Christian Hornsteiner und Martin Wohlketzetter stehen vor einer Kiste voller CDs
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Würdigung in feierlichem Rahmen: Farchants Rathauschef schenkt seinem Vorgänger Martin Wohlketzetter (r.) eine Kiste voller Klassik-CDs und verleiht ihm den Titel Altbürgermeister.

Landrat packt Anekdoten aus

Vom No-Name zum Altbürgermeister: Farchant würdigt Leistung von Martin Wohlketzetter

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Zwölf Jahre war er im Amt. Zwölf Jahre, in denen Farchants Ex-Bürgermeister Martin Wohlketzetter vieles bewegte. Jetzt bekam er für sein Wirken einen Titel verliehen.

Farchant – Unbemerkt steht die braune Holztruhe vor der Bühne im Farchanter Alten Wirt. Niemand würdigt ihr eines Blickes. Bis Christian Hornsteiner am Freitagabend die Kiste öffnet. Darin hat der Bürgermeister das Geschenk für seinen Vorgänger, Martin Wohlketzetter, aufbewahrt. Der staunt nicht schlecht. „Die Überraschung“, sagt er, „ist gelungen.“

Oft waren die beiden in den vergangenen Jahren in der Wohnung von Günter Rieppel, einem Gönner der Gemeinde, gewesen. Jedes Mal bewunderte Wohlketzetter, bekennender Klassik-Fan, dessen CD-Sammlung. „Er hat immer gesagt, die will ich mal kaufen“, erzählt Hornsteiner. Er merkte sich den Wunsch, kontaktierte die Tochter des Verstorbenen und bekam die Tonträger. Gerade in Corona-Zeiten ein guter Ersatz für Konzerte, die derzeit nur begrenzt stattfinden. „Da hast jetzt ein paar Stunden Musik“, scherzt der amtierende Rathauschef.

Farchant: Hotel-Projekt beschert Wohlketzetter graue Haare

Die beiden verstehen sich. Das zeigt sich am Freitag beim Ehrenabend deutlich. Die Gemeinde hatte eingeladen, um die ausgeschiedenen Gemeinderäte zu würdigen – und Wohlketzetter, der 2020 nicht mehr kandidierte, die Silberne Bürgermedaille und den Titel Altbürgermeister zu verleihen. Zwölf Jahre lang arbeiteten die beiden eng zusammen. Hornsteiner, damals Rathaus-Geschäftsführer und Kämmerer, Wohlketzetter als sein Vorgesetzter.

Der neue Bürgermeister lobt seinen früheren Chef in höchsten Tönen. Als 1860-er und Gladbach-Fan, SPD-Mitglied sowie als Mann ohne Gemeinderatsmandat habe er schier Unmögliches geschafft. Wohlketzetter wurde – zwar erst denkbar knapp in der Stichwahl – 2008 zum Bürgermeister gewählt. In seiner Amtszeit gelang es ihm aber nicht nur, ein harmonisches, parteiübergreifendes Miteinander im Gemeinderat zu schaffen, er setzte auch zahlreiche Projekte um oder brachte sie auf den Weg. Angefangen von der Erweiterung des Gewerbegebiets, den Anschluss an die Wasserversorgung Garmisch-Partenkirchen/Grainau über den Naturkurpark, den Neubau der Loisachbrücke bis hin zum Wohnungsbau an der Ronetsbachstraße oder Wasserschutzgebietsverfahren mit den Stadtwerken München. Die Liste ist lang. Das letzte Vorhaben, ein Hotel anzusiedeln, hat ihm wegen des Gegenwinds aber „noch ein paar graue Haare beschert“, sagt Hornsteiner in der Laudatio und lacht. Eines aber stellt der Bürgermeister unmissverständlich klar: „Du kannst stolz sein auf Deine Amtszeit.“

Als Eschenloher an Farchants Geschichte mitgeschrieben

Worte, denen Landrat Anton Speer (Freie Wähler) nur beipflichten kann. Wohlketzetter war ihm in den vergangenen Jahren als Stellvertreter immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Als politischer Quereinsteiger erwarb der SPD-Vertreter hohe Anerkennung, bescheinigt ihm der Kreischef im Alten Wirt. Und er hinterlässt sichtbare Spuren. „Du hast bildlich an Farchants Chronik mitgeschrieben – und das als Eschenloher.“

Ich werde nie mehr eine solche Vielfalt an Themen und Menschen erleben.

Altbürgermeister Martin Wohlketzetter über seine Amtszeit

Speer kommt nicht ohne Anekdoten zum Ehrenabend. Die zwei Männer kennen sich aus jungen Jahren. Begegneten sich bei der Bundeswehr in Murnau, bei den Schützen-Rundenwettkämpfen, bei denen sie gerne bis in die Morgenstunden versumpften, und vom Fußball. Als Gegner standen sie sich bei AH-Spielen gegenüber. Auf dem Platz als „linke Bazille mit unschuldigem Blick“ bezeichnet Speer, damals Abwehr, den Mittelfeldmann. „Ich hab’ heut noch einen wehen Fuß.“

Rückzug als Bürgermeister zur richtigen Zeit

Wie Hornsteiner schätzt Speer – trotz der körperlichen Langzeitschäden – den Altbürgermeister. Als Mensch und als Politiker. Wohlketzetter, der sich heuer als Projektleiter des Kramertunnels einen beruflichen Traum erfüllte, denkt gerne an seine Amtszeit zurück. Bereut seinen Rückzug aber nicht. „Ich habe den richtigen Zeitpunkt gewählt“, sagt er. Der 60-Jährige wurde heuer „stolzer Großvater“ und verstärkte als leidenschaftlicher Imker seine Bienenvölker. Doch schon jetzt weiß er: „Ich werde nie mehr eine solche Vielfalt an Themen und Menschen erleben.“

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