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An der Frickenstraße in Farchant soll ein Explorer-Hotel entstehen. 

Abstimmung am 26. Mai

Explorer-Hotel ja oder nein? Befürworter und Gegner liefern Argumente

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Es ist eine weitreichende Entscheidung, die am 26. Mai in Farchant ansteht. Die Wähler müssen über den Hotel-Neubau an der Frickenstraße abstimmen. Gegner und Befürworter tauschten sich jetzt bei einer gut besuchten Bürgerversammlung aus.

Farchant – Das Interesse war groß. So groß, dass kurz vor Beginn der Raumteiler entfernt wurde, damit letztlich gut 300 Männern und Frauen Platz fanden im Kurgästesaal. „Das sind fünfmal mehr als sonst bei unseren Bürgerversammlungen“, sagte Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) erfreut. Lag sicher am Thema, denn an der weiteren Entwicklung des Dorfs scheiden sich die Geister. Am Sonntag, 26. Mai, müssen die Farchanter aber darüber abstimmen. Ob sie dem Gemeinderat folgen und sich somit für einen nachhaltigen Tourismus und damit für den Bau eines Explorer-Hotels an der Frickenstraße aussprechen. Oder ob sie sich den Argumenten der Bürgerinitiative anschließen, die die Föhrenheide in ihrer jetzigen Form bewahren will.

Harte Worte hielt der Vorsitzende der Weidegenossenschaft den Vertretern des Bürgerbegehrens entgegen: „Rettet die Föhrenheide, das ist eine Themaverfehlung“, warf Andreas Leitenbauer ihnen vor. Die etwa 400 Hektar große Kulturlandschaft am Fuß des Hohen Fricken sei in den vergangenen Jahrzehnten allein von den Landwirten geschaffen worden. „Wir haben mit dem Landratsamt vereinbart, dass nicht gedüngt und exzessiv beweidet wird.“ Würde dieses Engagement gestoppt und kein Vieh mehr auf den Flächen an der Frickenstraße grasen, „holt sich der Wald innerhalb von zehn Jahren das ganze Gebiet zurück“, unterstrich Leitenbauer. „Wollt Ihr also die Föhrenheide retten, müsst Ihr die Landwirtschaft unterstützen.“ Er und seine Mitgliederhaben sich auf die Fahne geschrieben, besagte Kulturlandschaft zu erhalten. Ein gewaltiges Areal, von dem ein Hektar genutzt wird, um darauf das Explorer-Hotel und ein Tagescafé samt Direktvermarktung für die Weidegenossen zu bauen.

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Bettenangebot geht zurück

Dass Farchant die zusätzlichen Betten – geplant sind 200 – braucht, bekräftigte Andreas Lorenz, Geschäftsführer der Tourismus Plan B GmbH mit Sitz in Berlin. Im Auftrag der Gemeinde hatte er eine Bedarfsanalyse erstellt. Mit dem Ergebnis: Trotz großer Nachfrage ging das Bettenangebot seit 2008 kontinuierlich zurück. „Sie haben 181 verloren, das entspricht 21 Prozent.“

Um die Infrastruktur, wie Schwimmbad, Sportzentrum und Naturkurpark, aufrechterhalten und ausbauen zu können, bedürfe es allerdings zusätzlicher Einnahmen, ergänzte Wohlketzetter. Allein die Sanierung des Warmfreibads, hinter der der gesamte Gemeinderat steht, und für die 4,7 Millionen Euro veranschlagt sind, stelle aktuell ein Problem dar. „Fördermittel fließen nämlich nicht.“

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Nicht damit, sondern mit vielen Fragen beschäftigte sich Manfred Messerschmidt. Der Initiator des Bürgerbegehrens bezweifelt, „dass ein 200-Betten-Hotel nachhaltigen Tourismus bedeutet“. Zumal dieses auf einer Wiese errichtet werden soll, die momentan mit einer „extrem hohen Dichte an blühenden Enzianen“ besticht. Auch in puncto Verkehrsentwicklung, die auch Dr. Tobias May hinterfragte, Strom- und Wasserversorgung sowie Kanalisation reagierte er auf alle Aussagen der Gemeinde skeptisch. Ihm zufolge kommen für die entsprechenden Nachrüstungen erhebliche Kosten auf die Farchanter zu. „Rein verkehrstechnisch wäre ein Standort nördlich der alten B 2 besser“, warf Messerschmidt in den Raum, was erhebliches Gemurmel zur Folge hatte. Leitenbauer übersetzte diesen Vorschlag so: „Die Initiatoren des Bürgerbegehrens müssen sagen, dass sie das Hotel nicht bei sich haben wollen und den Verkehr scheuen.“

Viele Zweifel beim Initiator des Bürgerbegehrens

Allein darum geht’s Messerschmidt freilich nicht. Ihn beschäftigt auch der Nutzen für den Ort. Dass die künftigen Gäste die Gastronomie im Dorf nutzen, kann er sich nämlich genau so wenig vorstellen wie die Chance für Einheimische, einen Job in dem Beherbergungsbetrieb zu ergattern. Wie falsch er mit dieser Einschätzung liegt, verdeutlichte Klaus Gasteiger, SPÖ-Bürgermeister aus Kaltenbach im Zillertal. Im Juli 2017 eröffnete die Explorer-Gruppe ihr sechstes Hotel in der Tiroler Gemeinde. „Eine absolute, touristische Frischzellenkur“, betonte Gasteiger. Dadurch seien junge, aktive Gäste in seinen Heimatort gekommen, „die mit den Einheimischen verbunden sein wollen und mitfeiern“. Zudem berichtete er, dass „sich Explorer mit den Anbietern vor Ort vernetzt, Mitarbeiter aus der Region einstellt und die Gäste viel Kaufkraft da lassen“. Für Kaltenbach entpuppte sich die Hotel-Ansiedlung, der weitere gefolgt sind, als Glücksfall. „Wenn Explorer auch zu Euch nach Farchant kommt, kann man nur gratulieren“, betonte Gasteiger. Zumal „nicht en masse Investoren vorhanden sind“.

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Dem konnte sich der frühere Bürgermeister Michael Lidl (CSU) nur anschließen: „Liegt den Bürgern an einer weiteren positiven Entwicklung des Orts, dann stimmen sie für das Hotel“, wandte sich der Farchanter Ehrenbürger, der sich nach seinem Rückzug aus dem Rathaus 2008 eigentlich aus der Ortspolitik hatte heraushalten wollen, an die Zuhörer. „Jetzt musste ich meine Meinung sagen.“

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Ein Aufruf, am 26. Mai unbedingt zur Abstimmung zu gehen, folgte auch von Peter Böhmer. Der Geschäftsführer des Dorfladens hat zwar „Bauchweh“, wenn er an den Hotel-Neubau denkt, „aber mein Appell lautet: Geht alle zum Wählen und macht Euch Gedenken“. Für ihn ist das Votum die entscheidende Weichenstellung für die Zukunft des „lieben Dorfs“, als das Farchant in der touristischen Werbung auftritt. Dazu passt Explorer, davon ist Wohlketzetter überzeugt. „Der ganze Gemeinderat steht dahinter, dass dieses Konzept zu uns passt und sich in den Ort integriert.“

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