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Jetzt zählt’s: Um kurz nach 19 Uhr beginnen die Wahlhelfer in der Bücherei im Rathaus die Stimmzettel zu sortieren. 

Bürger sprechen ein Machtwort

Entscheidung fällt in der Stichfrage: Farchanter stimmen für Hotel-Neubau

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Jubel bei den Befürwortern: Wieder haben sich die Bürger für den Bau eines Hotels an der Föhrenheide ausgesprochen. Deutlicher als noch 2017. 

Farchant – Sofort platzt es aus ihr heraus: „Bravo, bravo“ ruft Monika Ott. Doch die Gemeinderätin und bekennende Hotel-Befürworterin freut sich zu früh. Das Ergebnis, das Christian Hornsteiner, geschäftsführender Beamter im Rathaus, verkündet, ist noch nicht das endgültige Resultat. Nur das des Ratsbegehrens „Nachhaltiger Tourismus für Farchant“. Dieses Votum fällt am Sonntagabend wie auch der Bürgerentscheid „Rettung der Föhrenheide“ positiv aus. Auf die Stichfrage kommt’s an. Kurze Zeit später, etwa um 22.15 Uhr, darf Ott dann schließlich wirklich jubeln. Mit 1053 zu 900 Stimmen haben die Farchanter ein Machtwort gesprochen – für den Bau des Explorer-Hotels an der Frickenstraße.

Es ist der Moment, in dem bei Martin Wohlketzetter (SPD) das Pokerface dem Gesicht eines Strahlemanns weicht. Der Bürgermeister grinst, hält sich mit lauten Freudenbekundungen aber zurück. Er zückt sein Handy, tippt das Ergebnis ein und schickt es an einen Verantwortlichen der Explorer-Gruppe, die die Fläche, auf die der Beherbergungsbetrieb stehen soll, bereits erworben hat. Erleichtert ist er allemal. Sein Bauchgefühl beim Aufstehen in der Früh: „Das wird ganz, ganz eng werden.“ Am Ende allerdings doch deutlicher als noch 2017 beim Bürgerentscheid zum gleichen Thema. Für Wohlketzetter ist vor allem die Differenz von 300 Stimmen vom Ratsbegehren, für das der Gemeinderat sich unisono ausgesprochen hatte, ausschlaggebend. Außerdem entscheidend für ihn: Weil das Projekt viele bewegt, „ist es mir wichtig, dass jetzt kein Riss durch den Ort geht und wir miteinander an der Zukunft Farchants arbeiten“.

Initiator des Bürgerbegehrens bedauert das Ergebnis

Im Rathaus findet sich am Sonntag um kurz vor 20 Uhr auch Manfred Messerschmidt, der Initiator des Bürgerbegehrens, ein. Voller Optimismus. Die 3006 potenziell Stimmberechtigten seien im Vorfeld besser informiert worden als beim letzten Mal, sagt er. Außerdem hat er beobachtet, dass einige sich ein Bild vom Standort gemacht haben. Gut zwei Stunden später ist der strikte Hotelgegner – an der Föhrenheide und überhaupt in Farchant – enttäuscht. „Schade“, sagt er, „aber der Wähler hat entschieden.“ Ob er ein weiteres Begehren anstrebt, falls die Bindungsfrist von einem Jahr – wie wegen langwieriger Verhandlungen mit dem Freistaat geschehen – erneut verstreicht? Für Konkretes ist es an diesem Abend zu früh: Aber es gebe noch andere Möglichkeiten.

Der Initiator des Bürgerbegehrens verweist auf den Gemeinderat. Der müsse nun liefern, über die Einwände bescheiden. Eine Normenkontrollklage schließt Messerschmidt nicht aus. „Man muss jetzt schauen, was man macht.“

Solchen Eventualitäten sieht Wohlketzetter, der Messerschmidt nach der Verkündung kurz die Hand reicht, gelassen entgegen. „Alle Behörden befürworten das Hotel, kein Punkt spricht dagegen.“ Grundsätzlich ist er aber an diesem Feierabend nicht in der Laune, sich darüber Gedanken zu machen. In der Bücherei warten ein paar seiner Gemeinderatskollegen und ein kühles Bier – der Schampus für männliche Sieger.

Die Ergebnisse: 

„Nachhaltiger Tourismus für Farchant“: Ja: 1107; Nein: 807; Ungültig: 148.
„Rettung der Föhrenheide“: Ja: 935; Nein: 863; Ungültig: 264.
Stichfrage: Pro Hotel-Bau: 1053; dagegen: 900; ungültig: 109.
Wahlbeteiligung: 68,60 Prozent.

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