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Kommt bei den Gästen gut an: die Eisbar des TSV Farchant. Im Garten des Waffelhauses wird sie feierlich eingeweiht.

Und alles wegen eines Missverständnisses

„Dude“ Wanke löst Wettschulden ein - im Tutu

Wettschulden sind Ehrenschulden. Das weiß auch Marco Wanke. Der 37-Jährige muss im Dezember beim Heimspiel des TSV Farchants eine Kür aufs Eis legen – im rosafarbenen Tutu. Einer Eisbar sei Dank.

Farchant – Marco Wanke träumt von Pirouetten auf dem Eis. Und das im Hochsommer. Den Farchanter Tausendsassa, der unter anderem als Partyveranstalter und Moderator arbeitet und Mitglied bei den Garmisch-Partenkirchner Autoschraubern „Dudes“ ist, kennen die meisten eher von der männlichen, rockigen Seite. Mit Vollbart, Karohemd und lässiger Jeans steht er bei Veranstaltungen – wie dem Rock’n’Fellas – auf der Bühne. Dass er auch einen Sinn für das Feine und Anmutige hat, wird der 37-Jährige am 26. Dezember bei einem Heimspiel des TSV Farchant zeigen. Dann nämlich betritt Wanke die Eisfläche. Nicht als Ansager. Blendend unterhalten aber wird er die Zuschauer auf jeden Fall. Er liefert eine kunstvolle Zwischeneinlage auf Schlittschuhen. Im kurzen Röckchen, einem rosafarbenen Tutu. Das macht er nicht, weil es ihm Freude bereitet oder weil ihn Eiskunstlauf fasziniert. Wanke muss Wettschulden begleichen. Und zwar beim Farchanter Eishockeyverein.

Angefangen hat alles mit einer einfachen Anfrage. TSV-Verteidiger Timothy Coutu und ein paar Spezln wollten heuer bei der Weißen Nacht in Garmisch-Partenkirchen mithelfen. „Wir hatten die Idee, dass wir eine Eisbar aufbauen könnten“, sagt Coutu. Schließlich kam es zur Wette mit Wanke, der das Fest in der Garmischer Fußgängerzone veranstaltet. „Ich muss gestehen, dass ich was falsch verstanden habe“, sagt der. Statt von einer Eis- ging Wanke von einer Schneebar aus. Bei 30 Grad hielt er es für ziemlich unwahrscheinlich, dass die Jungs vom TSV diese aufbauen könnten, ohne dass alles schmilzt. Darum nahm er den Mund beim Wetteinsatz ziemlich voll. Sogar auf Facebook hat Wanke angekündigt, dass er eine Kür aufs Eis legen will, falls die Burschen vom TSV die Eis- beziehungsweise Schneebar rechtzeitig fertig bekommen.

Wanke nimmt‘s mit Humor

Die Weiße Nacht fand letztlich wegen Regens gar nicht statt. An der Wette zwischen Wanke und den Eishockeyspielern hat sich aber nichts geändert. Und Marco Wanke hat verloren. Pünktlich zum besprochenen Termin war die Bar fertig. „Wir mussten ganz schön ranklotzen“, sagt Coutu. Gut 60 Eisblöcke haben die Sportler selbst hergestellt. Mit Schnee aus dem Garmisch-Partenkirchner Eisstadion. Im Garten des Waffelhauses Hoffmann in Garmisch-Partenkirchen wurde das Meisterwerk eingeweiht. Samt Party – eine kleine Version der Weißen Nacht. „Die Bar war einwandfrei“, sagt Wanke. „Leider“, fügt er lachend an.

Training mit SCR-Nachwuchs

Dass er die Wette verloren hat, nimmt der Farchanter mit Humor. Er fürchtet jedoch, dass ihm das Lachen bald vergehen wird. Denn bis Dezember muss er hart trainieren. Ein ganzes Stück Arbeit liegt vor dem 37-Jährigen, der noch nie auf Eiskunstschlittschuhen gestanden ist und selbst von sich sagt: „Ich bin alles andere als leichtfüßig.“ Nachhilfe nimmt er bei Andrea Hanke vom SC Riessersee. Erst einmal wird er mit den ganz kleinen Nachwuchsläufern trainieren. Bis Dezember muss er eine anspruchsvolle Kür beherrschen. Wanke stellt sich der Herausforderung. Und zeigt dabei Ehrgeiz. Denn: „Blamieren will ich mich nicht.“ Zumindest nicht sportlich. Schlimm genug, dass sein Outfit – ein hautenger, schwarzer Eiskunstanzug samt Ballet-Röckchen – ziemlich sicher für so manchen Lachanfall im Publikum sorgen wird. Vor allem bei seinen Freunden und Bekannten.

Die seien nämlich äußerst schadenfroh. „Manchmal schon zu sehr.“ Sogar Werbeanzeigen wollen einige seiner Spezln schalten, damit so viele Besucher wie möglich zu Wankes großem Auftritt kommen. Eines weiß er ganz genau: Bei seiner nächsten Wette wird er definitiv besser zuhören. Bis zum Winter aber erst einmal weiterhin von Pirouetten träumen.

Magdalena Kratzer

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