setzt die SPD schon deshalb auf ein gutes Personal-Angebot, um nicht wieder in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. „Wir versuchen das Beste, nicht bloß ein Mitglied reinzubekommen“, betont Ott. Bei gerade einmal rund 17 Mitgliedern kein leichtes Unterfangen. Im Oktober soll eine Versammlung für Interessierte stattfinden. Sörgel hält auch eine offene Liste für durchaus möglich. „Lieber bringen sich die Leute so ein als mit Bürgerbegehren.“

Mit den gleichen Problemen müssen sich die FW herumschlagen. Eine „leichte Skepsis“ macht sich bei Portele breit, dass die Partei die Liste voll bringt. Eine Mitgliederversammlung steht ebenfalls im Oktober an. Nur die CSU-Verantwortlichen müssen sich darüber offensichtlich nicht den Kopf zerbrechen. „Die Wahllisten“, schildert Lipf die Situation, „füllen sich schon gut.“

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