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Ruhestand? Nein, danke! Martin Wo hlketzetter kehrt zu seinen beruflichen Wurzeln zurück. 

Das i-Tüpferl auf dem Arbeitsleben

Ex-Bürgermeister Martin Wohlketzetter: Vom Rathaus an den Kramertunnel

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Für Martin Wohlketzetter endet am 1. Mai sein Amt als Bürgermeister der Gemeinde Farchant. Danach schlägt er das nächste berufliche Kapitel auf. Der 60-Jährige widmet sich dem Kramertunnel.

Farchant – Die Muckis in den Beinen waren schon mal ausgeprägter. Martin Wohlketzetter (SPD) gibt’s offen zu. Seine Kondition hat gelitten in den vergangenen zwölf Jahren als Bürgermeister von Farchant. „Ich hab’ Kraft verloren“, sagt er. „Das nervt.“ Bald aber kommt er wieder mehr zum Trainieren, kann sich täglich auf sein Fahrrad schwingen und die Strecke zu seinem neuen Arbeitsplatz zurücklegen. Wohlketzetter sitzt künftig in einem Gebäude auf dem ehemaligen Geiger-Technik-Standort in der Garmisch-Partenkirchner Breitenau – und kehrt zu seinen Wurzeln zurück.

Sein Job als Gemeindechef endet am 30. April. Freiwillig trat er ihn ab. Ruhestand? Nein, danke. Der kam dem 60-Jährigen gar nicht erst in den Sinn. Er lacht und sagt: „Da würd’ ich ja nur meine Söhne ärgern.“

Ein zufälliges Gespräch führt zum Vertrag - Pläne erst nach den Kommunalwahlen verkündet

Zufällig hatte er sich im Spätherbst 2019 mit Nadine Heiß vom Staatlichen Bauamt Weilheim unterhalten. Ende des Jahres unterschrieb er bereits den Vertrag, wollte aber vor den Kommunalwahlen mit seiner Entscheidung nicht an die Öffentlichkeit gehen. Wohlketzetter wird Projektleiter für den Kramertunnel, koordiniert vor Ort das gesamte Vorhaben samt Hangbewässerung, Brücken und Abraum-Entsorgung. „Ich war sofort überzeugt“, sagt der Farchanter über die Stelle. „Für mich ist’s fast ein Traum, der sich erfüllt.“

Der Kreis schließt sich. 1986/87 schrieb Wohlketzetter als Student der Technischen Universität München seine Diplomarbeit. Das Thema: eine Tunnelstrecke von Eschenlohe nach Garmisch in sieben Abschnitten. „Sie endet am jetzigen Nordportal des Kramertunnels“, erzählt der Bau-Ingenieur. Die heutige Oberauer Umfahrung liege auf der damals von ihm skizzierten Trasse. Note: 1,3. Das nötige Knowhow bringt er mit. „Ich hab’ Fachkenntnis“, sagt er selbst.

Wohlketzetter vor Bürgermeister-Amt im U-Bahn-Bau in München tätig

Wohlketzetter vertiefte sein Wissen 16 Jahre lang beim Unternehmen Hochtief, später war er im U-Bahn-Bau für die Stadt München tätig. Eigentlich wollte er zum alten Arbeitgeber zurückkehren, lotete seine Möglichkeiten aus. Aber aktuell fand sich kein passendes Angebot. Das nächste unterirdische Verkehrs-Projekt soll erst in etwa zwei Jahren starten. Im Nachhinein ein Glücksfall. Wohlketzetter spart sich das Pendeln in die Landeshauptstadt – und gewinnt dadurch viel (Frei-)Zeit. Das freut auch Ehefrau Burgi.

Richtig los geht’s für Wohlketzetter am 4. Mai. Wegen des Feiertags zuvor. Bis jetzt regelt alles der zuständige Abteilungsleiter Raphael Zuber. Er nimmt den neuen Mann an die Hand. „Die Einarbeitung läuft gut“, versichert Wohlketzetter. Das Team vor Ort kennt er bereits. Auch an den zweiwöchentlichen Baubesprechungen nahm er ein paar Mal teil. Mit den Unterlagen zur Planfestellung und den Verträgen hat sich der Farchanter längst vertraut gemacht, liest sich jedoch weiter ein. Fällt dem Bücherwurm nicht sonderlich schwer. Er ist einer von der wissbegierigen Sorte.

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Projekt Kramertunnel: Wohlketzetters Vorfreude auf die neue Aufgabe steigt

Die Vorfreude auf seine neue Aufgabe steigt täglich. Wenngleich ihm die Rolle als Bürgermeister „viel gegeben hat“. Von der Themenvielfalt muss er sich allerdings verabschieden. Das nimmt er aber in Kauf. Dafür fallen Wochenend-Dienste und Abendtermine weg. „Das ist viel wert“, stellt er klar. Aber am wichtigsten ist ihm, wieder in seinem erlernten Beruf tätig werden zu können. In einem Job, der hochinteressant sei. „Das ist das i-Tüpferl auf meinem Arbeitsleben.“

Ende 2024 soll der Kramertunnel für den Verkehr freigegeben werden. Wohlketzetter ist dann 65 Jahre alt –und bereit für den Ruhestand. „Das wäre doch ein wunderbarer Abschluss.“

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